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Bewerbung als Kulturhauptstadt:"Erinnerungsstolz": Einerseits begrüßenswert, andererseits problematisch

In der Bewerbung der Stadt für 2025 spielen "Erinnerung, Erbe und Wandel" eine fundamentale Rolle. Nürnberg, so betont es die Stadt immer wieder, habe sich dem NS-Erbe gestellt und "zu einem aktiven Umgang mit der Geschichte" gefunden. Dazu zähle nicht zuletzt die "bauliche Sicherung" der Zeppelintribüne. Trittfest soll diese sein, vor dem Verfall gerettet werden für mehr als 80 Millionen Euro.

Das alles gehört zum Selbstverständnis der Stadt, ist etwas, womit man glaubt, für sich einnehmen zu können. Genau das aber wird nun hinterfragt. Und zwar - Krone der Diskursivität, könnte man sagen - in einem Magazin, das sich mit der Kulturhauptstadtbewerbung auseinandersetzt und pikanterweise vom Bewerbungsbüro finanziert und mitherausgegeben wird. Die Architektin Inge Manka, Dozentin an der TU Wien, beschreibt darin, wie das öffentliche Erinnern an die NS-Vergangenheit längst "nicht mehr nur Wagnis ist, sondern inzwischen durchaus Prestige einträgt".

Zu beobachten sei gar eine Art "Erinnerungsstolz". Der sei begrüßenswert, einerseits. Andererseits problematisch. Das Gedenken werde zum belanglosen Geständnis ohne Risiko: "Sich der eigenen NS-Vergangenheit zu stellen und dies auch öffentlich sichtbar zu machen, birgt nun keine (vermeintliche) Gefahr mehr in sich. Im Gegenteil: Es wird zu einem Alleinstellungsmerkmal, wie hier im Wettbewerb um die Kulturhauptstadt." Manka fragt, was es bedeute, die Zeppelintribüne in eine Art "perfekten Idealzustand" zu versetzen. Und ob so eine Instandsetzung "nicht eher einer Imagepolitur" diene - die den NS-Bau zudem "erst so richtig als touristische Attraktion nutzbar" mache.

Das ist keine Selbstkritikfolklore. Das geht an die Substanz der Stadt. Manka ist in Nürnberg aufgewachsen, seit mehr als 30 Jahren lebt sie in Wien. Aus der Entfernung, sagt sie, sehe man manches womöglich präziser. Sie habe sich bemüht, nicht übers Ziel hinauszuschießen. Aber benennen wolle sie die Dinge eben schon. Auch etwa, dass diese so erinnerungsstolze Stadt es nicht fertiggebracht habe, einen zentralen Platz für das Gedenken an die drei NSU-Opfer aus Nürnberg zu finden - einen Ort, der Passanten tatsächlich mit dem rechten Terror konfrontiert hätte.

Maren Zimmermann ist eine der Initiatorinnen und Herausgeberinnen des Magazins. Gemeinsam mit Mitstreitern aus der Kunstakademie hatte sie der Stadt die grundsätzlichen Pläne für ein solches Magazin vorgestellt. Die Stadt sicherte zu, das Projekt zu finanzieren. "In die Inhalte des Heftes eingegriffen wurde nicht", sagt Zimmermann. Man plane übrigens auch nicht, es bei dieser ersten Ausgabe zu belassen.

Einmal, sagt Bewerbungsbürochef Wagner, habe man aber doch gezuckt. Das Magazin, in dessen Impressum immerhin "Bewerbungsbüro Kulturhauptstadt" steht, trägt den Titel "rollator": eine Gehhilfe für in die Jahre Gekommene. Die Magazinmacher haben sich am Ende durchgesetzt, trotz leiser Nachfragen. Der Inhalt? "Damit kann ich sehr gut leben", sagt Wagner.

Als er im November 2017 als Bürochef vorgestellt wurde, ging Wagner noch der Satz über die Lippen: "Für Nürnberg gibt es keine Konkurrenz." Inzwischen ist klar, dass es Nürnberg als einziger bayerischer Bewerber mit insgesamt sieben Konkurrenten zu tun bekommen wird: Magdeburg, Gera, Hannover und Hildesheim sowie Chemnitz, Dresden und Zittau. Wagner weiß, dass sie zumindest in Sachsen deutlich weiter sind, was Finanzierungszusagen durch das Land betrifft. Für Nürnberg gibt es keine Konkurrenz? Das hört man so momentan nicht mehr. Bis zum 30. September, bis zur Veröffentlichung des Bewerbungsbuchs, werde man "noch einige Hürden zu nehmen" haben, sagt Wagner. Nur eines dürfte schon sicher sein: Am Mut, die Schwächen Nürnbergs zu benennen, wird es kaum scheitern.

© SZ vom 15.06.2019/baso

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