Wahl in Nürnberg:Ganserer im Bundestag - als eine der ersten transsexuellen Abgeordneten

Bundestagskandidatin Tessa Ganserer

Mehr als ein Erfolg: Tessa Ganserer von den Grünen zieht nicht nur in den Bundestag ein, sie ist dort eine der ersten transsexuellen Abgeordneten.

(Foto: Daniel Karmann/dpa)

Es wurde schon oft hart gekämpft bei Wahlen im Nürnberger Norden, traditionell aber vor allem zwischen SPD und CSU - nun dürften sich vor allem die Grünen freuen. Über den Wahlabend in Bayerns zweitgrößter Stadt.

Von Clara Lipkowski und Olaf Przybilla, Nürnberg

Das Direktmandat - "es wäre das I-Tüpfelchen gewesen", sagt Tessa Ganserer am späten Sonntagabend, als fast alle Stimmen in Nürnberg ausgezählt sind. Das muss sie dann doch Sebastian Brehm von der CSU überlassen, der 28,6 Prozent der Erststimmen erreicht, Ganserer 22,5. Trotzdem, findet Ganserer, hätten die Grünen "Geschichte geschrieben", das erste Mal seit 1989 seien nun wieder zwei Grüne aus Nürnberg im Bundestag, ihr selbst aber ist etwas gelungen, dass es vorher nicht gab: Sie zieht als eine der ersten transsexuellen Menschen in den Bundestag - mit einer Kollegin aus NRW, Nyke Slawik. Knapp war es am Abend noch für eine dritte im Bunde, Victoria Broßart, aus Rosenheim. Ganserer also wechselt für die Grünen aus dem Landtag nach Berlin und "der Koffer", sagt sie, "ist gepackt". Die Grünen in Bayern verbessern sich um 4,1 Prozentpunkte auf 13,9 Prozent. Erst nachdem Ganserer in einer Nürnberger Bar alle Ergebnisse konzentriert verfolgt hat, lächelt sie - und gönnt sich einen Schluck Sekt.

Bei Sebastian Brehm ist es ein Bier, das er sich gegen 21.30 Uhr genehmigt, immerhin hat er den umkämpften Nürnberger Norden verteidigt. "Ich bin sehr erleichtert", sagt er, es habe sich ausgezahlt, mit "100 Mann Wahlkampf zu machen und aber auch jede Bürgeranfrage ernst zu nehmen". Für ihn stand einiges auf dem Spiel: Er hatte nur die Chance, übers Direktmandat einzuziehen, nicht über die Liste, ihm drohte das politische Aus. Nun hat er für die CSU den Wahlkreis verteidigt, in dem die SPD der CSU 1980 und 1990 mit Renate Schmidt das Direktmandat bei den Bundestagswahlen wegschnappte. 1998 schaffte das Schmidts Parteikollege Günter Gloser. Seit 2018 mischt Ganserer mit, damals holte sie bei der Landtagswahl einen für die Grünen beachtlichen Erfolg: 25,9 Prozent. Nürnberg-Nord, das ist eben neben dem konservativ, landwirtschaftlich geprägten Norden im Knoblauchsland auch das LGBTQI-freundliche Gostenhof - und die traditionell eher rot geprägte Altstadt.

Bei den Sozialdemokraten überwiegen am Wahlabend die guten Gefühle. "Das ist ein erster Schritt, Nürnberg wieder rot zu machen", sagt Parteichef Nasser Ahmed und strahlt. Ahmed erinnert an jenen Abend vor anderthalb Jahren, an dem Nürnbergs Genossen verstört in ihrer Zentrale gesessen und den OB-Sessel an die CSU verloren hatten - eine Schmach. Die Nürnberger SPD-Vize Kerstin Gardill fühlt "Gänsehaut" angesichts der Gewinne ihrer Partei. Noch vor drei Monaten hätten die wenigsten Genossen mit so einem guten Ergebnis gerechnet, ergänzt Alt-OB Ulrich Maly. "Da kann man - um es mit Edmund Stoiber zu sagen - schon mal ein Glas Champagner aufmachen", sagt er. Auch wenn Gabriela Heinrich mit 21,9 Prozent sogar noch hinter Ganserer auf Platz 3 landet. "Nicht so toll", sei das, sagt sie selbst. Spannender sah es lange in Coburg aus. Dort schienen sich der Politikwissenschaftler Jonas Geissler (CSU) und die Schornsteinfegerin Ramona Brehm (SPD) ein enges Rennen um den Sieg zu liefern. Am Ende aber lag Geissler - der dem CSU-Mittelstandspolitiker Hans Michelbach im Bundestag nachfolgt - doch klar vor Brehm.

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