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Franken:"Nie war die Fastnacht wichtiger als heute"

Fernseh-Prunksitzung 'Fastnacht in Franken'

In Corona-Zeiten ist es undenkbar, dass Narren, Komiker, Kabarettisten und Politiker dicht an dicht die Franken-Fastnacht feiern.

(Foto: Karl-Josef Hildenbrand/dpa)

Die fränkische Karnevalsshow wird es auch 2021 im Fernsehen geben. Nur wird sie ganz anders ablaufen als bislang gewohnt.

Von Uwe Ritzer, Nürnberg

Keine Fastnacht wegen Corona? Die ganze Narretei einfach absagen? "Das wäre völlig falsch", sagt Bernhard Schlereth, langjähriger Präsident des Fastnacht-Verband Franken (FVF). "Gerade in einer Situation wie der Covid-19-Pandemie brauchen die Menschen Spaß, Unterhaltung und auch Ablenkung." Die komplizierte Frage dabei ist nur das Wie? Das gilt auch für die einschlägigen Fernsehsendungen im Bayerischen Rundfunk (BR). So ist zwar auch für 2021 eine "Fastnacht in Franken" geplant - nur wird die TV-Prunksitzung in den Mainfrankensälen von Veitshöchheim nach SZ-Informationen anders ablaufen als gewohnt.

"Es ist überhaupt nicht vorstellbar, dass der Saal voller Menschen ist und mitten drin die bayerischen Spitzenpolitiker sitzen", sagt Schlereth, der als künstlerischer Leiter der fränkischen Fastnachtssendungen im BR fungiert. Ohne den Ministerpräsidenten, die Minister und Oppositionspolitiker im Saal ist jedoch keine direkte Anfrotzelei durch die Kabarettisten, Komiker und Fastnachter möglich. Damit entfällt ein wesentlicher Bestandteil der Karnevalsshow. Momentan brüten BR und FVF daher über alternativen Konzepten. Als sicher gilt, dass die für den 5. Februar 2021 geplante Fastnacht in Franken erstmals in mehr als 30 Jahren nicht live ausgestrahlt, sondern als Aufzeichnung gesendet wird. Zu groß ist den Verantwortlichen das Risiko, dass sich ein Beteiligter unmittelbar vor der Live-Show mit dem Covid-19-Virus infiziert "wir dann alle in Quarantäne müssen und die Sendung womöglich ganz ausfällt", sagt Schlereth. Die Veitshöchheimer Frankenfastnacht ist bekanntlich seit Jahren die quotenstärkste Fernsehsendung des BR.

Ausfallen werde die TV-Narretei sicher nicht, versichern FVF und BR. Sie planen sogar zwei zusätzliche Sendungen. Die erste, ein närrischer Jahresrückblick, soll am 28. Dezember ausgestrahlt werden. Eine weitere Karnevalsshow zur Eröffnung der Fastnachts-Session 2021 ist für den Abend des Dreikönigstages geplant. Auch "Franken Helau" und die "Närrische Weinprobe" werde es wieder geben, ebenso die Nachwuchssendung "Wehe wenn sie losgelassen", kündigen Fastnachtsverband und Sender an.

"Unter den Bedingungen der Corona-Pandemie wird manches anders sein, wir sind uns jedoch mit den Künstlerinnen und Künstlern einig, dass die gewachsene Tradition lebendig bleiben muss", sagt Tassilo Forchheimer, Leiter des für die Sendungen zuständigen BR-Studio Franken und findet: "Nie war die Fastnacht wichtiger als heute."

Nur, ob vor Publikum oder lediglich vor Kameras geblödelt wird, ist noch offen. Gemessen an vor-pandemische Zeiten sei dieses Mal "eine ganz besondere Kreativität in jeder Hinsicht gefragt", sagt Fastnachter Schlereth. "Wir arbeiten aktuell an Konzepten und entwickeln Ideen für alle denkbaren Szenarien. Mit weniger oder gar keinem Publikum und stets mit Sicherheitsabständen." Fastnacht ohne Publikum - das wären wohl so etwas wie karnevalistische Geisterspiele.

Jenseits dieser Probleme im TV-Bereich sind aktuell auch viele Fastnachtsvereine nicht nur in Franken in Bezug auf ihre eigenen Planungen ratlos. Denn die normalerweise um diese Jahreszeit bereits gestarteten Vorbereitungen auf die anstehende Session sind unmöglich. Die geltenden Abstands- und Hygieneregeln erschweren es beispielsweise, dass Tanzgruppen miteinander trainieren. Organisatorisch ist die Planung von Fastnachtsveranstaltungen kompliziert, weil niemand weiß, wie sehr Corona im Januar oder Februar noch grassiert, ob öffentliche Veranstaltungen dann überhaupt möglich sind und, wenn ja, nach welchen Regeln.

© SZ vom 20.08.2020/wean
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