Nürnberg:Wöhrl trägt ihr "Herz auf der Zunge"

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Und ja, womöglich habe sie sich veranlasst gesehen, wenn sich einer auf dem Podium zu etwas verstiegen habe, das kritisch zu kommentieren. Sie könne halt mitunter nicht schweigen und trage ihr "Herz auf der Zunge". Und die Sache mit den Katzen kam in der Situation vielleicht nicht gut rüber. Andererseits, klar: Man kann im Leben das eine tun, ohne das andere lassen zu müssen. Sich also um Quelle-Leute sorgen. Und danach um Katzen.

Es gab immer zwei Bilder von Wöhrl. Die einen zeichneten das Bild einer wohlhabenden Abgeordneten, die einen Mann mit klingendem Namen geheiratet hat und früher als Model von sich reden machte. Typus kaltherzige Karrieristin. Die anderen, und nicht nur ihr Fanklub auf Facebook, erzählen eine komplett andere Geschichte: die einer Frau, die sich schon für Afrika und Entwicklungspolitik interessiert hat, als andere noch glaubten, da gehe es in erster Linie um Brunnenbau; eine Juristin, die sich für wenig mehr engagiert als für Kinder in Not und die eher im Boden versinken würde, als irgendwelche dumpfen Talkshow-Parolen über Flüchtlinge nachzubeten.

Übrigens auch nicht die aus ihrer eigenen Partei. "Ich habe in meinem Leben so viel Elend in Aufnahmelagern gesehen", sagt sie. Da lasse sie sich bestimmt nicht sagen, was sie davon zu halten habe. Schon gar nicht von Leuten, die selbst womöglich noch nie in einem Flüchtlingslager gewesen sind.

Es gibt Gerüchte in der CSU, Wöhrl, 63, höre nun nicht ganz freiwillig auf; dass es ein großes Interesse gab, gerade in Nürnberg, dass sie Platz macht für Jüngere. Das stimme einfach nicht, sagt Wöhrl. Ihre Entscheidung, nach 23 Jahren aufzuhören, sei in eine Zeit gefallen, in der in der CSU das "Merkel-Bashing" an der Tagesordnung gewesen sei. Das habe sie sich nicht mehr antun wollen. Außerdem sei 63 ein gutes Alter, um noch mal was Neues anzufangen.

Dieses Neue wird nun wieder beide Fraktionen in ihrer höchst konträren Sicht bestätigen. Diejenigen, die in ihr immer schon eine ebenso vermögende wie TV-kompatible Unternehmer-Gattin sahen, dürfen sich bestärkt fühlen. Beim Privatsender Vox greift Wöhrl neuerdings Firmengründern mit Startkapital unter die Arme - was ja nur jemand kann, der über entsprechendes Geld verfügt. Das so auszustellen, muss man mögen.

Die anderen werden sorgfältig beobachten, wie sich Wöhrl künftig noch leidenschaftlicher um ihre wohltätige Stiftung kümmert und ums Kinderhilfswerk Unicef. Und ja: Wie sie noch heftiger um die Rechte für Tiere kämpfen wird. Notfalls auch gegen die CSU.

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