bedeckt München
vgwortpixel

Hochschulen in Bayern:Zu Gast bei den Spaghetti-Ingenieuren

LANGE NACHT DER WISSENSCHAFTEN 2017

Virtual Reality an der TH Nürnberg: Dort können die Besucher mithilfe von Spezialbrillen und Aufhängungen eine neue Wahrnehmung von Filmen erleben. Dass es einem schwindlig wird, ist nicht ausgeschlossen.

(Foto: V-Oldemort)
  • Am Samstag findet in Nürnberg, Fürth und Erlangen die "Lange Nacht der Wissenschaften" statt.
  • An mehr als 150 Veranstaltungsorten gibt es Einblicke in die Welt der verschiedenen Wissenschaften.
  • Ein spezielles Kinderprogramm ist zwischen 14 und 17 Uhr geplant, aber auch am Abend finden sich viele geeignete Veranstaltungen.

Wie viele Bauingenieure eine kulinarische Schwäche für Spaghetti haben, ist schwer zu ergründen. Dass so mancher Bauingenieur seinen Beruf aber explizit wegen der Spaghettinudeln ergriffen hat, das ist eindeutig zu belegen. Schuld daran ist die alle zwei Jahre stattfindende Lange Nacht der Wissenschaften im Großraum Nürnberg. Unter den mehr als tausend Veranstaltungen, die dort an den Forschungseinrichtungen angeboten werden, ragt nämlich der Spaghetti-Brückenwettbewerb an der Technischen Hochschule Nürnberg stets besonders heraus.

Die Idee zu diesem Wettspiel ist in der Fakultät Bauingenieurwesen herangereift. Einzelne Teams versuchen dabei, aus dem Grundmaterial Spaghetti eine möglichst stabile Brücke zu errichten. Nach der Fertigstellung werden Gewichte an das Bauwerk gehängt, und wessen Brücke die größte Last trägt, der hat gewonnen. Das Procedere ist faszinierend anzusehen und hat schon so manchen Studiosus bewogen, Bauingenieur zu werden, wie aus den Reihen der Veranstalter zu hören ist.

Hochschule Wo Deutschlands Doktoren leben
OECD-Bildungsstudie

Wo Deutschlands Doktoren leben

In welchem Bundesland finden Akademiker am einfachsten einen Job? Wo leben die Geisteswissenschaftler, wo die Ingenieure? Und was ist die Hochburg der Promovierten? Ein Überblick in sechs Karten.   Von Bernd Kramer

Von 18 bis 1 Uhr können sich Wissenschaftsinteressierte am kommenden Samstag an 150 Veranstaltungsorten im Städtedreieck Nürnberg, Fürth und Erlangen inspirieren lassen. Wie attraktiv das Konzept ist, zeigte sich vor zwei Jahren, als die Wissenschaftsnacht immerhin 31 500 Besucher anlockte. In der großen Fülle des Angebots die Übersicht zu behalten, ist aber gar nicht so leicht. Gut, dass die Wissenschaft auch hier nach Kräften versucht, Ordnung in das mögliche Chaos zu bringen. Deshalb ist in diesem Jahr erstmals eine App als Partner mit dabei. Sie bietet nicht nur Filtermöglichkeiten, um ein auf die eigenen Interessen abgestimmtes Programm anzuzeigen, sondern sie erleichtert auch die Suche nach standortnahen Veranstaltungen (Download unter https://couchpotatoz.de).

Es geht, was technische Gerätschaften betrifft, natürlich auch eine Nummer größer. Am Klinikum Fürth kommt zum Beispiel ein Medizinroboter namens da Vinci zum Einsatz, den die Besucher in dieser Nacht ausnahmsweise selber steuern dürfen. Ein großes Thema ist heutzutage der Darm, ein Wunderwerk der Natur, das man am Samstag sogar begehen kann. Dazu wurde extra das größte Darmmodell Europas mit einer Länge von 20 Metern herbeigeschafft. In seinem Inneren kann man quasi flanieren und sich mal aus der Nähe anschauen, was sich in diesem wundersamen Kosmos so alles abspielt, im Guten wie im Bösen.

Plasmakugeln sind schon seit vielen Jahrzehnten ein beliebtes physikalisches Spielzeug.

(Foto: Walicki/SiemensFotoclub)

Die Welt ist freilich auch außerhalb des Darms voller Fragen. Spannende Antworten gibt es allemal von 18 bis 23 Uhr bei der Vortragsreihe "Zeichen der Zeit" im Audimax der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg. Dort erfahren die Zuhörer zum Beispiel, ob der Mensch ewig leben kann, wie es mit dem Klimawandel weitergeht und was es mit der ominösen Raumzeit auf sich hat.

Die Nacht der Wissenschaften ist auch Ausdruck einer langen Tradition. Schon 1759 ist in Bayern eine Akademie der Wissenschaften gegründet worden, die bis heute lebhaft aktiv ist und auf diese Weise belegt, dass die Wissenschaften hierzulande seit Langem Zuneigung und Anerkennung genießen. Dazu passt natürlich, dass Ministerpräsident Markus Söder vor Kurzem in einer Regierungserklärung die Hightech-Agenda Bayern mit einem Investitionsvolumen von zwei Milliarden Euro vorgestellt hat. Geld, das in die Förderung der Wissenschaften, etwa in Künstliche Intelligenz und in die Digitalisierung fließen soll.

Weil die Wissenschaft alle Generationen berührt, gibt es in der Wissenschaftsnacht selbstverständlich ein Kinderprogramm (14-17 Uhr). Auch im Nachtprogramm finden sich viele für Kinder geeignete Veranstaltungen, die wissenschaftliche Begeisterung wecken, und sei es auf dem Umweg über die Spaghettinudeln. Für Kurzentschlossene öffnet an jedem Veranstaltungsort eine Abendkasse.