Rechtsextremistischer Terror:Künstlerin zeichnet Portraits der NSU-Opfer

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Rechtsextremistischer Terror: Habil Kılıç.

Habil Kılıç.

(Foto: Florian A. Betz)

Die Künstlerin Veronika Dimke hat den zehn Opfern des "Nationalsozialistischen Untergrunds" Porträtbilder gewidmet. In Nürnberg sind sie erstmals innerhalb einer Ausstellung zu sehen.

Von Olaf Przybilla

Am Anfang stand der Gedanke, wer üblicherweise mit sorgfältig gestalteten Porträtgemälden gewürdigt wird in dieser Gesellschaft. Zumeist sind es Menschen aus einer bestimmten Schicht, hat die Künstlerin Veronika Dimke beobachtet. Das wollte sie ändern und dem würdigen Gedenken an die zehn Opfer des sogenannten Nationalsozialistischen Untergrund (NSU) auch in der bildenden Kunst einen Raum geben. Dass ihre Bilder zwar in der medialen Berichterstattung über den rechtsextremistischen Terror häufig zu sehen waren, erfreulicherweise, ist dabei das eine. Dass ihre Porträts dieser Tage erstmals innerhalb einer Ausstellung gesammelt zu sehen sind, etwas anderes.

Rechtsextremistischer Terror: Theodoros Boulgarides.

Theodoros Boulgarides.

(Foto: Florian A. Betz)
Rechtsextremistischer Terror: Enver Şimşek.

Enver Şimşek.

(Foto: Florian A. Betz)

Woran Letzteres liegen könnte? Jedenfalls nicht daran, dass sie es nicht bei hinreichend vielen Ausstellungsmachern versucht hätte, berichtet Dimke. Über die Gründe könne sie nur spekulieren, geblieben aber sei der Eindruck, dass es weiterhin Berührungsängste gebe. Die Sorge womöglich, einen Fauxpas zu begehen, etwas nicht beachtet zu haben. Davon abgesehen aber habe es sie als Künstlerin "glücklich" gemacht, als am Tag des Urteils gegen Beate Zschäpe in den Nachrichtensendungen mal nicht nur die Bilder Zschäpes zu sehen waren. Sondern auch die Bilder von Aktivisten, die vor dem Gericht mit ihren Porträts darauf aufmerksam machten, dass es hier auch um zu Opfern gewordene Menschen geht. Zehn an der Zahl - und mit Enver Şimşek, Abdurrahim Özüdoğru, Habil Kılıç, İsmail Yaşar und Theodoros Boulgarides fünf davon aus Bayern.

Auf großen Wänden waren Dimkes Porträts zuletzt im Nürnberger Stadtgebiet plakatiert; noch bis Sonntag kann man ihre Bilder in der Roten Galerie in der Nordstadt sehen, danach werden sie den Angehörigen geschenkt. "So unglaublich lebendig" finde er die Bilder, sagt der Organisator Michael Ziegler, Vorsitzender der Karl-Bröger-Gesellschaft. Die Porträts - Pastellkreide auf Papier - "bringen uns die zehn Menschen hinter den Schlagzeilen näher", ist er überzeugt. Schon bei der Ausstellungseröffnung waren Angehörige anwesend, dass manche von ihnen ihr gegenüber von "überwältigenden" Gefühlen berichteten angesichts der Bilder, habe sie sehr bewegt, sagt Dimke.

Rechtsextremistischer Terror: Abdurrahim Özüdoğru.

Abdurrahim Özüdoğru.

(Foto: Florian A. Betz)
Rechtsextremistischer Terror: İsmail Yaşar.

İsmail Yaşar.

(Foto: Florian A. Betz)

Die Präsentation ihrer Porträts ist nicht der einzige Bezugspunkt, der dieser Tage an die NSU-Verbrechen erinnert. Nach Etappen in Köln, Mannheim und Chemnitz macht das Aktionsbündnis "Tribunal - NSU Komplex auflösen" vom 3. Juni an für drei Tage Station in Nürnberg. Mit Workshops, Diskussionen und Ausstellungen will es nicht zuletzt auf die vielen ungeklärten Fragen der Terrorserie aufmerksam machen. So beschäftigt sich am Samstag im Staatstheater ein Podium mit der "Geschichte und Gegenwart rechter, rassistischer und antisemitischer Gewalt in Bayern" sowie deren Auswirkungen. Ebenfalls am Samstag lädt das Bündnis zu einem "Critical Walk: Rassistischer Terror in Nürnberg" durch die Stadt. Vom Kulturzentrum K4 aus führt dieser unter anderem zur früheren Diskothek Twenty Five, in und an der 1982 drei Menschen Opfer rassistischer Gewalt wurden - was in der Erinnerungskultur der Stadt aber bis heute "kaum mehr als eine Randnotiz" sei, wie das Bündnis kritisiert.

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