Gibt ja kaum schöneren Stoff als einen ordentlich eskalierenden Familien-Clinch, die Bewohner vom Mehrfamilienhäusern wissen Bescheid. Warnung nur: Auf der Haustreppe niemals „Das Argument von Großtante Erna fand ich hinreichend stichhaltig“ zum Besten geben. Das kommt seltsamerweise nicht gut an.
Hinhören und Spaß haben also, aber halt – wenn irgend möglich – raushalten, wenn man nicht plötzlich selbst im Auge des Orkans stehen will. Der Fränkische Tag (FT) in Bamberg bekommt das gerade schmerzhaft zu spüren, die Kollegen haben ihr Ohr an der seit Monaten anschwellenden Fehde zwischen Bambergs Alt-CSU und Neu-CSU (im Stadtrat CSB genannt). Wobei die Wände dünn sind bei den Christsozialen, man bekäme selbst dann alles mit, wenn man sich aus Verzweiflung sedieren oder vom Balkon stürzen würde.
Wie auch immer: Nachdem der FT (örtliche Ansprache: Eff-Dee) gewissermaßen auf seiner Haustreppe hauchzart hat erkennen lassen, dass er Ernas Argumente – hier: die von der Neu-CSU – für in der Tendenz leicht nachvollziehbarer hält, gilt gerade nicht mehr die abtrünnige Tante CSB als Lieblings-Watschnbaum der Bamberger Alt-CSU. Sondern: der Eff-Dee.
Raushalten, durchatmen, nichts sagen. Jedenfalls so lange, bis sich vielleicht doch mal einer aus der entfernteren Verwandtschaft erbarmt, der Familienbande in Bamberg mitzuteilen, dass es so viele schöne Hobbys gibt. Angeln, Käsekuchen essen, auch Kickboxen oder Schlamm-Catchen. Muss es – wenn man reif und in der Tendenz männlich ist – immer Lokalpolitik sein?
Und damit nach Nürnberg, dort ist man evangelischer, vernünftiger – freilich auch da gab’s gleich nach der Kommunalwahl politischen Familienstunk. Nicht die CSU zankt sich, im Rathaus zoffen sich die Grünen. Die aber sind natürlich sanftmütiger, kopfgesteuerter, gutherziger. Oder?
Ausgangssituation – nach allem, was man durch die Wand zu verstehen glaubt: Die Altvorderen, tendenziell männlich, finden, dass die Jungforschen, tendenziell weiblich, irgendwie zu dauerfeministisch, notorisch schwer verstehbar und Steckenpferd-geleitet sind. Weshalb die Altvorderen sich im Rathaus nun „grünliberal“ nennen, das sind jetzt die Nürnberger Neu-Grünen sozusagen. Auch wenn sie eher reif sind.
Süffiger Familienzoff – und man muss nicht mal das Ohr an die Wand legen
Die Alt-Grünen, eher jung, wiederum finden: Könnt' ja jeder kommen – erst gemeinsam um Stimmen und Stimm*innen kämpfen, Infrastruktur nutzen, Vertrauen in Anspruch nehmen und sich dann nach der Wahlschlappe umgehend abspalten und unter neuer Fahne segeln – um sich auch künftig einen hübschen Mitsprech-Status im Stadtrat zu sichern.
Missvergnügen also. Aber das wird man doch in grüner Herzensgüte ausbalancieren – oder? Auf dem Hauptmarkt samt gezückter Flüstertüte tragen die Nürnberg-Grünen ihren Familienkrach tatsächlich nicht aus. Man ist ja nicht in Bamberg.
Durch die Wand aber, ganz leise, ist gerade zu hören: Oh doch, wenn nichts Formelles mehr dazwischenkommt, will man die Altvorderen – gegen deren Willen – mit Brief und Siegel aus der Familie komplimentieren. Der Fall dürfte also, wie der in Bamberg, vor Gericht landen, einem Schiedsgericht.
Ach, wird das schön: Süffiger Familienzoff – und man muss nicht mal das Ohr an die Wand legen.


