Tierische BegegnungenDie Magie Niederbayerns, komprimiert auf wenigen Kilometern

Lesezeit: 1 Min.

Prächtiges Federkleid: Ein Pfau präsentiert sich von seiner schönsten Seite.
Prächtiges Federkleid: Ein Pfau präsentiert sich von seiner schönsten Seite. Foto: Johannes Simon

Auf einer alten, kurvigen Landstraße begegnet unser Autor jenem niederbayerische Surrealismus, der schon Werner Herzog fasziniert haben könnte.

Von Patrick Wehner

SZ bei Google bevorzugen

Manchmal passieren einem ja die erstaunlichsten Dinge, wenn man nicht mit ihnen rechnet. Gerade in Niederbayern bestätigt sich das immer wieder. Sonntagvormittag, irgendwo auf einer kurvigen, von alten Bäumen gesäumten Straße zwischen Schmidham und Eichendorf. Dort in diesem Winkel, zwischen Gurkenfeldern, alten Klöstern und Tankstellen, an denen man noch ganz selbstverständlich die 1:50er-Mischung fürs Moped tanken kann, haucht sie einen zärtlich an, die Magie Niederbayerns. Sie möchten Belege? Bitte schön:

Meine Familie und ich waren gerade auf dem Weg zu einer Taufe, als nach einer der vielen Kurven direkt vor uns ein gewaltiger Pfau mit blauem Federkleid auf die Straße hüpfte. Die Vollbremsung unseres Autos hat ihn dabei offensichtlich nicht aus der Ruhe gebracht. Auch das ebenfalls scharf bremsende Auto auf der anderen Straßenseite interessierte ihn nicht. Gemächlich und doch selbstbewusst flanierte er über die Landstraße, seine prächtige Federschleppe hinter sich herziehend. Was der Pfau im Schilde führte, woher er kam, wohin er ging – es wird uns und auch Ihnen für immer verschlossen bleiben.

Mehr überholen, weniger schauen: Eine Kutsche am Sonntagmorgen in Niederbayern.
Mehr überholen, weniger schauen: Eine Kutsche am Sonntagmorgen in Niederbayern. Foto. Patrick Wehner

Keine drei Kilometer später mussten wir wieder bremsen. Denn ein Mann und eine Frau fuhren in einer Pferdekutsche vor uns auf der Straße. Wollten sie zum Gottesdienst um 11 Uhr? Zum Wirt? Oder waren sie auf der Suche nach dem Pfau? Näheres erfuhren wir nicht. Die Frau an den Zügeln bedeutete uns mit mehreren schnellen Handbewegungen und ohne sich dabei umzudrehen, dass kein Gegenverkehr zu erwarten sei und wir doch weniger schauen und mehr überholen sollten. Beim begeisterten Vorbeifahren fragten wir uns, was dort, in diesem sagenhaft schönen Eck Bayerns eigentlich los ist. Schon Filmemacher Werner Herzog nutzte diese Gegend, um Teile seines somnambulen Meisterwerks „Herz aus Glas“ zu drehen.

Und während wir über Herzogs Filme, die Folgen der Flurbereinigung in Niederbayern und über die Frage, was es nach der Taufe zum Essen geben könnte, diskutierten, mussten wir ein drittes Mal bremsen. Mehrere Autos standen mit Warnblinker auf der Straße, eine Gruppe Menschen schien ein Gurkenfeld nach etwas abzusuchen. Auf die Frage, ob wir helfen können, bedankte sich eine Frau freundlich und verneinte. Man gehe einer Lama-Sichtung nach und glaube, das Tier nun endlich hier einfangen zu können. Klar, was auch sonst.

© SZ - Rechte am Artikel können Sie hier erwerben.
Zur SZ-Startseite

Brauchtum
:Was die Wahl zur Goaßmass-Königin über Bayern verrät

Identitätspolitik äußert sich oft nicht nur in nervigen Debatten, sondern manchmal ebenso in Getränken. Das hat auch Hubert Aiwanger verstanden. Über eine Veranstaltung, die man absurd finden kann - oder lehrreich.

SZ PlusVon Patrick Wehner

Lesen Sie mehr zum Thema

  • Medizin, Gesundheit & Soziales
  • Tech. Entwicklung & Konstruktion
  • Consulting & Beratung
  • Marketing, PR & Werbung
  • Fahrzeugbau & Zulieferer
  • IT/TK Softwareentwicklung
  • Tech. Management & Projektplanung
  • Vertrieb, Verkauf & Handel
  • Forschung & Entwicklung
Jetzt entdecken

Exklusive Gutscheine für SZ-Abonnenten: