NS-Kongresshallentorso:Bitte um Aufschub

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Mehrere Organisationen fordern den Nürnberger Stadtrat auf, die Entscheidung über ein Operninterim auf dem ehemaligen NS-Gelände zu vertagen. Die Stadt dürfe ihren guten Ruf nicht aufs Spiel setzen.

Von Olaf Przybilla, Nürnberg

In einem offenen Brief haben mehrere Organisationen den Nürnberger Stadtrat aufgefordert, die Entscheidung über ein Opernhaus-Interim auf dem Areal des NS-Kongresshallentorsos zu vertagen. Zu den Unterzeichnern gehören unter anderem die Initiative für Architektur und Öffentlichkeit "BauLust", das Institut für Regionalgeschichte "Geschichte Für Alle" sowie die Stadtratsgruppierung "Die Guten". Der künftige Umgang mit diesem Denkmal aus der Zeit des Nationalsozialismus werde "international Beachtung finden", heißt es in dem offenen Brief. Bei einer Entscheidung solcher Tragweite habe die Stadtgesellschaft "schlicht ein Recht darauf, dass eine derart wichtige Entscheidung nicht unter enormem Zeitdruck gefällt" werde. Zumal die Notwendigkeit einer Opernhaussanierung "seit mindestens zehn Jahren" bekannt sei.

Laut Tagesordnung soll der Stadtrat bislang am 15. Dezember darüber befinden, wo eine Ausweichspielstätte samt Ersatzarbeitsplatz für die Angestellten des Staatstheaters errichtet wird. In dem offenen Brief wird nun eine Verlegung um sechs Monate gefordert. Die Gruppierung "Die Guten" will einen entsprechenden Antrag in den Stadtrat einbringen. Stadträtin Alexandra Thiele sieht "viele Fragen in der Sache offen". Zahlreiche Bürger äußerten die Sorge, die Entscheidung solle "schnell durchgezogen werden, damit endlich Ruhe ist". In dem Brief heißt es, der zukünftige Umgang mit der NS-Kongresshalle werde sich auch daran messen lassen müssen, was bisher an Erinnerungsarbeit in Nürnberg geleistet worden sei. Man dürfe den guten Ruf, den sich die Stadt in der Auseinandersetzung mit ihrer NS-Historie erarbeitet habe, nicht leichtfertig verspielen.

Auch die SPD äußert sich in einer aktuellen Stellungnahme zu dem Thema. Zwar komme die NS-Kongresshalle unter bestimmten Bedingungen als Ausweichspielstätte für das sanierungsbedürftige Opernhaus in Frage. Der Innenhof der Kongresshalle aber sei "kein x-beliebiges Bauland, sondern ein historischer Erinnerungsort und das soll auch so bleiben", heißt es in einer Erklärung der Nürnberger Parteispitze. Die SPD plädiere stattdessen für eine Ausweichspielstätte im Außenbereich der Kongresshalle. Wie CSU und Grüne befürwortet aber auch die SPD, Räumlichkeiten innerhalb der Kongresshalle Kunst- und Kulturschaffenden zur Verfügung zu stellen.

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