bedeckt München

Niederbayern:Mysteriöse Brände auf Pferdehof

Binnen weniger Wochen ist auf einem niederbayerischen Pferdehof zweimal Feuer ausgebrochen. Die Tiere haben überlebt, können aber nicht auf dem Hof bleiben. Die Besitzer vermuten, dass sie Opfer eines Tierhassers geworden sind.

Von Charlotte Theile

Noch am Sonntagabend war auf dem Pferdehof Einhell in Landau an der Isar alles in schönster Ordnung. Britta Lehmann und Stephanie Einhell hatten einen erfolgreichen Tag hinter sich: Fast zweihundert Gäste waren zu ihrem Benefizflohmarkt gekommen, es gab Reiterkleidung, Zubehör, Ponyreiten. Mit dem Erlös sollten die Schäden vom Brand im August abbezahlt werden, "So viel Zuspruch, so viel friedliches Miteinander", sagt Britta Lehmann mit belegter Stimme.

Seit dem Brand hatten Stephanie Einhell und sie den Hof nachts nicht mehr unbewacht gelassen. Auch an diesem Abend machten sie noch einen Rundgang, schauten nach, ob trotz Rauchverbots Zigarettenkippen herumlagen, ob die Heuballen so gesichert waren, dass nichts Feuer fangen konnte. Dann gingen sie ins Bett. Keine zwei Stunden später Alarm: Die Pferde schlugen aus, die Hunde bellten, Rauch stieg auf. Lehmann und Einhell rannten zum Stall, öffneten die Türen, die Pferde stürmten heraus. Auch Hängebauchschwein Wilma, das seine Box ganz in der Nähe des Brandherds hatte, konnte gerettet werden.

Am Morgen danach ist Britta Lehmann immer noch wie gelähmt. "Ich denke die ganze Zeit nur: Das ist nicht real, das gibt es doch nicht", sagt die Agraringenieurin leise. Während sie spricht, werden die ersten Pferde abgeholt: Der Pferdehof, den Einhell und Lehmann vor zwei Jahren mit viel Enthusiasmus übernommen hatten, wird vorerst schließen. "Wir können die Sicherheit der Pferde nicht mehr gewährleisten", sagt Lehmann.

Der letzte Brand auf dem Hof ist erst acht Wochen her - auch damals hatten die beiden Frauen das Feuer rechtzeitig bemerkt, auch damals konnten alle Pferde fliehen. Einige Tiere leiden bis heute unter den Folgen einer Rauchvergiftung, über den Sachschaden von etwa 100.000 Euro befindet im Moment noch die Versicherung.

Ob sie im aktuellen Fall, wo der Schaden auf etwas mehr als 10.000 Euro geschätzt wird, zahlen wird, ist offen. "Wir können nicht darauf zählen, dass wir noch mal einen Schutzengel haben", sagt Britta Lehmann an diesem Montagmorgen. "Wenn uns jemand weghaben will, dann hat es keinen Sinn, weiter hierzubleiben." Lehmann vermutet, dass die Brände gelegt wurden, dass es jemand gibt, der mit Absicht Pferdehöfe anzündet. Auch in befreundeten Ställen hat es zuletzt immer wieder Feueralarm gegeben.

28 Tiere starben in einer Nacht

Die Nacht, in der es bei Tobias Bachl im niederbayerischen Pfarrkirchen gebrannt hat, wird der 77-Jährige nicht vergessen. 28 Pferde, die meisten davon Spitzenhengste, starben Anfang August auf dem Hengstgestüt. "Es hat gestürmt in der Nacht. Wir haben Zeugen, die einen Blitz haben einschlagen sehen", sagt Bachl. Doch die Ermittlungen ergaben, dass im Umkreis kein Blitz niedergegangen ist.

Überhaupt: Strohballen brennen schnell. "Da reicht eine Zigarette, die ein Autofahrer Stunden zuvor aus dem Fenster geschnippt hat", sagt Bachl. Die Akte ist mittlerweile geschlossen. Je größer der Brand, desto schwieriger ist aufzuklären, was ihn ausgelöst hat. Auch in Reichertshofen bei Ingolstadt, wo Anfang Juni ein Reitstall ausbrannte, wurde die Akte ohne Ergebnis geschlossen. "Es ist schon verdächtig, wenn sich Brände so häufen", sagt Bachl.

Pferde sind mehr als ein Hobby

"Pferde sind ein emotionales Thema, mehr eine Passion als ein Hobby", sagt Britta Lehmann, "und Pferdeleute auf eine bestimmte Art sehr eigen. Die Tiere lösen bei manchen Menschen starke Gefühle aus." Dass es auf Reiterhöfen immer wieder zu Zwischenfällen kommt, dass Pferde getötet, ausgeweidet oder angezündet werden, hängt für sie mit dieser Faszination zusammen.

Für Alexander Schraml von der Polizei Straubing ist im aktuellen Fall nur klar, "dass alles möglich ist". Die Kollegen von der Kriminalpolizei würden verschiedenen Spuren nachgehen, konkrete Hinweise auf Brandstiftung gebe es aber nicht.

"Nimm dir Zeit zum Glücklichsein" steht in verschnörkelter Schreibschrift auf einem Pferd aus weißem Kunststoff, daneben zwei Löschfahrzeuge, Feuerwehrmänner, Flutlicht. Die Fotos der Unglücksnacht sind auf den ersten Blick vor allem skurril. Das "Paradies", das Lehmann und Einhell hier schaffen wollten, einen Ort der Ruhe, an dem Büromenschen ihren Alltag hinter sich lassen können, Kinder den Umgang mit Tieren und Bewegung lernen: all das wird dem Feuer wohl nicht standhalten.

"Die Pferde gehen alle vom Hof" sagt Lehmann, "jedenfalls so lange wir nicht wissen, woran es gelegen hat." Dann ruft sie einer Frau nach: "Nehmt ruhig noch einen Sack aus der Futterkammer mit!" Als die Frau fort ist, sagt Lehmann: "Wir haben so eine tolle Stallgemeinschaft hier. Alle kommen und helfen, stellen die Pferde ein, wo irgend Platz ist." Dann schweigt sie lange. "Und doch muss es jemand gewesen sein, der sich hier auskennt." Am Dienstag soll ein Fachmann den Stall begutachten.

© SZ vom 08.10.2013/infu
Zur SZ-Startseite