Süddeutsche Zeitung

Nürnberg:Wie Barbie jung bleiben soll

Auch eine Plastikschönheit altert. Für ein Forschungsprojekt zerlegen Nürnberger Studenten die Puppe in ihre Einzelteile - und zünden sie an.

Mit Baujahr 1970 sieht man einfach nicht mehr so taufrisch aus wie die zwanzigjährige Freundin, das gilt sogar für Barbie. Weil das Nürnberger Spielzeugmuseum verhindern will, dass seine Plastikschönheiten altern, hat es Studierenden der Technischen Hochschule eine Barbie von 1966 sowie sowie drei aktuelle Puppen zur Verfügung gestellt.

Die haben im Chemielabor versucht, die Zusammensetzung der Puppe zu erkunden - und daraus Konservierungsvorschläge abzuleiten. "Eine Barbie besteht aus einer Vielzahl von Kunststoffen. Und jedes Material altert anders", sagt Chemie-Professor Jens Pesch. Die Studenten zerlegten die Puppen in ihre Einzelteile, bestrahlten sie mit Infrarot-Licht, zündeten Proben an und testeten das Plastik auf Löslichkeit.

In der Fachliteratur finde sich jedoch nur wenig zur Barbie-Komposition. Auch der Hersteller Mattel gebe kaum Informationen dazu heraus. Ganz alte Barbies hätten noch ein Metall-Skelett gehabt, erklärt Pesch. "Davon kam man aber schnell wieder ab, weil der Kunststoff damit reagiert hat." Die Puppen bis zum Jahr 1985 bestünden überwiegend aus dem gängigen Kunststoff PVC. In den neuen Puppen sei dann eine Vielzahl von Kunststoffen verarbeitet. Einige Konservierungsregeln gelten für alle Barbies - ob jung oder alt: Sie sollten möglichst sauerstoffarm, ohne UV-Licht und bei niedriger Temperatur gelagert werden. Zweites Ergebnis der Untersuchung: Die Sache ist komplex und bietet Stoff für mindestens eine Doktorarbeit.

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SZ vom 25.02.2017/dpa/kbl
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