Niederbayern Asylbewerber helfen Flutopfern: "Wir geben etwas zurück"

Nach dem verheerenden Hochwasser in Niederbayern helfen Asylbewerber den Opfer der Flut in Simbach am Inn.

(Foto: Rudi Neumaier/oh)

Schlammhaufen, zerstörte Häuser, stechender Gestank: Nach den Fluten stehen die Helfer in Bayern vor einem Kraftakt. Unter den Helfern: Flüchtlinge.

Naja Al Hassas steht vor völlig verschlammten Turnschuhen. Das ehemals weiße Paar ist vom grau-braunen Schlamm verkrustet. Er steigt barfuß hinein, streift Handschuhe über und greift sich eine Schaufel.

50 Meter von seiner Asylbewerberunterkunft im bayerischen Simbach am Inn steht er mitten im Chaos, Müll- und Schlammberge türmen sich auf. Schon am Vortag hat er von früh bis spät den betroffenen Anwohnern geholfen - und trotz Muskelkaters packt der 30-Jährige am Freitagmorgen wieder an. Auch in Braunsbach, in Baden-Württemberg, das schwer von Wassermassen getroffen wurde, helfen Flüchtlinge beim Aufräumen.

In Simbach übersetzt Al Hassas' Freund Mouath, der wie 25 andere Syrer unter den Helfern ist: "Wir haben von den Menschen in Simbach so viel Hilfe bekommen, jetzt können wir etwas zurückgeben. Das tut gut." Die Männer wollen Teil der Gemeinschaft werden. Mit jeder Schaufel voll Dreck, die sie aus den verschlammten Häusern bringen, haben sie das Gefühl, diesem Ziel näher zu kommen.

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"Wir wissen, was es heißt, in einem Krisengebiet zu leben und das eigenes Haus zu verlieren", erklärt Al Hassas. "Das ist der beste Weg zur Integration. Sie lernen sogar hier ein paar Worte Deutsch", sagt Jana Kirchner, deren Spielhalle von der Flutwelle am Mittwoch komplett zerstört wurde. "Sie sind gut drauf und sorgen mit ihrem ständigen Lächeln für gute Stimmung." Und die ist nötig.

Zwar ist das Wasser aus der Innenstadt von Simbach herausgelaufen, aber noch immer steht der Schlamm knöcheltief in den Straßen, in Kellern und Erdgeschossen noch höher. "Wir brauchen jede helfende Hand. Ohne freiwillige Helfer wäre das gar nicht zu schaffen", betont Simbachs Bürgermeister Klaus Schmid (CSU). Über soziale Netzwerke hat sich ein Helferkreis organisiert, am Donnerstag waren bereits bis zu 500 Menschen aus der Umgebung gekommen. Am Freitag scheint sogar die Sonne, der Bürgermeister rechnet mit noch mehr Helfern. "Die brauchen wir auch noch die nächsten Tage."

Evi Köhler ist bereits den zweiten Tag in Simbach am Inn. Die 38-Jährige aus dem Nachbarort ist von oben bis unten mit Schlamm verdreckt und trägt eine Schaufel über der Schulter. "Wir haben gerade ein Haus leergeräumt: Möbel raus, und dann haben wir bis zur Erschöpfung Schlamm herausgeschippt", sagt sie. Der schwere Dreck zehrt an den Kräften.

So auch in Braunsbach: 46 Flüchtlinge helfen in dem verwüsteten Ort beim Aufräumen und der Versorgung von Hilfskräften und Einwohnern. Die 2000-Einwohner-Gemeinde wurde vom heftigen Unwetter unter Wasser gesetzt, Bäche traten über die Ufer und Überschwemmungen richteten schwere Zerstörungen an.

Mit anderen Helfern sind die Asylbewerber aus einer Unterkunft im nahegelegenen Crailsheim damit beschäftigt, Häuser zu reinigen, Keller von Schlamm zu befreien und Straßen freizuschaufeln, sagt Gemeinderätin Danica Göhler. Frauen schmierten Brötchen, verteilten Essen und Getränke im Dorf. "Außerdem helfen sie dabei, Hilfsgüter auszuladen."

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