Nürnberg Eine deutliche Mehrheit

SPD, CSU und Grüne unterstützen die Bewerbung Nürnbergs zur Kulturhauptstadt. Die Gegner sind klar in der Minderzahl

Von Olaf Przybilla, Nürnberg

Andere deutsche Städte sind längst viel weiter mit ihren Bewerbungen um den Titel als "Europäische Kulturhauptstadt 2025". Am Mittwoch aber will der Nürnberger Stadtrat nun nachziehen und darüber abstimmen, ob die Halbmillionenstadt in Franken ebenfalls ins Rennen um den Titel gehen wird - wie zuvor schon Dresden, Magdeburg, Mannheim, Halle, Chemnitz und Heidelberg. SPD und CSU, die große Nürnberger Rathaus-Koalition also, haben sich vorab bereits für eine Bewerbung ausgesprochen, ebenso wie die Nürnberger Grünen. Oberbürgermeister Ulrich Maly (SPD) erwartet demzufolge eine klare Mehrheit für die Bewerbung.

So klar war das nicht immer. Als der Erlanger Kulturreferent Dieter Rossmeissl (SPD) im Januar 2015 in einem SZ-Interview erstmals vehement für eine Bewerbung der Metropolregion Nürnberg plädierte, stand er zunächst ziemlich alleine da, zumindest öffentlich. Und ausgerechnet der Chef des bedeutendsten Museums in Nürnberg äußerte sich am skeptischsten. Kurz nach Rossmeissls Vorstoß sagte der Generaldirektor des Germanischen Nationalmuseums, Ulrich Großmann, seiner Beobachtung nach wolle Nürnberg keineswegs Kulturhauptstadt werden. Großmann leitete dies aus dem angeblich grundsätzlich zurückhaltenden Verhältnis der Stadt Nürnberg zur Kultur ab. So seien auf dem damaligen Neujahrsempfang die Vertreter der Kultur "nicht einmal begrüßt" worden. "Klarer" könne man sich als Stadt "nicht positionieren", unkte Großmann.

Wenn nicht alle Zeichen trügen, wird sich der Generaldirektor am Mittwoch eines Besseren belehren lassen müssen. Zwar hatte sich Oberbürgermeister Ulrich Maly zunächst tatsächlich zurückgehalten mit öffentlichen Einlassungen, offenbar um zunächst die Stimmung in der eigenen Partei auszuloten. Der Sozialdemokrat gilt inzwischen aber als eine der beiden treibenden Kräfte hinter der Bewerbung. Maly hofft auf einen "Innovationsschub" für die Stadt und vergleicht deren Bewerbung mit dem Dürer-Jahr 1971 und dem Stadtjubiläum 2000. Beides habe Nürnberg weit nach vorne gebracht. In der SZ hat Maly bereits angekündigt, nicht "das Bratwurst-Label unter den Kulturhauptstadtbewerbern" erfinden zu wollen, "nach dem Motto: Was ist unser Alleinstellungsmerkmal?" Vielmehr gehe es darum, die gestellte Denksportaufgabe zu lösen und "die großen Fragen des nächsten Jahrzehnts zu durchdringen". Notwendig dafür seien keine neuen Kulturbauten, stattdessen kündigt Maly eine Bewerbung der Ideen an und ein "Zusammenrücken der Gesellschaft auf der intellektuellen Bierbank".

In der CSU argumentiert Kulturreferentin Julia Lehner federführend für eine Bewerbung, sie ist die andere treibende Kraft hinter dem Projekt. Lehner spricht von einem "gesamtstädtischen Anliegen" und davon, dass die Stadt sich auf bereits vorhandenen Kulturinstitutionen - wie dem Nationalmuseum, dem Dürer-Haus, dem Doku-Zentrum oder Memorium Nürnberger Prozesse - nicht ausruhen dürfe. Und sie rechnet vor, dass jeder Euro, den Pilsen für die Bewerbung als Kulturhauptstadt aufgewendet hat, sechsfach zurückgekommen sei. In der CSU hat sie die Skeptiker damit offenbar überzeugt. Zwar bestätigt Stadtrat Andreas Krieglstein ein "Grummeln", das angesichts nicht konkret zu beziffernder Kosten in der Partei zu hören gewesen sei: Bisherige Kulturhauptstädte investierten zwischen 50 und 200 Millionen Euro. Für Mittwoch erwartet Krieglstein nun aber ein "einstimmiges CSU-Votum".

Widerstand haben Freie Wähler, ÖDP und die Linke angekündigt, sie dürften aber kaum mehr als zehn von insgesamt 70 Stadträten von ihrer Position überzeugen. Am heftigsten polemisieren die FW gegen die Bewerbung, sie sprechen von einem "Schildbürgerstreich", mit dem OB Maly und Kulturreferentin Lehner in "die Geschichtsbücher" einzugehen versuchten. Der Einfluss der FW im Nürnberger Stadtrat ist freilich überschaubar: Sie kommen auf zwei Stadträte.