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Nürnberg:Ermittlung zu Anschlag auf Arbeitsagentur

Am vergangenen Sonntag wurden zwei Brandsätze aufgefunden, die nicht zündeten. Eine linksextremistische Gruppierung will dafür verantwortlich sein.

Von Olaf Przybilla, Nürnberg/München

Die Bayerische Zentralstelle zur Bekämpfung von Extremismus und Terrorismus ermittelt wegen eines Anschlags auf die Bundesagentur für Arbeit in Nürnberg. Es gebe ein Ermittlungsverfahren gegen unbekannt wegen versuchter Brandstiftung und versuchter Sachbeschädigung, teilte der Sprecher der Generalstaatsanwaltschaft München, Klaus Ruhland, auf Anfrage mit. Nach SZ-Informationen waren am vergangenen Sonntag an der Nürnberger Bundesagentur zwei Brandsätze aufgefunden worden, die nicht zündeten. Verletzt wurde niemand. Der Staatsschutz der Kriminalpolizei prüft nun die Echtheit eines inzwischen kursierenden Bekennerschreibens.

Demzufolge will eine linksextremistische Gruppierung - die sich selbst als "Militante Zelle" und "Teil des Kollektivs der Revolutionären Aktionszellen" bezeichnet - für die Tat verantwortlich sein. In dem Schreiben wird Bezug genommen auf die 1976 gestorbene RAF-Terroristin Ulrike Meinhof. Die Autoren bezeichnen sich als "militante Aktivist*innen der revolutionären Linken", die eine "Konzeption militanter Politik" umsetzen wollten.

Der Anschlag sei laut Schreiben bewusst in der Nacht ausgeführt worden, um "Schäden an Menschen" zu vermeiden. In dem vermeintlichen Bekennerschreiben finden sich Formulierungen wie "kapitalistisches Unmenschlichkeitssystem" und "kapitalistisch-postfaschistisches Endzeitregime". Es kündigt für den Fall, dass sich politisch nichts ändere, "weitere Maßnahmen" an. Das Schreiben wird nun von der Kriminalpolizei auf Spuren untersucht. Details zu den Ermittlungen, etwa zur Beschaffenheit der aufgefundenen Brandsätze, wollte der Sprecher der Generalstaatsanwaltschaft nicht preisgeben.

© SZ vom 07.08.2020 / prz/syn
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