Hochzeit beim 1. FC NürnbergIn guten wie in schlechten Zeiten

Lesezeit: 1 Min.

Wenn das nicht romantisch ist: Im Max-Morlock-Stadion sind jetzt Trauungen möglich.
Wenn das nicht romantisch ist: Im Max-Morlock-Stadion sind jetzt Trauungen möglich. Daniel Karmann/dpa

Heiraten in einem baufälligen Zweitligastadion inmitten architektonischer Überreste des Nationalsozialismus? Der Club macht’s möglich.

Glosse von Max Weinhold Hernandez, Nürnberg

Nicht alle halten sich daran, aber kundigen Ratgebern zufolge sollte man im Leben nur einmal heiraten. Es bedarf daher gründlicher Überlegungen zu der Frage, wie und wo man die Hochzeit begeht – das Eheleben soll ja traumhaft schön und romantisch beginnen.

Man könnte sich also im kleinen Kreis vermählen und im eigenen Garten feiern, man könnte ein Bauernhaus auf dem Land mieten oder die sehr angesagte Location in der Stadt. Laut Instagram-Algorithmus ist die Toskana eine ausgesprochen beliebte Destination. Was einem nicht direkt in den Sinn käme, wäre ein baufälliges Zweitligastadion inmitten architektonischer Überreste des Nationalsozialismus.

SZ Bayern auf Whatsapp
:Nachrichten aus der Bayern-Redaktion – jetzt auf Whatsapp abonnieren

Von Aschaffenburg bis Berchtesgaden: Das Bayern-Team der SZ ist im gesamten Freistaat für Sie unterwegs. Hier entlang, wenn Sie Geschichten, News und Hintergründe direkt aufs Handy bekommen möchten.

Es kommt einem schon bei gewöhnlichen Heimspielen des ortsansässigen Fußballvereins befremdlich vor, in welcher Bierseligkeit die Menschen an dieser gigantomanischen Kulisse vorbeispazieren. Aber diese Vorstellung wäre ja nun wirklich bizarr – im Hochzeitskleid auf das ehemalige Reichsparteitagsgelände.

Praktischerweise ist man bereits verheiratet und hat vor, sich an kundige Ratgeber zu halten, weswegen man nicht mehr in die Verlegenheit kommen sollte, sich nach dem richtigen Ort umzuschauen. Die Möglichkeit bestünde nun aber: „Heiraten im Max-Morlock-Stadion: Ein besonderer Trauort für Nürnberg“, lautete am Dienstag die Überschrift einer Pressemitteilung der Stadt und Oberbürgermeister Marcus König erklärte etwas salbungsvoll: „Hier schlagen Herzen seit Generationen im gleichen Takt – für den Verein und füreinander.“ Wer an diesem Ort Ja sage, zeige: „Ich bereue diese Liebe nicht – weder zum Partner noch zum Club.“

Abgesehen davon, dass diese Aussage zweifelhaft erscheint (zum Club haben schon viele Ja gesagt und es später zumindest momentweise bereut), drängen sich noch ganz andere Fragen auf, zu denen sich in der Mitteilung, anders als zu Kapazitäten (maximal 50 Gäste) und Kosten (500 Euro extra zur üblichen Gebühr für die Trauung), keine Antworten finden.

Dabei sind sie elementar: Was geschieht, wenn das Stadion – wie geplant – neu gebaut wird? Und der Club, wie zuletzt diskutiert, in ein Provisorium ausweichen müsste? Wenn gar der schlimmste Fall einträte, und der 1. FC Nürnberg zeitweilig in Fürth spielte, wie es weltfremde Fußballnichtkenner angeregt haben? Man mag es sich kaum ausdenken. Bei aller Liebe.

© SZ - Rechte am Artikel können Sie hier erwerben.
Zur SZ-Startseite

Architektur
:Hochkultur an einem Ort der Unkultur

Die Stadt Nürnberg baut ein Opernhaus auf Hitlers einstigem Territorium, dem ehemaligen Reichsparteitagsgelände der NSDAP. Ein Baustellen-Besuch, der einen nicht nur wegen der Kälte frösteln lässt.

SZ PlusVon Olaf Przybilla (Text) und Sebastian Beck (Fotos)

Lesen Sie mehr zum Thema

  • Medizin, Gesundheit & Soziales
  • Tech. Entwicklung & Konstruktion
  • Consulting & Beratung
  • Marketing, PR & Werbung
  • Fahrzeugbau & Zulieferer
  • IT/TK Softwareentwicklung
  • Tech. Management & Projektplanung
  • Vertrieb, Verkauf & Handel
  • Forschung & Entwicklung
Jetzt entdecken

Exklusive Gutscheine für SZ-Abonnenten: