Nürnberg 100 Millionen Euro für das frühere Reichsparteitagsgelände

Die Zeppelintribüne ist ein monumentaler Steinhaufen, der allerdings massiv bröckelt. Das Bauwerk soll nicht restauriert oder gar verschönert, aber für die Nachwelt erhalten werden.

(Foto: Johannes Simon)
  • Etwa 300 000 Besucher aus aller Welt besuchen jedes Jahr das frühere Reichsparteitagsgelände in Nürnberg.
  • Die Anlage verfällt immer stärker, einige Teile sind schon seit Langem gesperrt.
  • Nun wollen Bund, Land und Stadt massiv in das Gelände investieren.
Von Claudia Henzler, Nürnberg

Das Zeppelinfeld auf dem ehemaligen Reichsparteitagsgelände in Nürnberg ist das Ziel von Besuchern aus aller Welt. Etwa 300 000 sind es nach Schätzungen der Stadt pro Jahr. Doch die monumentale Tribüne, die sich Adolf Hitler für seinen Führerkult errichten ließ, verfällt zusehends. Die Zuschauerränge sind ohnehin schon lange gesperrt.

Nun hat der Bund 42 Millionen Euro zugesagt, um das Zeppelinfeld zu erhalten. Mindestens 85 Millionen wird die Sanierung nach aktuellen Berechnungen insgesamt kosten. Gleichzeitig soll das Dokumentationszentrum Reichsparteitagsgelände für mehr als 15 Millionen Euro erweitert werden.

Millionen für die Söder-City

Der künftige Ministerpräsident schaffte als Minister eine Menge Geld nach Franken - ohne sich über Gebühr um lästige Zuständigkeiten zu kümmern. Von Katja Auer, Claudia Henzler und Olaf Przybilla mehr ...

Welche Bedeutung hat das Zeppelinfeld?

Das Areal war der zentrale Schauplatz für die Masseninszenierungen der Nationalsozialisten. Der Name stammt aus der Zeit davor - 1909 war ein Luftschiff auf der Wiese am Dutzendteich gelandet. 1933 nutzten die Nationalsozialisten das Gelände erstmals für einen Reichsparteitag. Von 1935 an entstand nach Plänen des Architekten Albert Speer eine fast quadratische Anlage mit Tribünen, die einen mehr als zwölf Fußballfelder großen Innenraum für bis zu 200 000 Menschen umschließen.

Die Haupttribüne, 360 Meter lang und vom Pergamonaltar inspiriert, besteht aus Beton und Ziegelmauern, die mit Muschelkalk verblendet wurde. Die Zuschauerränge werden von 34 Türmen mit Toiletten unterbrochen. Sie sind, genau wie das Feld, eingezäunt und für Touristen nicht zugänglich. Auf dem Zeppelinfeld wird unter anderem American Football gespielt, einmal im Jahr findet dort das Musikfestival "Rock im Park" statt. Die Haupttribüne kann betreten werden, einige Bereiche sind aber aus Sicherheitsgründen gesperrt.

Wofür wird das Geld verwendet?

"Es geht nicht um eine Restaurierung oder gar eine Rekonstruktion, sondern um die langfristige Sicherung des Status quo", hat Nürnbergs Oberbürgermeister Ulrich Maly immer wieder betont. Die Haupttribüne soll zum einen trittsicher und regendicht, zum anderen in ihrem Gesamteindruck erhalten, aber nicht verschönert werden. Weil etwa ein Viertel der Kalksteinplatten ausgetauscht werden, sind mindestens 20 Millionen Euro für Steinmetzarbeiten vorgesehen. Die Räume in der Mittelhalle der Zeppelintribüne mit dem "Goldenen Saal" sollen statisch gesichert und wieder zugänglich gemacht werden.

Dort sind die im Beton verbauten Eisenteile marode, viele Decken wurden provisorisch abgestützt. Auch die Wallanlagen und einer der 34 Türme sollen für Besucher geöffnet werden. Die Türme müssen getrocknet und statisch gesichert werden. Vor zwei Jahren war die Stadt von Kosten in Höhe von 73 Millionen Euro ausgegangen. Die neue Summe von 85 Millionen Euro ist laut Stadt allein den zu erwartenden Baukostensteigerungen geschuldet. Die Sanierung soll nun nur noch acht statt zwölf Jahre dauern. Nürnbergs Baureferent Daniel Ulrich geht davon aus, dass die Arbeiten Ende 2019 beginnen. Zuvor stünden noch Planungen an. Ausgeschrieben wird, wenn die Finanzierungszusage vom Land steht.