KulturNürnbergs Oper zieht aufs einstige NS-Areal

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Die ehemalige Nazi-Kongresshalle in Nürnberg wird künftig Funktionsräume der Oper beherbergen.
Die ehemalige Nazi-Kongresshalle in Nürnberg wird künftig Funktionsräume der Oper beherbergen.
Timm Schamberger/dpa

Die Stadt leitet damit das "größte Einzelprojekt seit dem Zweiten Weltkrieg" ein. Die Entscheidung suggeriert parteienübergreifenden Konsens. Tatsächlich stehen die strittigsten Fragen erst zur Klärung an.

Von Olaf Przybilla, Nürnberg

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Grüne, SPD und CSU treten in Nürnberg selten gemeinsam vor die Presse, schon gar nicht im großen Sitzungssaal des Rathauses. Es muss also um Großes gehen an diesem Freitagmittag - und das tut's ja auch: Vom "größten Einzelprojekt seit dem Zweiten Weltkrieg" spricht Oberbürgermeister Marcus König (CSU); man habe sich "auf eine gemeinsame Vorgehensweise zum Umgang mit der Opernhaussanierung und einer Interimsspielstätte geeinigt", heißt es in der gemeinsamen Pressevorlage.

Zwei Kernpunkte sieht diese Einigung vor: Das Opernhaus im Stadtzentrum, Baujahr 1905, wird saniert, das Staatstheater wird nach einer Interimszeit von voraussichtlich zehn Jahren dorthin zurückkehren. Die Funktionsräume der Oper - Büros, Technik- und Werkstatträume, Theaterfundus und vieles mehr - kommen aufs ehemalige Reichsparteitagsgelände, ins 82 000 Quadratmeter große Wundmal der Stadt, in die Nazi-Kongresshalle.

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Im Wesentlichen aber enden damit schon die Gemeinsamkeiten. Ob die Spielstätte, der Aufführungssaal für Oper und Tanztheater, "innerhalb oder außerhalb der Kongresshalle" platziert wird, bleibt offen. Was wie Kleinkram klingt, ist in Wahrheit der Kern der zuletzt hitzig geführten Stadtdebatte.

Tatsächlich hat die SPD, wie deren Fraktionschef Thorsten Brehm anmerkt, nicht gegen Kultur in der NS-Ruine Front gemacht: dass dort Künstler und Kreative einziehen sollen, ist längst Konsens in der Stadtgesellschaft - was niemanden wundern muss, schließlich beherbergt der ans Kolosseum angelehnte Nazi-Bau seit mehr als fünf Jahrzehnten die Nürnberger Symphoniker, den kleineren der beiden lokalen Großklangkörper.

Auf deutlichen Widerstand - nicht zuletzt bei den sonst von der Stadt hoch gelobten Historikern des Dokuzentrums Reichsparteitagsgelände - stoßen dagegen Überlegungen, ein Opernhaus in den Innenhof der Riesenruine einzubauen. Sie fürchten, damit würde in eine besonders sprechende Quelle im Ensemble der NS-Hinterlassenschaften Nürnbergs eingegriffen.

"Wir bauen ein Interim", einen "Aufführungsort auf Zeit" also

So ein Eingriff aber sollte doch nur temporär sein, "ephemer", also abbaubar, womöglich in Leichtbauweise, argumentiert die Stadt bislang dagegen - offenbar, um damit Denkmalschützer nicht übermäßig zu beschweren. Auf dem Podium der vermeintlich großen schwarz-rot-grünen Gemeinsamkeit klingt das indes völlig anders.

Brehm will eine "hohe Qualität" des Interimsbaus, Grünen-Fraktionschef Achim Mletzko träumt gar von einem "internationalen Architektenwettbewerb". Aus Grünen-Perspektive klingt das nachvollziehbar: Ein Interimsbau für mehr als 40 Millionen Euro, der dann wieder abgerissen würde, hielten sie weder für ökonomisch vermittelbar noch ökologisch vertretbar.

Ein internationaler Architektenwettbewerb? Im gemeinsamen Papier liest sich das eher wie ein lokaler Verwaltungsvorgang: "Im Rahmen des Bieterverfahrens" sollen "entsprechende Fachbeiträge abgefragt werden". Kulturreferentin Julia Lehner (CSU) stellt dann auch klar: "Wir bauen ein Interim", einen "Aufführungsort auf Zeit" also. Und laut CSU-Fraktionschef Andreas Krieglstein sei es "wohl klar", dass schon allein der Zeitnot wegen - 2025 sollte der Interimsbau stehen - "kein internationaler Wettbewerb" anstehe. Großer Konsens in Nürnberg? Nur an der Oberfläche.

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