Das Moserbräu-Areal zähle „zu den prägenden Orten der Landshuter Altstadt und steht exemplarisch für den sensiblen Umgang mit historischer Bausubstanz“, schreibt die Bayern Kapital in einer Mitteilung, die sie kürzlich verschickt hat. Mit der Einschätzung steht der Tech-Investor nicht alleine da, jahrzehntelang wurde in Landshut über Zukunft oder Ende des Moserbräu diskutiert. Im August 2025 startete schließlich die umfangreiche Sanierung des Gebäudes samt dem dahinterliegenden Neubau mit Tiefgarage. Ziel sei es, das Gebäude „behutsam denkmalgerecht zu sanieren und einer zeitgemäßen Nutzung zuzuführen, ohne seinen historischen Charakter zu verlieren“.
Dass sich die Bayern Kapital, die als Tochter der LfA-Förderbank Bayern in bayerische Hightech-Startups investiert, mit diesem für Landshut so bedeutenden, denkmalgeschützten Objekt befasst, hat einen einfachen Grund: Sie wird einen Teil der im Moserbräu entstehenden Büro- und Gebäudeflächen mieten, der Einzug ist für 2028 geplant.
Der Eigentümer des Gebäudes, Christian Eller vom gleichnamigen Immobilienunternehmen, das auch auf Altbausanierungen spezialisiert ist, zeigt sich zuversichtlich, diesen Termin einhalten zu können. Stand jetzt, sagt er im Gespräch mit der SZ, werde man mit den Arbeiten im ersten Quartal 2028 fertig sein.
Damit wird endgültig ein Schlussstrich gezogen unter ein Thema, das die Landshuter Politik und Gesellschaft jahrzehntelang beschäftigt hat und in der Stadt kontrovers diskutiert wurde. Über den genannten „sensiblen Umgang mit historischer Bausubstanz“ wurde lange Zeit trefflich gestritten. Dass der Moserbräu – wesentliche Bauteile des Gebäudes sollen bereits vor 1442 entstanden sein – erhalten bleibt, war lange Zeit nicht sicher.
Beim Wettstreit „zwischen den Interessen der Investoren in Zeiten der Wohnungsknappheit und dem Bewahren von historisch wertvoller Bausubstanz“, wie die SZ im Jahr 2016 schrieb, wurde das Gebäude nicht nur in der Stadt selbst zum Politikum, sondern rückte exemplarisch auch überregional ins Interesse der Öffentlichkeit. Dem Moserbräu drohte in den vergangenen knapp 40 Jahren mehrfach der Abriss. Es hätte schon auch Unterstützer dafür gefunden, das „alte Graffl“ wegzureißen.

Die gebürtige Landshuterin Olivia Dudkowski, die sich in ihrer im vergangenen Jahr verfassten Diplomarbeit an der Technischen Universität Wien ausführlich mit dem Moserbräu beschäftigt hat, listet darin zahlreiche entsprechende Anträge der früheren und aktuellen Eigentümer auf. Diese reichen zurück bis ins Jahr 1987 und enden in den Jahren 2016 und 2017, als der Stadtrat mehrheitlich für den Abriss stimmte, ehe die Regierung diese Beschlüsse aufhob.
Im Jahr 2018 wurde bekannt, dass das Gebäude im Bestand erhalten bleiben und lediglich der rückwärtige Grundstücksbereich neu bebaut werden soll. „Damit rückte erstmals eine Lösung in den Fokus, die sowohl denkmalpflegerische Anforderungen als auch wirtschaftliche Nutzungsinteressen berücksichtigte“, schreibt Dudkowski dazu in ihrer Arbeit.
Diese Lösung befindet sich mittlerweile in der Umsetzung, „jetzt gibt es kein Zurück mehr“, sagt Christian Eller. Auf einer Gesamtfläche von 4800 Quadratmetern sollen Gewerbe- und Büroflächen sowie Wohnungen entstehen. Der erste bereits feststehende Mieter für das Gebäude ist die Bayern Kapital, die 1995 gegründet wurde und seitdem in Landshut ansässig ist. Sie wird 2028 mit den rund 45 Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern in den Moserbräu einziehen.
Darüber hinaus sollen bis zu drei Gewerbe- und Büroflächen in dem Gebäude im Erd- und Obergeschoss entstehen. Es gebe immer wieder Anfragen von Praxen und Kanzleien, aber spruchreif sei noch nichts, sagt der Eigentümer. Im restlichen Gebäude werden Wohnungen entstehen. Insgesamt 29 Wohneinheiten sind geplant.
Ohne Stellplätze keine Mieter, sagt der Eigentümer
Im rückwärtigen Teil des Grundstücks wird eine Tiefgarage entstehen, die über den Dreifaltigkeitsplatz angefahren wird. Dies erfordert einen Eingriff in den Hang, an dessen oberen Ende sich eines der Wahrzeichen der Stadt, die Burg Trausnitz, befindet. „Wir haben mehrere Objekte im Umfeld Dreifaltigkeitsplatz und Obere Altstadt und die Stellplätze sind da einfach wichtig, sonst findet man keine Mieter“, sagt der Eigentümer. Die Tiefgarage wirke sich zudem verkehrsberuhigend aus, weil sie den sonst nötigen Parksuchverkehr reduziere.
Für das Vordergebäude des Moserbräu, das vielen Landshuterinnen und Landshutern als der alte Wienerwald bekannt ist, habe man in Abstimmung mit dem Denkmalschutz eine Lösung gefunden, um den historischen Dachstuhl zu erhalten. Jetzt gilt es, an der Statik und den Fundamenten zu arbeiten – und an den „Bausünden“ der Vergangenheit, wenn man es so nennen will.



Bei der Genehmigung des Vorhabens wurde etwa die sachgerechte Instandsetzung besonders relevanter Bauteile im Sinne des Denkmalschutzes zur Auflage gemacht. Dazu gehören, wie Olivia Dudkowski in ihrer Arbeit schreibt, der Erhalt und die zimmermannsmäßige Instandsetzung der intakten Hölzer des mittelalterlichen Dachtragwerks sowie der historischen Geschossdecken des Hauptgebäudes. Vorgeschrieben wurde außerdem der Erhalt des historischen Fassadenputzes und des charakteristischen Fensterbands, einschließlich erhaltener historischer Fenster.
Bei der Umsetzung bedeutet das eine Menge Arbeit. Der Moserbräu wurde im Laufe der Jahre mehrmals umgebaut. Dabei wurde, um nur ein Beispiel zu nennen, so manches Mal „der Boden einfach aufgedoppelt“, sagt Christian Eller. Sprich: Beim Verlegen eines neuen Bodens „haben die früher den alten Boden einfach drunter gelassen“. Bei der Sanierung sei deshalb jetzt „viel Zimmererarbeit gefragt“. Wenn die „statische Sicherung hergestellt ist“, können dann auch die Zimmerer mit ihrer Arbeit loslegen.

