Mitten in Nürnberg:Wider die Blümchen!

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Rudi Carrell wusste schon, wer an allem Ungemach schuld ist. Wie recht er doch hatte: In Nürnberg zeigen die Sozialdemokraten gerade ihr wahres, enorm unromantisches Gesicht.

Glosse von Olaf Przybilla, Nürnberg

Wer wird denn bitte gegen Blümchen sein? Die Nürnberger Sozialdemokraten, könnte man antworten und damit womöglich richtiger liegen als damals Rudi Carrell, als er den Sozis die ultimative Verantwortung fürs Dauerschlechtwetter zuschusterte ("und schuld daran ist nur die Es-Pe-De") - ein Vorwurf übrigens, der letztgültig nie aufgeklärt werden konnte.

Es ist so: Die Nürnberger CSU mag Blümchen, die Grünen mögen Blümchen schon aus Prinzip, die Genossen mögen Blümchen womöglich auch (ganz heimlich), stehen ihnen aber in der spezifischen Darreichungsform "Blümchenschau" solidarisch in geschlossener Skepsis gegenüber.

Blümchenschau ist in der Diktion der Nürnberg-SPD der terminus technicus für "Landesgartenschau", die soll 2030 in, genau, Nürnberg stattfinden. Und zwar im Burggraben und allerlei anderen bislang blümchenlosen Ecken, wogegen ja wohl keiner etwas haben kann - oder? Doch. Vergleiche unter R. Carrell und Schlechtwetterverantwortung: die Es-Pe-De.

Nähert man sich dem Thema, so wird's natürlich gleich wieder weniger hübsch als von fern. Wie bei einer Tulpe, die man zu nah vor die Augen bekommt. Beim Nürnberger Sozialdemokraten scheint es sich im Grundsatz gar nicht um einen Wiedergänger Stoiberscher Blümchenhenkerei zu handeln ("habe mir angewöhnt, jeden Tag eine Blume hinzurichten").

Der Sozi mag für Blümchen nur nicht so viel Geld in die Hand nehmen an Orten, die eh bereits grün sind, und dann womöglich keines mehr haben für Orte, an denen man Blümchen nur aus dem Wimmelbuch kennt. Ein Zustand, der in Nürnberg so häufig wie fast nirgends vorkommt. Das Mittelalter war in Sachen Bäume & Blümchen eher von der hartherzigeren Sorte.

So sind sie halt, die notorischen Vernunftsozis. In Nürnberg haben sie dieser Tage dagegen gestimmt, sich um die Landesgartenschau zu bewerben - und dann kann daraus ja wohl nichts werden, immerhin ist man Teil des schwarz-roten Rathausbündnisses. Oder?

Doch, kann es sehr wohl. Die CSU hat sich nämlich einfach - Partnerschaft hin oder her - einen anderen besorgt, der ihren Drang nach Blümchen teilt. Wie im richtigen Leben. Und gemeinsam haben CSU und Grüne nun voraussichtlich eine "urbane Gartenschau" nach Nürnberg votiert. Und legen gemeinsam Wert auf die Feststellung: Das Ding heißt bitteschön Landesgarten- nicht Blümchenschau.

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