Achim Mletzko hat eine Schwester in den USA. Als die ihm von einem Bericht in ihrer lokalen Zeitung erzählte, demzufolge auf dem „Nazi Party Rally Ground“ – Nürnbergs ehemaligem Reichsparteitagsgelände – ein Ausweich-Opernhaus geplant ist, dämmerte dem Grünen-Stadtrat endgültig, woran sie da gerade planen in Nürnberg. Worte mit Superlativ-Verdacht sind eher selten im Stadtrat, das gibt das Naturell der Nürnberger kaum her. In dem konkreten Fall aber tastet sich Mletzko, gerade wenn er an das Gespräch mit seiner Schwester denkt, zu einer Formulierung vor. Eine Oper auf historisch maximal kontaminiertem Gelände? Das habe „vielleicht sogar eine weltpolitische Dimension“.
Ausweich-Spielstätte auf Ex-ReichsparteitagsgeländeEine Oper am schwierigsten Ort von Nürnberg
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Die einen lästern, die anderen sehen sich am lang ersehnten Ziel. Eines aber ist der Entwurf für Nürnbergs neue Oper auf NS-kontaminiertem Gelände auf alle Fälle: spektakulär unspektakulär. Und das gewollt.
Von Olaf Przybilla, Nürnberg
