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Nürnberg:Etwa 300 "Querdenker" demonstrieren in Nürnberg

Laut Polizei waren die Teilnehmer teilweise von weiter her angereist

Von Clara Lipkowski, Nürnberg

Eigentlich wollten die sogenannten Querdenker am Sonntag bis zu 8000 Menschen nach Nürnberg holen, doch dies hatte die Stadt untersagt. Zu groß das Infektionsrisiko, immerhin liegt der Inzidenz-Wert auch jetzt, Anfang Januar, noch bei 298. Am Ende versammelten sich Polizeiangaben zufolge etwa 300 Demonstrierende am frühen Abend auf dem Hauptmarkt. In sozialen Medien kursierten Zahlen von bis zu 3000 Menschen, diese ordnete ein Polizeisprecher als deutlich zu hoch ein. Die Menschen skandierten auf dem zentralen Platz vor der Frauenkirche: "Wir wollen keine Diktatur." Einer schwenkte eine blaue Trump Unterstützer-Fahne, einige andere hielten rote Grabeskerzen in der Hand. Eine Frau aus der Nähe von Ansbach war mit ihrer Familie gekommen und sagte, sie wolle für die Menschen beten, da man in der Coronakrise verstärkt auf "Sinnsuche" sei.

Wie schon in anderen Städten war die Demonstration gegen die Corona-Maßnahmen der Regierung ein Sammelsurium an Teilnehmern, die auch von weiter her angereist waren, laut Polizei etwa auch aus Bonn und anderen Teilen Deutschlands. Die Beamten waren mit sehr großem Aufgebot präsent, in den Gassen rund um den Hauptmarkt parkten Polizeivans, den Platz hatten sie mit Absperrbändern in Demonstranten für und gegen die Coronamaßnahmen unterteilt. Schon am Mittag hatte es eine Gegen-Demo gegeben und auch am frühen Abend protestierten laut Polizei etwa 150 Menschen unter dem Motto "Pro Infektionsschutzmaßnahmen" gegen die "Querdenker". Einige "Querdenker" seien kontrolliert worden, weil sie keine Maske trugen, es sei ein Schneeball geflogen und es habe eine kurze Auseinandersetzung mit Demonstrierenden gegeben, sagte Einsatzleiter Herbert Donner, insgesamt sei es aber ruhig geblieben. Auffallend waren Teilnehmerinnen und Teilnehmer der "Querdenker-Demo", die der Polizei ironisch via Megafon "tolle Polizeiarbeit" bescheinigten oder ihnen hinterherriefen, "lauft schneller", als sie die Auflösung organisierten.

Anschließend verlagerte sich die Demo an einen anderen Platz im Stadtzentrum - von den Organisatoren als Spontanversammlung angemeldet. Dort forderte die Polizei die Teilnehmer mit Lautsprecher mehrfach dazu auf, sich an das Tragen von Masken und das Einhalten von Abständen zu halten. Nach einer Stunde löste sie die Demo auf.

© SZ vom 04.01.2021
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