Nach der Tötung von Pavianen in NürnbergHassbotschaften bis aus Kanada

Lesezeit: 2 Min.

Es gab auch konkrete Drohungen gegen den Tiergartendirektor Dag Encke (Archivbild).
Es gab auch konkrete Drohungen gegen den Tiergartendirektor Dag Encke (Archivbild). (Foto: Daniela Karmann/dpa)
  • Nach der Tötung gesunder Guinea-Paviane im Tiergarten Nürnberg Ende Juli erhielten Direktor Dag Encke und Zoo-Personal Drohungen über soziale Medien.
  • Die Polizei konnte mehr als 20 Verfasser mutmaßlich strafbarer Hasskommentare identifizieren, darunter Morddrohungen aus Deutschland, Europa und Kanada.
  • Encke hatte zwölf gesunde Guinea-Paviane töten lassen, weil sich die Primaten stark vermehrt hatten und ihr Gehege zu klein geworden war.
Von der Redaktion überprüft

Dieser Text wurde mit der Unterstützung einer generativen künstlichen Intelligenz erstellt. Lesen Sie mehr über unseren Umgang mit KI.

Fanden Sie diese Zusammenfassung hilfreich?
Mehr Feedback geben

Nach der Tötung von Pavianen erhielten der Nürnberger Tiergartendirektor und das Zoo-Personal Drohungen. Mehr als 20 Verfasser konnte die Polizei identifizieren. Gegen sie wird ermittelt.

Von Max Weinhold Hernandez

Nach der Tötung gesunder Guinea-Paviane im Tiergarten Nürnberg Ende Juli dieses Jahres erhielten Direktor Dag Encke und weitere Zoo-Angestellte Drohungen über soziale Medien. Mehr als 20 Verfasser solcher mutmaßlich strafbarer Hasskommentare, darunter Morddrohungen, konnte die Polizei inzwischen identifizieren, wie ein Sprecher des Polizeipräsidiums Mittelfranken auf SZ-Anfrage mitteilte.

Für diese Fälle seien nun verschiedene Staatsanwaltschaften in Deutschland, dem europäischen Ausland und sogar in Kanada zuständig, von wo aus die Kommentare verfasst worden seien. In knapp der Hälfte der Fälle dauerten die Ermittlungen an.

SZ Bayern auf Whatsapp
:Nachrichten aus der Bayern-Redaktion – jetzt auf Whatsapp abonnieren

Von Aschaffenburg bis Berchtesgaden: Das Bayern-Team der SZ ist im gesamten Freistaat für Sie unterwegs. Hier entlang, wenn Sie Geschichten, News und Hintergründe direkt aufs Handy bekommen möchten.

Zunächst hätten Polizei und Staatsanwaltschaft aus der Vielzahl an Kommentaren jene knapp 40 herausgefiltert, die sie für strafrechtlich relevant hielten, etwa wegen Beleidigung, Volksverhetzung oder der Belohnung und Billigung von Straftaten, erklärte der Sprecher. Anschließend versuchte die Polizei, die Spur der Kommentarschreiber digital nachzuverfolgen und ihre Identitäten zu ermitteln, bevor sie die Ergebnisse den jeweiligen Staatsanwaltschaften vorlegte.

In einigen Fällen dürften die Hasskommentare indes folgenlos bleiben. Wie eine Sprecherin der Staatsanwaltschaft Nürnberg-Fürth mitteilte, hat diese sechs der sieben ihr vorliegenden Verfahren wegen der Beleidigung und Bedrohung von Encke eingestellt, weil die Ermittler die Identitäten der Kommentarschreiber nicht klären konnten.

Die Ermittlung der Urheber solcher Nachrichten in den sozialen Medien gestalte sich in der Regel schwierig, erklärte die Sprecherin. Manchmal werde die Auskunft von den Diensten mit dem Hinweis auf das Recht auf freie Meinungsäußerung verweigert, manchmal sei der Account im Ausland registriert und ein aufwendiges Rechtshilfeersuchen verspreche keine Aussicht auf Erfolg.

Tiergartendirektor Encke hatte Ende Juli entschieden, zwölf gesunde Guinea-Paviane töten zu lassen, nachdem sich die Primaten stark vermehrt hatten und ihr Gehege zu klein geworden war. Nach Einschätzung des Tiergartens waren alle Alternativen erschöpft. Tierschützer dagegen kritisierten die Entscheidung. Nach ihrer Ansicht war die Tötung im Zuge des sogenannten Populationsmanagements zur Erhaltung einer Art nicht „vernünftig“, wie es das Tierschutzgesetz verlangt.

Tierethikerin im Interview
:„Die Paviane zu töten, wäre skandalös“

Der Tiergarten Nürnberg zieht in Betracht, Paviane wegen einer Überpopulation zu töten.  Dagegen wendet sich die Philosophin und Tierethikerin Judith Benz-Schwarzburg vehement. Zoos sind für sie grundsätzlich ein „Auslaufmodell“.

SZ PlusInterview von Olaf Przybilla

Bei der Staatsanwaltschaft gingen deshalb mehr als 300 Strafanzeigen gegen Encke ein. Wie die Sprecherin nun mitteilte, dauerten die Ermittlungen wegen möglicher Verstöße gegen das Tierschutzgesetz an. Sie rechne erst im neuen Jahr mit einem Abschluss des Verfahrens.

In Kommentaren in sozialen Medien nahm die Kritik am Tiergarten teils erschreckendes Ausmaß an. „Wenn sie die Paviane erschießen, ist der Chef vom Nürnberger Tiergarten tot. Wir wissen, wo der Chef wohnt“, hieß es laut der Sprecherin beispielsweise in einem Post. In einem anderen Kommentar hieß es in Anspielung auf den NS-Verbrecher Josef Mengele, der als Lagerarzt in Auschwitz Menschenversuche unternommen hatte: „Dag Encke, dieses empathielose Stück Sch. maßt sich an, über Leben und Tod von Angehörigen anderer Spezies zu entscheiden. Dr. Mengele lässt grüßen!“

© SZ - Rechte am Artikel können Sie hier erwerben.
Zur SZ-Startseite

Tiergarten Nürnberg
:Paviane töten? Ja, wenn es das Richtige ist

Dag Encke verantwortet als Zoodirektor einen höchst unpopulären Schritt, den er aber mit Artenschutz erklärt. Dass er sich mal darum kümmert, hätten seine Biologie-Lehrer früher wohl nicht vermutet.

SZ PlusVon Max Weinhold Hernandez

Lesen Sie mehr zum Thema

  • Medizin, Gesundheit & Soziales
  • Tech. Entwicklung & Konstruktion
  • Consulting & Beratung
  • Marketing, PR & Werbung
  • Fahrzeugbau & Zulieferer
  • IT/TK Softwareentwicklung
  • Tech. Management & Projektplanung
  • Vertrieb, Verkauf & Handel
  • Forschung & Entwicklung
Jetzt entdecken

Gutscheine: