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Nürnberg: Gefängnisausbruch:Häftlinge seilen sich ab

Spektakulärer Ausbruch: Mit Hilfe zusammengeknoteter Bettwäsche ist zwei Häftlingen die Flucht aus einem Nürnberger Gefängnis gelungen.

Mit zusammengeknoteter Bettwäsche haben sich zwei Untersuchungshäftlinge in der Nacht zum Montag aus dem Nürnberger Gefängnis abgeseilt. Nach Angaben der Justizvollzugsanstalt saßen die 30 und 37 Jahre alten Männer aus Polen gemeinsam in einer Zelle in Untersuchungshaft.

Gitterstäbe konnten sie nicht aufhalten - die beiden Häftlinge in Nürnberg fanden einen anderen Weg nach draußen; dpa

Gitterstäbe konnten sie nicht aufhalten - die beiden Häftlinge in Nürnberg fanden einen anderen Weg nach draußen.

(Foto: Archiv-Foto: dpa)

Auf ihrer Flucht durchbrachen sie zunächst die Decke ihrer Zellentoilette, gelangten dann über den Dachboden auf das Dach und schließlich in etwa 15 Meter Höhe auf die Anstaltsmauer. Trotz der Absicherung mit einer Stacheldrahtrolle sei es ihnen gelungen, sich an dem aus Bettwäsche gefertigten Strick auf den Parkplatz des angrenzenden Gerichtsgebäudes abzuseilen, teilte die JVA mit.

Der 37-Jährige, der wegen Verdachts der Vergewaltigung inhaftiert ist, wurde wenig später von der Polizei wieder festgenommen. Der 30-Jährige ist noch auf der Flucht. Gegen ihn besteht Haftbefehl wegen Verdachts des Einbruchdiebstahls, er befindet sich in Auslieferungshaft nach Polen.

Kritik an der Staatsregierung

Der SPD-Rechtspolitiker und stellvertretende Vorsitzende des Gefängnisbeirats, Horst Arnold, übte nach dem Ausbruch heftige Kritik an der Staatsregierung. Das Ereignis werfe "ein bezeichnendes Schlaglicht auf die katastrophale Personalsituation der bayerischen Justizvollzugsbediensteten", sagte der Landtagsabgeordnete.

Bayern sei in Deutschland Schlusslicht bezüglich der Anzahl der Beschäftigten von Justizvollzugsbeamten. In einer Abteilung mit 160 bis 180 Untersuchungsgefangenen stünden lediglich drei, allenfalls vier JVA-Bedienstete zur Bewachung zur Verfügung, sagte Arnold. Am Wochenende müssten die Angestellten wegen des Personalmangels sogar alleine Kontrollgänge durchführen. "Wenn zwei Untersuchungsgefangene mittels eines spitzen Gegenstandes in der Lage sind, die Decke aufzuhebeln, dann kann man sich gar nicht vorstellen, was an unmittelbarer Bedrohung an Leib und Leben eines JVA-Bediensteten möglich gewesen wäre", sagte Arnold.