Der Nürnberger Stadtrat hat entschieden, wer die Ausweichspielstätte für Oper und Ballett auf dem ehemaligen Reichsparteitagsgelände bauen soll. Für das Gesamtpaket verantwortlich sein wird demnach das Bauunternehmen Georg Reisch aus Bad Saulgau in Baden-Württemberg. Der Entwurf für den Neubau stammt von der LRO GmbH und Co. KG in Stuttgart.
Das Duo aus dem Bauunternehmen Reisch und dem Architekturbüro war bereits für den Bau einer prominenten Spielstätte in Bayern verantwortlich: für das vielfach prämierte Münchner Volkstheater. In der SZ ist dieses als „Wunder von München“ gefeiert worden: „pünktlich, skandalfrei und auch noch schön“.
Auch der geplante Kostenrahmen wurde bei dem 2021 eröffneten Haus in München demnach exakt eingehalten. Vom Unternehmen Reisch habe die Stadt München das Theaterhaus im Gesamtpaket bekommen, „mit einer bestimmten Architektur, zum Festpreis und zu einem vereinbarten Termin“. Exakt dies ist nun auch für die Nürnberger Spielstätte vorgesehen.
Für den Innenhof der Kongresshalle, eine Hinterlassenschaft der Nazis, sieht die Stadt einen Neubau als bewusste „Gegenposition“ zum massiven, hufeisenförmigen Torso vor, sagt Nürnbergs Baureferent Daniel Ulrich. Die Kubatur des Baus verberge sich hinter einer Begrünung und verzichte „damit auf eine eigene Architektursprache“. Der Opernbau soll mit Efeu und wildem Wein begrünt werden.

In dem Vergabeverfahren hatten sich insgesamt vier Unternehmen beworben; zwei Fachgremien und die Nürnberger Opernhauskommission hatten dem Stadtrat schließlich den Vorschlag von Reisch/LRO vorgelegt. In nicht öffentlicher Sitzung hat der Stadtrat diesen nun angenommen.

Nach dem aktuellen Zeitplan soll die neue Spielstätte des Nürnberger Staatstheaters im Jahr 2027 fertiggestellt sein, 2028 sollen dort erste Inszenierungen zu sehen sein. Allein für den Neubau an der Kongresshalle, ausgelegt für 800 Besucher, sind momentan 85,5 Millionen Euro vorgesehen. Das Gesamtprojekt – darunter Theaterinfrastruktur, Schadstoffsanierungen sowie „Ermöglichungsräume“ für künstlerische Präsentation und Produktion – soll nach derzeitigem Stand etwa 296 Millionen Euro kosten.
Wie lange die Sparten Oper und Tanz auf dem ehemaligen Reichsparteitagsgelände beheimatet sein werden, ist nicht klar. Ursprünglich waren für das „Operninterim“ zehn Jahre vorgesehen; nach derzeitigem Stand soll die neue Spielstätte mindestens 25 Jahre lang genutzt werden, zunächst vom Staatstheater, womöglich danach von der freien Szene. Nach derzeitiger Beschlusslage soll das Staatstheater ins Stadtzentrum zurückkehren. Das Opernhaus am Richard-Wagner-Platz gilt als dringend sanierungsbedürftig.
Am Donnerstag will die Nürnberger Stadtspitze die Öffentlichkeit über Einzelheiten des Gesamtentwurfs für die neue Opernspielstätte informieren.

