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Nichtraucherschutz:Der weißblaue Dunst

In Bayern startet das Volksbegehren zum Nichtraucherschutz: Warum das Ringen darum so ungemein aufwühlt - und der CSU nun eine weitere Schlappe droht.

Es gibt eine kleine Kneipe in München, gar nicht weit vom bayerischen Landtag entfernt. Da sitzen sie abends oft, die Abgeordneten, überwiegend von der CSU, und regieren noch ein bisschen. Der Wein soll gut sein, nur die Luft nicht besonders, weil kräftig geraucht wird.

Am heutigen Donnerstag startet die Eintragungsfrist für das Volksbegehren zum Nichtraucherschutz. Mehr als 930.000 Unterschriften werden benötigt.

(Foto: Foto: ddp)

Das ist dort erlaubt, weil der Laden kleiner ist als 75 Quadratmeter. Es handelt sich um eine "getränkegeprägte Gaststätte", wie die einfallsreiche Formulierung im aktuellen bayerischen Gesundheitsschutzgesetz lautet. Allerdings qualmten die Abgeordneten dort auch schon, als sie gerade das schärfste aller deutschen Rauchverbote beschlossen hatten. Damals etablierte sich die kleine Kneipe als Raucherclub in der gesetzlichen Grauzone.

Es gibt wenige politische Themen, die in Bayern derart emotional diskutiert werden wie das Rauchverbot. Wenn an diesem Donnerstag die Eintragefrist für das Volksbegehren gegen dessen Lockerung beginnt, dann ist das nur ein weiteres Kapitel in einer Geschichte, die vor zwei Jahren begann, als die Bayern wieder einmal die Besten und die Schnellsten sein wollten.

In der Diskussion um ein Rauchverbot tat sich der Vorsitzende der CSU-Landtagsfraktion, Georg Schmid, mit einem Maß an Durchsetzungskraft hervor, das ihm seither fehlt. Die Folge war das strengste aller deutschen Rauchverbote, außerdem die kurzzeitige Bekanntheit des Herrn Schmid weit über Bayern hinaus.

Was haben sich die Leute aufgeregt. In einer Münchner Absteige wurde Schmid per Foto an der Wand diffamiert, er bekam Drohbriefe, die Widerständler organisierten sich im "Verein zum Erhalt der bayerischen Wirtshauskultur". Als Totschlagargument musste die Liberalitas Bavariae herhalten, wenngleich keiner so recht erklären konnte, was so freiheitlich bayerisch daran sein soll, seinem Tischnachbarn den Rauch ins Gesicht zu blasen.

Das kleine Schlupfloch im Gesetz, das in "nicht öffentlich zugänglichen" Gesellschaften eine Ausnahme vom Rauchverbot erlaubte, wurde großzügigst ausgedehnt. Jeder, der seine sozialen Kontakte nicht komplett vernachlässigen wollte, trug mehrere Mitgliedsausweise für Raucherclubs im Portemonnaie.

Ein einfallsreicher Wirt im schwäbischen Memmingen erklärte seine Kneipe kurzerhand zur Theaterbühne und die Gäste zu Darstellern. Im Theater nämlich war das Rauchen weiterhin gestattet, als Kunstform sozusagen.

Kurzum, die Anarchie war in Bayerns Wirtshäusern ausgebrochen, und an den Stammtischen tönte man: "Leben und leben lassen". Er lässt sich halt nicht gerne etwas sagen, der Bayer.

Lesen Sie auf der zweiten Seite, welchen Rückzugsplan sich die CSU für den Falle einer Niederlage zurechtgelegt hat.