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Wirtschaft in Bayern:Die Messe Nürnberg will an die Weltspitze

Gut 200 Millionen Euro sollen in das neue Kongresszentrum der Messe Nürnberg fließen, es ist das vierte auf dem Areal.

(Foto: oh)
  • Die Nürnberg-Messe investiert bis 2027 eine halbe Milliarde Euro in ihr Gelände.
  • Etwa die Hälfte der Summe soll in den kommenden vier Jahren in ein neues Kongresszentrum fließen.
  • Die Nürnberg-Messe wächst seit Jahren deutlich stärker als andere Standorte. Für 2020 werden mehr als 350 Millionen Euro Umsatz erwartet.

"Prachtstück", "edelster Mosaikstein", "Champions League" - die Euphorie der Nürnberger Messechefs Peter Ottmann und Roland Fleck ist groß. Sie gründet auf ehrgeizigen Plänen, mit denen die Halbmillionenstadt in die Weltspitze des Messegeschäftes vorstoßen will. Eine halbe Milliarde Euro investiert die vom Land Bayern und der Stadt getragene Nürnberg-Messe bis 2027 in ihr Gelände. Etwa die Hälfte der Summe fließt in den kommenden vier Jahren in ein neues Kongresszentrum; es ist das vierte auf dem Areal.

Die ehrgeizigen Pläne tragen dem Umstand Rechnung, dass die Nürnberg-Messe seit Jahren deutlich stärker wächst als andere Standorte. Gut 280 Millionen Euro Umsatz 2019 bedeuten einen Zuwachs um etwa 25 Prozent zum vergleichbaren Geschäftsjahr 2017 (manche Messen finden nur im zweijährigen Turnus statt). Sowohl was Aussteller als auch Besucherzahlen und gebuchte Standflächen angeht, legte das Geschäft zu. Für 2020 erwartet Peter Ottmann sogar "ein echtes Knallerjahr" mit mehr als 350 Millionen Euro Umsatz. "Wir spüren auf unseren Messen aktuell keine Anzeichen eines sich abzeichnenden Abschwungs", sagte Ottmann.

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Was vielleicht daran liegt, dass die Nürnberger andere Schwerpunkte setzen als viele konkurrierende Messeplätze. Sie veranstalten weder besucherstarke Publikums-, noch breit angelegte Branchenmessen, sondern konzentrieren sich auf reine Fachmessen auf thematisch eng abgegrenzten Feldern mit Wachstumspotenzial. Nische statt Bauchladen, lautet die Devise. Das zahlt sich aus. Während etwa Hannover die Computermesse Cebit einstellte und Frankfurt um die Zukunft der Internationalen Automobilmesse IAA bangt, verzeichnen die Nürnberger Messemacher keine nennenswerten Ausfälle und hangeln sich von einem Rekordjahr zum nächsten.

Die Kunst bei alledem ist es, wirtschaftliche Trends rechtzeitig zu identifizieren. Wie dies in der Praxis funktionieren kann, zeigt das Beispiel "it-sa". Ursprünglich Treffpunkt für wenige Nerds, entwickelte sich die Messe für Produkte und Dienstleistungen in Sachen Datensicherheit zu einem der größten und wichtigsten internationalen Branchentreffs. Ähnlich funktionierte das Nürnberger Modell bei der "Biofach" und der "Feuertrutz". Letztere lockte anfangs eine überschaubare Zahl an Feuerwehrleuten und Brandschutzexperten an.

Spätestens seit dem Katastrophenfeuer im Londoner Hochhaus Grenfell Tower mit 72 Todesopfern im Jahr 2017 genießt das Thema Brandschutz jedoch auch unter Bauleuten und Genehmigungsbehörden hohe Priorität. Damit wuchs die Feuertrutz zum großen internationalen Branchentreff. Auch die Biofach wuchs stetig von einer Regionalschau zur größten Ökomesse. 2019 wurden dort erstmals mehr Aussteller registriert als bei der ungleich bekannteren und älteren Nürnberger Spielwarenmesse.

Der neue Multifunktionsbau wurde noch von Star-Architektin Zaha Hadid geplant

Das Nürnberger Modell der Konzentration auf Branchennischen mit Zukunftspotenzial scheint einem Trend zu folgen. Viele Unternehmen suchen bei ihren Messeauftritten Foren, wo sie ihre spezielle Zielgruppe konzentriert ansprechen können, anstatt darauf zu hoffen, dass sich auf breit angelegten Branchenmessen potenzielle Kunden an den Stand verlaufen. Aus der Sicht der Nürnberg-Messe lautet die Devise, lieber mehr überschaubare Messen auf dem angestammten Gelände im Süden der Stadt zu organisieren als von einer oder zwei großen abhängig zu sein.

Der Erfolg ist messbar. 14-mal ist jeder Quadratmeter Ausstellungsfläche pro Jahr vermietet, so häufig wie bei keiner anderen deutschen Messegesellschaft. Der Durchschnitt hierzulande liegt unter dem Faktor zehn. Naturgemäß bedeutet ein solch hoher Umschlag auch niedrigere Betriebskosten. Räumlich bedeutet dies entsprechend seltener Leerstände auf den mehr als 200 000 Quadratmetern Ausstellungsflächen im Nürnberger Stadtteil Langwasser. Die Expansion stößt dort allerdings topografisch an ihre Grenzen. Zumal dann, wenn in unmittelbarer Nachbarschaft alsbald Gebäude für jene Technische Universität gebaut werden, die der Freistaat Bayern in Nürnberg gründet.

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Zum Messegelände gehören bereits drei bestens frequentierte Kongresszentren, die eng mit den angrenzenden Messehallen verzahnt sind. Nun kommt ein weiterer Multifunktionsbau hinzu, geplant vom Büro der 2016 verstorbenen Londoner Star-Architektin Zaha Hadid. "Wir schaffen damit das leistungsfähigste Messegelände Europas, was Kompaktheit und Parallelbetrieb angeht", sagt Messechef Roland Fleck. Mit dem neuen NCC-Süd erhöht sich die Kapazität im Nürnberger Kongressgeschäft von 12 800 auf 17 000 Teilnehmer. Gut 200 Millionen Euro sind allein für diesen Bauabschnitt veranschlagt; die anderen knapp 300 Millionen Euro sollen in eine umfassende Modernisierung der bestehenden Messehallen investiert werden.

Um alles zu finanzieren stocken das Land Bayern und die Stadt Nürnberg das Eigenkapital der Nürnberg-Messe auf. Die zahlt nicht nur in Gestalt guter Geschäfte zurück, sondern auch mit Arbeitsplätzen. Weltweit beschäftigt das Unternehmen mehr als 1000 Mitarbeiter, davon mehr als die Hälfte in Nürnberg. Für das laufende Jahr rechnet man mit einem Stellenzuwachs von fünf Prozent.

© SZ vom 10.01.2020/amm
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