Jetzt nicht, dass es gleich wieder heißt: die Bayern und ihre befremdlichen Bräuche! Gut, der Nikolaus ist schon gerade wieder allerorten unterwegs. Wenn ihn halt wer bestellt hat beim zuständigen Pfarrverband, bei der Kolpingfamilie, der Katholischen Landjugend, bei den Pfadfindern, beim studentischen Nikolausservice und in Gottes Namen auch mal ausnahmsweise bei der Jungen Union. Oder gleich auf nikolaus.com, einer Seite, die dringend mal gewinnbringend gestaltet werden müsste.
Aber was ist jetzt mit diesem Krampus? Der Nikolaus ist ja anscheinend schon vor längerer Zeit zugewandert aus dem antiken Myra in Kleinasien, wo er mal Bischof gewesen sein soll. Den Krampus hat er damals aber vermutlich noch nicht dabeigehabt. Hat sich der Krampus dem Nikolaus wirklich aus den Passionsspielen der Gegenreformation beigesellt? Oder entstammt er doch irgendwelchen keltischen oder germanischen und jedenfalls voll vorchristlichen Ritualen, wie man es sich im national verwurzelungswilligen 19. Jahrhundert auf einmal so dringend gewünscht hat? Müsste man ihn wohl mal selber fragen, aber dafür schaut er leider viel zu gefährlich aus.

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Jedenfalls hat der Krampus vielleicht viele Gesichter, aber höchstens zwei Hörner. Das unterscheidet ihn zum Beispiel von den Perchten, für die mindestens vier Hörner praktisch Pflicht sind, aber es dürfen mancherorts gerne auch sechs bis zehn sein. So sehen es zumindest jene, die es immer noch oder inzwischen wieder oder auch nur neuerdings genau nehmen mit der Unterscheidung zwischen dem Krampus und den mehrzahligen Gankerln einerseits und den Perchten und sonstigen Gruselgestalten auf der anderen Seite.
Aber gar so genau geht es ja meistens auch wieder nicht. Denn die Perchten sind anscheinend längst nicht mehr richtig ausgelastet damit, irgendwann nach dem kürzesten Tag des Jahres rituell den Winter auszutreiben. Vielleicht beugen sie sich da ja auch der Übermacht der segensreich saisonverlängernden Schneekanonen. Oder sie fühlen sich für ihre alte Aufgabe gar nicht mehr wirklich gebraucht wegen der fortschreitenden Erderwärmung.
Dann also lieber Krampustreiben und Perchtenläufe wie jetzt allüberall in der Vorweihnachtszeit. Derlei adventliche Events werden auch außerhalb der besonders winterfinsteren Alpentäler immer mehr und mehr, genau wie die teilnehmenden „Passen“, also die Gruppen und Vereine. Das Bedürfnis scheint gerade wieder groß zu sein nach solchen Geschichten und Gestalten. Wer weiß, warum, darf sich beim Nikolaus einen Apfel und eine Mandarine holen.

