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Niederbayern:Warum sich mache schämen, vom Hochwasser betroffen zu sein

Doch es geht nicht nur um Formulare. "Wir kommen, um bei den Menschen zu sein und wahrzunehmen, was ihnen passiert ist", sagt Fleischmann. Die Malteser wollen Seelsorge leisten, ermutigen, stabilisieren. Obwohl sie nichts dafür können, gibt es Leute, die sich schämen, vom Hochwasser betroffen zu sein. "Sie fühlen sich als Hochwasseropfer stigmatisiert", sagt Fleischmann. Manche müssten sich Vorwürfe von anderen anhören, die neidisch sind, weil jemand wegen des Hochwassers Geld für die Sanierung seines Hauses bekommt.

Für Fleischmann hat das aktuelle Hochwasser in Bayern eine neue Dimension. Dieses Mal gibt es, anders als beim Einsatz 2013 in Deggendorf, Tote. Die Malteser wollen den Menschen beistehen und ihnen dabei helfen, Abschied von den Verstorbenen zu nehmen. Es geht auch darum, Würde zu finden, in all dem Chaos.

Karin Holzmüller haben vor allem die Gespräche mit Freunden und Familienmitgliedern geholfen, die 2013 auch betroffen waren. "Jemand der nicht betroffen war, kann sich nicht in diese Situation versetzten", sagt sie. Auch für die Einsatzkräfte ist die Arbeit im vom Hochwasser betroffenen Gebiet nicht leicht. Manche von ihnen sind persönlich betroffen.

Viele waren bereits 2013 in Deggendorf im Einsatz. "Auch bei ihnen kommen die Bilder von damals wieder hoch", sagt Fleischmann. Ihm selbst schießen die Erinnerungen aus dem Jahr 2013 in den Kopf, wenn er den Ölgeruch riecht, der in der Luft liegt. Das Hochwasser macht etwas mit der Seele. "Die Bilder, die Geräusche, die Gerüche sind in einem drinnen", sagt Fleischmann.

Dass die Bilder kommen, muss nicht unbedingt etwas Schlimmes sein. Doch die Menschen müssen lernen, mit ihnen zu leben. "Die meisten sind zum Glück Selbstheiler", sagt Fleischmann. In Deggendorf konnten die Malteser den Betroffenen mit einem langfristigen Seelsorgeangebot helfen, wieder eine Struktur für ihr Leben zu finden.

Es gibt zu wenig Therapeuten

Ende 2017 wird dieses Projekt in Deggendorf enden. Für den Landkreis Rottal-Inn wollen die Malteser auch ein langfristiges Angebot einrichten. Wenn die Menschen bei den Maltesern Hilfe suchen, ist das schon mal ein wichtiger Schritt. "Ein therapeutisches Angebot können wir ihnen jedoch nicht bieten", sagt Fleischmann. Die Malteser vermitteln dann an Psychologen. Viele, die durch das Hochwasser zum Beispiel an einer posttraumatischen Belastungsstörung leiden, müssen lange auf Therapieplätze warten. Es gibt zu wenige Therapeuten.

Dass das Wasser am Jahrestag der Flut von 2013 gekommen ist, ist für viele besonders schlimm. Am Freitag sollte in Deggendorf eine Gedenktafel enthüllt werden. Diese Veranstaltung wurde abgesagt. Auch in Deggendorf sind im Moment Traumapsychologen im Einsatz. Selbst, wenn das Wasser längst weg ist und die Schäden repariert sind, ist das Hochwasser für viele noch lange nicht vorbei.