Staatstheater Nürnberg:Die Oper als "Place to be"

Coronavirus - Opernhaus Nürnberg

Ein Blick ins Nürnberger Opernhaus.

(Foto: dpa)

Eine Kommission empfiehlt der Stadt, nach der Sanierung des alten Hauses wieder an den angestammten Ort im Zentrum zurückzukehren. Der Umzugsort? Vermutlich das ehemalige NS-Gelände.

Von Olaf Przybilla, Nürnberg

Eine Kommission der Stadt Nürnberg hat sich dafür ausgesprochen, nach dem Opernhaus-Interim an einem anderen Ort wieder an den angestammten Richard-Wagner-Platz zurückzukehren. Einzig der Stadtratsvertreter der sogenannten Politbande votierte am Freitag dafür, nicht nur die Ausweichspielstätte auf dem ehemaligen NS-Reichsparteitagsgelände unterzubringen, sondern mit dem Staatstheater gleich endgültig aus dem Zentrum in den Stadtsüden umzuziehen. Nachdem zuletzt über zahlreiche Ausweichorte debattiert wurde, zeichnet sich eine Stadtratsmehrheit für die Torso gebliebene NS-Kongresshalle ab. Oberbürgermeister Marcus König (CSU) will dort einen "Ort der Unkultur" mit Kultur konfrontieren.

Die Opernhauskommission spricht aber nur Empfehlungen aus. Endgültig wird erst das Stadtratsplenum entscheiden müssen, wohin die Oper während ihrer Sanierung ziehen soll. Vor allem aus Brandschutzgründen wird sie ihr Haus 2025 verlassen müssen. Kulturbürgermeisterin Julia Lehner (CSU) sagte in der Sitzung, seit Generationen identifizierten sich die Nürnberger mit dem Mehrspartenhaus inmitten der Stadt. Die Verwaltung spreche sich schon deshalb dafür aus, nach dem Interim dorthin zurückzukehren. Es fehle schon an einer Vorstellung, was man mit dem historischen Haus anderes machen könnte - als eben Oper, Theater und Ballett. Ein historischer "Glücksfall" sei der Ort, pflichtete Baureferent Daniel Ulrich bei. Er wandte sich dagegen, jetzt bereits mit Sanierungssummen zu operieren. Zuletzt war von bis zu 800 Millionen Euro die Rede. So lang noch nichts geplant sei, entbehrten solche Spekulationen einer Grundlage.

Details zur Ausweichstätte sind unklar

"Nicht zu vertreten" wäre ein endgültiger Wegzug aus dem Zentrum, plädierten die Vertreter der CSU, schon der Synergien mit dem Schauspielhaus wegen. Die SPD verwies darauf, dass Neubauten nicht notwendigerweise billiger werden müssten. Die Grünen räumten eine kontroverse Debatte in den eigenen Reihen ein. Zwar drohe eine Sanierung "sündhaft teuer" zu werden, gleichwohl votiere man für den Verbleib. Allein der Vertreter der Politbande sprach sich dafür aus, das Opernhaus, 1905 eröffnet, zu entkernen und dauerhaft anders nutzen. Man wisse angeblich, dass auch Stadträte anderer Fraktionen dafür Sympathien hegten - sich dies aber nicht zu sagen trauten.

OB König will aus dem Richard-Wagner-Platz nach dem Rückzug der Oper dorthin einen "Place to be" machen. Die Zeit aber laufe ab, möglichst bald sollte eine Entscheidung über den Umzug getroffen werden. Sonst gingen 2025 im Opernhaus "die Lichter aus". Bürgermeisterin Lehner warb erneut für den Interimsspielort NS-Kongresshalle. Auch CSU und Grüne hatten sich bereits zuvor für diesen Standort ausgesprochen. SPD-Sprecher Ulrich Blaschke trat da auf die Bremse. Für so eine Entscheidung müsse man sich die notwendige Zeit nehmen. So müsse klar sein, wie man so einen Spielort nach dem Interim weiter nutzen könnte. Auch müsse geklärt werden, wie Erinnerungsarbeit auf dem NS-Gelände mit einer Nutzung als Interimsspielstätte zusammenzubringen wäre. So befürworte man zum jetzigen Zeitpunkt keine Vorfestlegung speziell auf den Innenhof der NS-Kongresshalle - auch andere Orte auf dem früheren NS-Gelände wären denkbar.

Ein konkreter Vorschlag über den Ort des Interims erging am Ende bewusst nicht. Die Kommission empfahl dem Stadtrat, die Bürgerschaft an der Entscheidung zu beteiligen, sich möglichst noch im Jahr 2021 zu entscheiden - und "keine Option auszuschließen".

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