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Neues Finanzkonzept:NS-Gedenkorte sollen enger zusammenarbeiten

Das NS-Dokuzentrum auf dem Obersalzberg soll für 21 Millionen Euro erweitert werden. Andere Gedenkstätten fühlen sich benachteiligt.

(Foto: Max Köstler/Institut für Zeitgeschichte)
  • Immer wieder gibt es Streit um die Verteilung von Geldern für die NS-Gedenkorte in Bayern.
  • Nun soll es ein Finanzkonzept für alle Erinnerungsstätten geben.
  • Politiker warnen, es dürfe nicht zu Kämpfen um die Verteilung des Geldes kommen.

Von Anne Kostrzewa und Florian Stocker

Die NS-Gedenkstätten und Erinnerungsorte in Bayern sollen künftig enger zusammenarbeiten. Noch vor der politischen Sommerpause soll dem Wissenschaftsausschuss im Landtag ein Bericht vorliegen, wie es um die einzelnen Standorte bestellt ist. Daraus soll dann ein Finanzkonzept erarbeitet werden, das allen Erinnerungsorten gerecht wird. Darauf einigte sich der Ausschuss am Mittwoch parteiübergreifend.

Die Bestandsaufnahme der Erinnerungsorte soll die Bayerische Landeszentrale für politische Bildungsarbeit (BLZ) übernehmen, gemeinsam mit den Leitern der Einrichtungen. In einem weiteren Schritt möchte der Ausschuss dann ein Gesamtkonzept erstellen, um die Arbeit der Erinnerungsorte besser zu koordinieren und angemessen zu finanzieren. Damit soll auch der Erinnerungskultur des Freistaats Rechnung getragen werden.

Ausschlaggebend war ein Antrag der SPD für ein Konzept zum Umgang mit Erinnerungsorten des Nationalsozialismus gewesen. Zuletzt hatte der geplante Erweiterungsbau auf dem Obersalzberg für Unmut gesorgt. Er soll 21 Millionen Euro kosten, während etwa in Dachau der Parkplatz vor der Gedenkstätte zur Schlaglochpiste wird. "Wir dürfen die Erinnerungsorte nicht gegeneinander ausspielen", warnte die SPD-Abgeordnete Isabell Zacharias. "Verteilungskämpfe zwischen den Gedenkstätten sind im Hinblick auf unsere Geschichte in Bayern peinlich und nicht hinnehmbar."

Bislang schaue jeder Erinnerungsort vor allem auf sich selbst, sagte Zacharias. Sie wünsche sich Absprachen zwischen den Leitern der Gedenkstätten. Dabei solle der Landtag nun helfen. Die SPD-Abgeordnete erinnerte in diesem Zusammenhang auch an die rechten Aufmärsche der Pegida und das Erstarken der AfD. Dem müsse nun auch in der Politik ein "starkes Signal" entgegenstehen.

In den Reihen der CSU wurde der Antrag positiv aufgenommen. Er sei richtig und wichtig, an der Zielsetzung sei nicht zu rütteln, hieß es.

Individualität der Erinnerungsorte

Auch Werner Karg, stellvertretender Leiter der BLZ, begrüßte die Antragstellung, verwies aber auf die Komplexität der Erinnerungsorte. Jeder Ort habe andere Möglichkeiten, Ansprüche und Bedürfnisse. Umso wichtiger sei es nun, zunächst eine Bestandsaufnahme zu machen. Gemeinsam mit den Einrichtungsleitern wird die Bundeszentrale in den nächsten Monaten eine "Topografie der Erinnerungsorte" erarbeiten. Dabei soll geklärt werden, welche Orte für die Dokumentation und Erinnerungsarbeit in welcher Weise relevant sind und welche Notwendigkeiten diese Orte für sich sehen, um noch besser arbeiten zu können.

Die Gedenkstätten reagierten positiv auf die Pläne. Gabriele Hammermann, Leiterin der KZ-Gedenkstätte Dachau, sagte: "Wir sind guter Dinge, dass es jetzt vorangeht." Sie hoffe, drängende Projekte bald realisieren zu können, etwa die Sanierung und Erweiterung des Parkplatzes und das Gelände des ehemaligen Kräutergartens. Es sei "höchste Zeit", auf die ständig anwachsenden Besucherzahlen zu reagieren.

Das NS-Dokuzentrum am Obersalzberg befürwortet die geplante Kooperation. "Wir erhoffen uns daraus eine inhaltliche Stärkung der einzelnen Einrichtungen", sagte Leiter Axel Drecoll, warnte jedoch vor einem "Gesamtfinanzierungsvolumen ohne Einzelfall-Würdigung". Auch Jörg Skriebeleit, Leiter der Gedenkstätte Flossenbürg, will sich "nicht an einem Überbietungswettbewerb beteiligen, wer am meisten Geld bekommt". Er mahnte, man müsse sich auf inhaltliche Konzepte konzentrieren. "Die gesellschaftliche Erwartung an Orte wie Dachau und Flossenbürg wird immer größer, darauf müssen wir mit guten Ausstellungen reagieren."

© SZ vom 14.04.2016/vewo

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