Nürnberg Suizid eines SEK-Beamten

Ermittler prüfen Zusammenhang mit "Reichsbürger"-Fall

Von Olaf Przybilla, Nürnberg

Der Suizid eines Beamten des Spezialeinsatzkommandos (SEK) Nordbayern wirft Fragen auf. Nach SZ-Informationen aus Polizeikreisen gehen Ermittler dem Verdacht nach, ob die Selbsttötung des 45-jährigen Polizisten etwas mit dem Fall Georgensgmünd zu tun haben könnte. Der SEK-Beamte hatte sich am Freitag in der Nähe seines Arbeitsplatzes erschossen. Nach Informationen aus der mittelfränkischen Polizei deute derzeit nichts auf ein privates Motiv für den Suizid hin. Ins Blickfeld gerieten daher umso mehr die etwa zur selben Zeit aufgenommenen Ermittlungen gegen einen 50 Jahre alten Kommissar, der Kontakte zum sogenannten Reichsbürger von Georgensgmünd gepflegt haben soll. Der "Reichsbürger" hatte am 19. Oktober 2016 auf SEK-Beamte geschossen, ein Beamter war dabei ums Leben gekommen. Der Fall hatte in der gesamten bayerischen Polizei, vor allem aber beim SEK Nordbayern, Bestürzung ausgelöst.

Der 50-jährige Kommissar war zwar vor zwei Monaten zusammen mit einem Kollegen vom Dienst suspendiert worden, weil er mit dem "Reichsbürger" mindestens über einen Telefon-Chat bekannt war. In den Ermittlungen der Staatsanwaltschaft wurde der Kommissar aber über Wochen lediglich als Zeuge geführt. Das hat sich jetzt geändert: Inzwischen ermittelt die Staatsanwaltschaft gegen den 50-Jährigen wegen Beihilfe zum Totschlag durch Unterlassen. Die Ermittler gehen davon aus, dass der Kommissar damit rechnen konnte, dass der 49 Jahre alte "Reichsbürger" Wolfgang P. beim Einsatz in Georgensgmünd seine Schusswaffe gegen Beamte richten würde. Er hätte seine Kollegen also, so der Vorwurf, warnen können.

Die Ermittler müssen auch dem Verdacht nachgehen, ob Wolfgang P. - dessen Schusswaffen bei dem Einsatz offenbar griffbereit lagen - womöglich von dem Einsatz gewusst hat. Nach Darstellung eines mit der Sache vertrauten Beamten ist vor allem der zeitliche Zusammenhang zwischen dem Suizid des SEK-Beamten und dem Ermittlungsverfahren gegen den Kommissar auffällig. Der Kommissar soll gute, auch private Kontakte zu SEK-Beamten gepflegt haben. Diese wiederum wussten von bevorstehenden Einsätzen. Es sei "leider nicht auszuschließen", sagt ein hochrangiger bayerischer Polizist, dass der "Reichsbürger" P. auf dem Weg - und womöglich, ohne dass dies so beabsichtigt war - über einen bevorstehenden Einsatz erfahren hat. Durch eine private Indiskretion also. Das eingeleitete Verfahren gegen den Kommissar wiederum könne den 45-jährigen SEK-Beamten in eine Situation gebracht haben, in der er womöglich öffentliche und polizeiinterne "Ächtung" gefürchtet habe - weil er Ermittlungen auch gegen sich selbst befürchten musste.

Das Polizeipräsidium Mittelfranken und die Staatsanwaltschaft Nürnberg geben sich in der Sache bedeckt. Man werde in dieser Causa keine offiziellen Auskünfte erteilen, erklärten Sprecherinnen beider Behörden.