In der Stadt Nürnberg ist der Bereich Kultur – bislang von CSU-Kulturbürgermeisterin Julia Lehner geleitet – künftig Chefsache. Nach dem Ende der Rathausverhandlungen von CSU und SPD ist klar, dass ihr Geschäftsbereich in den kommenden sechs Jahren von Oberbürgermeister Marcus König (CSU) übernommen wird. Lehner ist für die Nürnberger Kultur seit 24 Jahren zuständig, ihre Amtszeit läuft am Monatsende aus.
Über die Nachfolge für den Bereich Kultur war über Monate spekuliert worden. Der Name des Oberbürgermeisters fiel in den Debatten nahezu nie. Aus gutem Grund: Das Errichten einer Opernersatzspielstätte auf dem ehemaligen Reichsparteitagsgelände gilt als eine der größten und heikelsten Kulturbaustellen der Republik. Allein dieses Projekt zusätzlich zu den OB-Aufgaben voranzutreiben, hielten offenbar die meisten für schwer machbar. Eine „Herkulesaufgabe“, sagen Beobachter. Der Vorteil: Sollte es Probleme auf der Baustelle geben, habe der OB im Notfall die notwendige Autorität.
Zweiter Bürgermeister wird demnach der bisherige CSU-Chef im Rathaus, Andreas Krieglstein. Er wird unter anderem für Sport, Mobilität und den Tiergarten zuständig sein. Auch diese Bereiche gelten als anspruchsvoll: Das Nürnberger Stadion soll demnächst grundlegend umgebaut werden, der „Frankenschnellweg“ ist das am längsten geplante und diskutierte Projekt der Stadt, die Delfinlagune und die Pavian-Haltung im Tiergarten bergen ebenfalls Zündstoff. Als Dritter Bürgermeister ist Nasser Ahmed (SPD) vorgesehen, der gegen OB König in die Stichwahl gekommen war. Er wird unter anderem für die Bereiche Bauen, Stadtentwicklung und Feuerwehr verantwortlich sein.
Das Nürnberger Modell sieht eine Beteiligung aller maßgeblichen Fraktionen an der Stadtregierung vor. Bis 2027 wird das Umweltreferat weiterhin von Britta Walthelm verantwortet, gescheiterte OB-Kandidatin der Grünen. Auch danach aber sollen die Grünen mitvertreten sein in der Stadtregierung. Ob und inwiefern dann auch die Grünliberale Fraktion – die sich kürzlich von den Grünen abgespalten hat – beteiligt wird an der Rathausspitze, bleibt abzuwarten.
An der neuen schwarz-roten Rathauskooperation, dem Bündnis also von CSU und SPD im Stadtrat, sind die neuen Grünliberalen nicht beteiligt. Bei der Verkündung ihrer Abspaltung von den Rathaus-Grünen hatten sie angekündigt, dies anzustreben.


