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Messerattacke in Nürnberg:Polizei geht von einem Täter aus - Angreifer weiter flüchtig

  • Nach Attacken auf drei Frauen in Nürnberg läuft die Fahndung nach dem Täter. Die Polizei warnt, dass er noch bewaffnet sein könnte.
  • Den Ermittlern zufolge könnte es sein, dass dieselbe Person alle drei Taten begangen hat.
  • Es gebe derzeit keine Hinweise auf einen terroristischen Hintergrund.

Innerhalb weniger Stunden sind am Donnerstagabend in Nürnberg drei Frauen niedergestochen und schwer verletzt worden. Die Polizei Mittelfranken geht von einer Angriffsserie aus, die von einem Täter begangen wurde. Zunächst war unklar, ob es sich um mehrere Täter handeln könnte.

Der Täter befindet sich derzeit auf der Flucht, die Polizei fahndet unter anderem mit Hunden und einem Hubschrauber und hat eine Sonderkommission eingerichtet. "Es spricht nichts dafür, dass wir Ihnen in zwei Stunden den Täter präsentieren können", sagte ein Sprecher auf der Pressekonferenz zu dem Fall. Die Hinweislage sei diffus. Die Beamten seien auf Hinweise aus der Bevölkerung angewiesen. Ein anderer Sprecher sagte, es stünden einige Personen im Fokus, die überprüft werden. Es handle sich dabei zum einen um Personen, die bereits durch Straftaten aufgefallen sind. Zum anderen wird nach einem Mann gesucht, der in der Nacht beim Anblick einer Polizeistreife in ein Gebäude floh und "auf den die Personenbeschreibung passte". Polizisten hätten ihn verfolgt, das Gebäude abgesperrt und eine Wohnung, in der Licht brannte, aufgebrochen. Dort habe sich aber niemand aufgehalten. Auch die Suche in Keller, Dachboden und Garagen blieb erfolglos.

Die Polizei musste sich während der Pressekonferenz Kritik gefallen lassen, weil nach der ersten Tat in der gleichen Gegend noch zwei weitere passieren konnten. Eine erste Mitteilung zu den Geschehnissen hatte sie erst um zwei Uhr am frühen Freitagmorgen veröffentlicht. Man habe nach dem ersten Angriff alle verfügbaren Kräfte im Einsatz gehabt, die Einsatzzentrale habe neben dieser Tat mit zahlreichen weiteren zu tun gehabt. Auf eine öffentliche Warnung, etwa über soziale Netzwerke, wurde offenbar bewusst verzichtet. Man habe nicht die ganze Stadt in Aufruhr versetzen wollen, sagte Polizeipräsident Roman Fertinger bei einer Pressekonferenz.

Eine Sprecherin der Staatsanwaltschaft sagte, sie gehe von versuchtem Mord aus. Die Frauen seien arglos gewesen und heimtückisch angegriffen worden. Der Täter stach zunächst einer 56-jährigen Frau unvermittelt in den Oberkörper. Der Täter flüchtete danach. Die Frau musste notoperiert werden. Gegen 22.45 Uhr war dann eine 26-Jährige angegriffen worden, die sich auf dem Heimweg befand. Kurz darauf wurde eine 34-Jährige attackiert. "Beide Frauen erlitten durch die Stiche lebensgefährliche Verletzungen, die im Krankenhaus notoperiert werden mussten", sagte die Polizei. Ob es sich bei der Stichwaffe um ein Messer handele, sei noch nicht klar.

Bis zum frühen Freitagmorgen galten die Verletzungen zweier Opfer noch als lebensgefährlich. Sie sind mittlerweile außer Lebensgefahr, die Behandlungen liefen nach Auskunft der Ärzte erfolgreich. Die drei Frauen waren offenbar jeweils allein unterwegs, als sie angegriffen wurden. Alle drei Taten ereigneten sich in der Nähe des Friedrich-Ebert-Platzes im Stadtteil St. Johannis.

Polizei bittet um Hinweise

Nach der ersten Tat habe die Polizei Fahndungsmaßnahmen eingeleitet, die nach dem zweiten und dritten Angriff ausgeweitet wurden. Die Polizei hat für die Ermittlungen die 40-köpfige Sonderkommission Johannis gegründet. Das erste Opfer sei bereits vernehmungsfähig. Die Beamten hoffen, dass sie auch die zwei weiteren Frauen im Laufe des Tages befragen können. Zudem werden Anwohner befragt.

Die Polizei hat eine Täterbeschreibung herausgegeben und bittet um Hinweise.

Es gebe "keinerlei Hinweise" auf einen terroristischen Hintergrund. Die Polizei vermutet den Täter offenbar im näheren Umfeld der Tatorte, "wir konzentrieren uns erst einmal auf diesen Stadtteil", sagte Fertinger. Im Stadtteil St. Johannis und in der Nürnberger Innenstadt wurde die Polizeipräsenz verstärkt, um das Sicherheitsgefühl der Bürger zu erhöhen. Die Polizei geht aber offenbar davon aus, dass sich der Gefahrenbereich vor allem auf St. Johannis beschränkt.

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