Nürnberg-Erlangen-HerzogenaurachDie fränkische Drei-Städte-Tram – braucht's die eigentlich?

Lesezeit: 2 Min.

Von Nürnberg nach Herzogenaurach – das kostet momentan noch viel Zeit und Nerven. Die Stadt-Umland-Bahn soll Abhilfe schaffen.
Von Nürnberg nach Herzogenaurach – das kostet momentan noch viel Zeit und Nerven. Die Stadt-Umland-Bahn soll Abhilfe schaffen. (Foto: Claus Hirche, ZV StUB (Visualisierung))

Nach Herzogenaurach mit den Öffis? Besser nicht! Aber immerhin soll das größte Tramprojekt der Republik möglichst bald Abhilfe schaffen – allerdings nicht, wenn es nach der örtlichen CSU geht.

Glosse von Olaf Przybilla

Okay, man will also an einem Werktagsvormittag von Nürnberg-Nord nach Herzogenaurach zum Termin. Selbstredend nimmt man die Öffis. Also bitte: Luftlinie sind das keine 25 Kilometer, zentralste Metropolregion, mitten in Bayern. Der Weg von einer Halbmillionenstadt in eines der relevantesten Industriestädtchen der Republik (Schaeffler, Puma, Adidas) – das müsste ja rasch gehen.

Am Spätnachmittag zuvor kurzer Blick aufs Schlau-Telefon, hui, dauert doch immerhin 70 Minuten um diese Uhrzeit, einmal umsteigen von der Straßenbahn in den Bus in Nürnberg-Wegfeld. Egal, kann man ja was arbeiten. Geht man anderntags einfach 110 Minuten vor dem Termin aus dem Haus und setzt sich in die Tram. Ist man zwar viel zu früh in „Herzo“, aber wie da die Café-Szene ist, wollte man ohnehin immer mal wissen.

SZ Bayern auf Whatsapp
:Nachrichten aus der Bayern-Redaktion – jetzt auf Whatsapp abonnieren

Von Aschaffenburg bis Berchtesgaden: Das Bayern-Team der SZ ist im gesamten Freistaat für Sie unterwegs. Hier entlang, wenn Sie Geschichten, News und Hintergründe direkt aufs Handy bekommen möchten.

An besagtem Vormittag, in besagter Tram kurzer Kontrollblick aufs Display, es dürften inzwischen keine 20 Kilometer mehr sein gen Herzogenaurach. Restzeit bis zum Zielpunkt jetzt aber noch: schöne 95 Minuten, man käme nicht mehr rechtzeitig an. Bus-Verspätung? Nö, ganz normal, feixt der Taxifahrer, in dessen Auto man nun notgedrungen sitzt. Die Fahrtzeit – und ob man gleich noch mal von einem Bus in den anderen Bus umsteigen muss – komme hier immer auf die Tageszeit an. Der Mann ist geboren im Nahen Osten. Deutsche Verkehrsinfrastruktur hat er sich damals anders vorgestellt, erst recht in „rich Bavaria“. Für ihn aber, klar, ist das eine feine Sache. 50 Euro macht das. Er rundet ab. Aus Mitleid.

Um keine Missverständnisse aufkommen zu lassen: Dummheit gehört bestraft. Hätte man sich halt besser vorbereiten müssen. Auf der Heimfahrt, Umstieg in lovely Siegelsdorf, anschließend gleich noch mal, ist man in schönen 90 Minuten zu Hause. Gut. Das nächste Mal dann also: mit dem (eigenen) Auto.

Anders als der Ministerpräsident ist in Erlangen die CSU gegen die Tram

So etwas gehört nicht in die Zeitung? Zumal ja Abhilfe in Sicht ist, sich die Stadt Erlangen, nach etlichen Jahrzehnten der Planung,  2024 per Bürgerentscheid für die Stadt-Umland-Bahn, die „StUB“, entschieden hat – das größte Tramprojekt der Republik von Nürnberg über Erlangen nach, Trommelwirbel, Herzogenaurach. 2031 soll sie in Betrieb gehen.

Kann man so sehen. Wäre da nicht Folgendes: Erlangen, das ehemals reiche Erlangen, plagen neuerdings auch Finanzsorgen. Und die örtliche CSU – die komplett anders als Ministerpräsident (CSU) und Innenminister (CSU) vor dem Bürgerentscheid Front gemacht hat gegen die fränkische Drei-Städte-Tram, und das gegen das Votum von Industrie, Gewerkschaft, Umweltschützern und Universität –, die lokale CSU also hält diese Sorgen für eine gute Gelegenheit, ein „Moratorium“ für die StUB-Planung zu fordern.

Vielleicht wird die Tram nach so einem Aufschub ja noch teurer? Ziemlich wahrscheinlich sogar. Und vielleicht, wer weiß es denn, kommt dann das ganze Projekt doch noch unter die Räder? Den – übrigens enorm freundlichen – Taximann am Wegfeld in Nürnberg zumindest würde es womöglich gar nicht groß stören.

© SZ - Rechte am Artikel können Sie hier erwerben.
Zur SZ-Startseite

Tradition am Nürnberger Hauptmarkt
:Wie sich Deutschlands älteste Buchhandlung seit fast 500 Jahren neu erfindet

Von Krise keine Spur in dem Geschäft, in dem wohl schon Agnes Dürer shoppte. Was machen die Inhaber von Korn & Berg richtig, um auch in Zeiten von Häppchenunterhaltung beim Publikum anzukommen?

SZ PlusVon Olaf Przybilla

Lesen Sie mehr zum Thema

  • Medizin, Gesundheit & Soziales
  • Tech. Entwicklung & Konstruktion
  • Consulting & Beratung
  • Marketing, PR & Werbung
  • Fahrzeugbau & Zulieferer
  • IT/TK Softwareentwicklung
  • Tech. Management & Projektplanung
  • Vertrieb, Verkauf & Handel
  • Forschung & Entwicklung
Jetzt entdecken

Exklusive Gutscheine für SZ-Abonnenten: