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Obama in Krün:Die Weißbierlüge

G7-Gipfel

Neuerdings pilgern auch japanische Touristen nach Krün - dem Weißbier-Frühstück mit Kanzlerin und US-Präsident sei Dank

(Foto: Steffen Kugler/dpa)

Was hat US-Präsident Barack Obama getrunken, als er fröhlich in Krün in die Kameras prostete? Auf dem Glas ist das Logo einer Brauerei aus dem 40 Kilometer entfernten Murnau zu sehen. Doch damit ist das Rätsel nicht gelöst.

Das größte Rätsel ist gelöst. Das Rätsel, das seit Sonntag bestimmt die halbe Welt, sicher aber ganz Bayern und besonders die bayerischen Brauer beschäftigt: Was hatte US-Präsident Barack Obama im Glas, als er so fröhlich im eigens aufgebauten Biergarten in Krün in die Kameras prostete? Sicher ist nur, es war Weißbier. Gebraut wird es in Murnau am Staffelsee, das Logo der Brauerei Karg prangte auf den Gläsern und flimmerte über die Bildschirme hinaus in die Welt.

Franz Schubert klingt am Tag danach am Telefon sehr vergnügt. Klar, für so einen Werbe-Coup würde die Konkurrenz einiges anstellen. "Ach was, ich bin da realistisch, 100 Kilometer von Murnau entfernt, erkennt niemand mehr unser Logo", sagt Karg-Chef Schubert. Dass sich die Manager der großen Brauereien ein bisschen ärgern dürften, weil ein so kleiner Betrieb beim Gipfel ausschenkt und sie nicht, amüsiert ihn schon. Und wie kam Schubert zu diesem Auftrag? "Ja mei, wie man halt ein Geschäft macht", sagt der Brauer.

Brezen aus der Nachbarschaft, das Bier aus Murnau

Eine Cateringfirma aus Berlin rief an, er sagte sofort zu. Die Firma organisierte das Weißwurst-Frühstück und wie bei der gesamten Inszenierung in Krün galt auch beim Essen Regionalität. Würste und Brezen kamen aus der Nachbarschaft, das Bier aus dem 40 Kilometer entfernten Murnau. Näher liegt die Mittenwalder Privatbrauerei, aber Franz Schubert beliefert auch Schloss Elmau. Dort haben die Berliner regionale Lieferanten erfragt, sagt der 68-Jährige.

Aktuelles Lexikon: Weißbier

In seinem Grundriss des deutschen Staatsrechts von 1769 würdigte der große Jurist Wiguläus Kreittmayr das Weißbier zusammen mit dem Salz und der Schweinemast als "das bayrische Klee mit den drey göldenen Blättern". Dieses Urteil hat am Sonntag eine famose Bestätigung erfahren, als nämlich US-Präsident Barack Obama den Menschen beim Empfang in Krün mit einem Weißbierglas zuprostete. Dieses Bild wird den sich global ausweitenden Weißbierkult weiter anheizen. Bayern ist so etwas wie der Nabel der Weißbierwelt, obwohl die Ursprünge des Getränks im Orient zu suchen sind, wie Abbildungen auf uralten Tonvasen belegen. Heute sitzt der Weltmarktführer in Sachen Weißbier im oberbayerischen Erding, von wo aus die Ware in mehr als 70 Länder exportiert wird. In Bayern besticht das Weißbier seit jeher auch durch seine politische Funktion. Schon Kurfürst Maximilian I. (1573-1651), ein Vordenker des TTIP, hatte den maroden Staatshaushalt saniert, indem er den Trunk ausschließlich von seinen eigenen Brauhäusern herstellen ließ. Außerhalb von Bayern firmiert das Weißbier als Weizenbier, wird es doch mit Weizen und Weizenmalz hergestellt. "Weizen" und "weiß" besitzen denselben etymologischen Ursprung. Sehr beliebt sind auch Weißbier-Mischgetränke. Vermischt mit weißer Limonade, heißt das Weißbier traditionell Russ, aber das hat man dem Mister Obama in Krün lieber nicht gesagt.

Hans Kratzer

Die Brauerei Karg ist seit vier Generationen im Familienbesitz, Schubert und seine Tochter Victoria, 32, beschäftigen zehn Mitarbeiter. Jedes Jahr stellt die Murnauer Brauerei 10 000 Hektoliter Weißbier her, so viel passt in zwei Millionen Weißbiergläser. Die Erdinger Konkurrenz produziert fast 200-mal so viel.

Und was trank Obama nun genau? Alkoholfreies, sagten Alois Kramer und seine Mutter Pauline nach dem Weißwurstfrühstück am Sonntag. Sie saßen am Ehrentisch mit Obama, Kanzlerin Angela Merkel, ihrem Mann Joachim Sauer und Krüns Bürgermeister Thomas Schwarzenberger. Alkoholfreies Weißbier? Franz Schubert braut fünf Sorten und alle enthalten Alkohol. "Ich hätte ihm gerne mein Bier angeboten, aber es musste alkoholfrei sein", sagt er. Ein bisschen Enttäuschung hört man in seiner Stimme. Welches Weißbier stattdessen in Barack Obamas Glas war, möchte Schubert nicht sagen. Nur so viel: "Erdinger war es nicht."