Neumarkt in der Oberpfalz Tierschützer fordern mehr Platz für Affen im Jura-Zoo

Der Gibbon im Neumarkter Jura-Zoo hat einen Schnuller im Mund. Sonst gebe es kein Spielzeug, kritisieren Tierschützer. Außerdem hätten die Tiere viel zu wenig Bewegung in dem kleinen Gehege.

(Foto: Great Ape Project/oh)
  • Die Kritik am Jura-Zoo in Neumarkt in der Oberpfalz mehrt sich.
  • Affenschützer Colin Goldner vom Great Ape Project sieht in der Unterbringung der meisten Tiere einen Verstoß gegen das Tierschutzgesetz.
  • Der Besitzer, der den Zoo im Nebenerwerb betreibt, will nun renovieren - das plane er schon seit Jahren, sagt er.
Von Lisa Schnell, Neumarkt

Gegen den Jura-Zoo in Neumarkt in der Oberpfalz werden neue Vorwürfe laut. Nachdem die "Aktionsgruppe Tierrechte Bayern" die Haltungsbedingungen der rund 200 Tiere als katastrophal bezeichnete, mehrt sich die Kritik. Die Tierrechtsorganisation Peta bereitet eine Strafanzeige gegen den Zoo vor und auch Affenschützer Colin Goldner vom Great Ape Project sieht in der Unterbringung der meisten Tiere einen Verstoß gegen das Tierschutzgesetz.

Die zwei Gibbons und fünf Kapuzineraffen würden viel zu beengt und in unzureichend ausgestatteten Gitterkäfigen gehalten, sagt Goldner. Dies sei "tierquälerisch" und ein eklatanter Verstoß gegen die Bestimmungen des bundesministeriellen Säugetiergutachtens von 2014. Danach müssten den zwei Gibbons mindestens hundert Quadratmeter zur Verfügung stehen, sie hätten samt Innenbunker aber nur 60. Außer einem Babyschnuller, den einer der Affen bei seinem Besuch mit sich herumtrug, gebe es kein Spiel- oder Beschäftigungsmaterial.

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Aus Sicht von Goldner sind die zwei Gibbons schwer verhaltensgestört. Sie seien als sogenannte Schwinghangler an ein Leben in den Baumkronen südostasiatischer Regenwälder angepasst. Die extrem bewegungsbedürftigen Tiere in einem allenfalls dreieinhalb Meter hohen Käfig unterzubringen, ist in seinen Augen reine Quälerei. Während der Wintermonate würden sie sogar in einem Innenbunker ohne Fenster verwahrt.

Auch die Unterbringung der anderen Tiere verstößt laut Goldner gegen das Tierschutzgesetz, nach dem gehaltene Tiere art-, bedürfnis- und verhaltensgerecht untergebracht werden müssen. "Die Affen und der einsam in einem zehn Quadratmeter großen Verschlag vor sich hinvegetierende Waschbär können nicht bleiben", sagt Goldner. Er habe bereits mit einem Primatenauffangzentrum Kontakt aufgenommen, das die Affen und den Waschbären sofort aufnehmen könnten. Auch die Aktionsgruppe hatte angeboten, die Tiere an Auffangstationen zu vermitteln. "Es hängt alles nur an der Entscheidung des Veterinäramts", sagt Goldner. Dieses hatte den Zoo aufgrund einer Anzeige der Aktionsgruppe überprüft, aber eine Schließung nicht für nötig befunden.

Warum man über Missstände im Jura-Zoo über Jahrzehnte wohlwollend hinweggesehen habe, wisse er nicht, sagt Goldner, betont aber: "Veterinärämter sind aufgrund ihrer gesetzlichen Garantenstellung zu sofortigem Einschreiten verpflichtet, sollte in ihrem Zuständigkeitsbereich Tierwohl gefährdet sein." Wenn die Ämter nicht handeln, müsse der Besitzer es tun, sagt Simon Fischer von der Aktionsgruppe. Mit einer Petition, die knapp 2500 Personen unterschrieben haben, fordern sie ihn auf, seinen Zoo zu schließen.

Der Besitzer will den Zoo nicht schließen

Er wüsste nicht warum, sagt Besitzer Dieter Pelech. Den Waschbär habe er nur aufgenommen, weil er sonst vom Jäger erschossen worden wäre. Seitdem suche er nach einer Unterkunft für ihn. Jetzt soll er in einen anderen Tierpark kommen. Auch sein Storch werde dort eine neue Heimat finden, da das Gehege statt 1500 Quadratmetern, wie neuerdings vorgeschrieben, nur knapp gut 100 habe. Dort sollen die Gibbons einziehen, deren Gehege dann sechs Meter hoch sei.

Die Renovierung plane er schon seit zwei Jahren, mit den Vorwürfen gegen ihn habe sie nichts zu tun, sagt Pelech. In seinen Augen gründen sich diese allein auf ein "Fake-Video" der Aktionsgruppe, das seinen Zoo verfälscht darstelle. Er hat deshalb schon Kontakt zu einem Anwalt aufgenommen. Ob er juristische Schritte ergreifen werde, wisse er aber noch nicht. Pelech betreibt den seit 1989 bestehenden Familienbetrieb samt Gaststätte im Nebenerwerb. Seine über 70-jährige Mutter kümmert sich um die Tiere, wenn er arbeitet. Dem Vorwurf, sie seien überfordert, widerspricht er.

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