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Neuer Sprecher:Einer für alle

"Die Arbeit in der LAK ist mir ein Herzensanliegen", sagt Constantin Pittruff.

(Foto: oh)

Constantin Pittruff vertritt gut 380 000 bayerische Studenten

Der Dachverband der bayerischen Studentenvertretungen bekommt einen neuen Sprecher. Von April an wird Constantin Pittruff der Landes-Asten-Konferenz Bayern, kurz LAK, vorstehen und sich für die Interessen und Belange der mehr als 380 000 bayerischen Studenten einsetzen. Dafür bringt der 25-Jährige bereits einiges an Erfahrung mit: An der Hochschule München, wo Pittruff Wirtschaftsingenieurwesen studiert, sitzt er im Vorstand der Studentenvertretung, ist Mitglied im Senat und im Hochschulrat. Trotzdem könnte das neue Amt eine Herausforderung werden. Eigentlich sind in der LAK nämlich drei Sprecher vorgesehen. Da die bisherigen drei am Freitag aus dem Amt geschieden sind, wird ihnen vorläufig aber nur Pittruff als einziger Sprecher nachfolgen.

Im Januar hatte das noch ganz anders ausgesehen: Die erste Wahl hatte drei Kandidaten bestätigt, musste wegen eines Formfehlers auf den Wahlzetteln aber wiederholt werden - beim zweiten Anlauf bekam einer der Kandidaten dann überraschend nicht mehr die absolute Mehrheit, die die LAK für das Amt des Sprechers vorsieht. Eine weitere, bei der zweiten Wahl bestätigte Kandidatin trat in der vergangenen Woche aus familiären Gründen von ihrem Amt zurück.

Bleibt also Constantin Pittruff. Er steht für eine Studentenvertretung, die ihren Fokus auf hochschulpolitische Belange legt. Eine kleine Gruppe innerhalb der LAK würde lieber auch zu gesellschaftspolitischen Themen Stellung beziehen, statt nur Hochschulthemen zu beackern. Pittruff lehnt das ab. "Ich verstehe mich als Sprecher der Studierenden als akademische Bürger", sagt er. "Für Meinungen zu gesellschaftspolitische Themen, die nicht die Hochschulen betreffen, haben wir aus meiner Sicht kein Mandat."

Überhaupt ist die LAK im Freistaat in einer schwierigen Position. Da Bayern als einziges Bundesland laut seinem Landes-Hochschulgesetz seit 1973 keine landesweite verfasste Studierendenschaft mehr erlaubt, sind die höchsten gesetzlich anerkannten Studentenvertretungen jene, die an den einzelnen Hochschulen gewählt werden. Sie können Vertreter in die einzelnen Gremien ihrer Hochschulen entsenden. Die LAK ist ein freiwilliger Zusammenschluss dieser einzelnen Vertretungen, der aber im Landes-Hochschulgesetz nicht offiziell als solcher anerkannt wird.

"Bayerns Schüler haben mit dem Landesschülerrat ein im Gesetz verankertes Gremium, das sich landesweit um die Belange der Schüler kümmert", sagt Constantin Pittruff. Die Studenten, die sich landesweit organisieren wollten, würden hingegen abgespeist mit dem Verweis auf die Autonomie der Hochschulen.

Ein hochschulpolitisches Mandat, wie verfasste Studierendenschaften in anderen Bundesländern es haben, bleibt der LAK deshalb ebenso verwehrt wie finanzielle Zuschüsse. Vertreter dürfen an Verbandsanhörungen zu Gesetzentwürfen teilnehmen und auch Stellung nehmen - ob ihre Vorschläge und Bedenken dann berücksichtigt werden, liegt aber im Ermessen der Staatsregierung. Ihre monatlichen Sitzungen, die immer an einer anderen Hochschule stattfinden, müssen die LAK-Vertreter komplett selbst finanzieren. Öffentliche Veranstaltungen wie Sommerfeste dürfen sie, anders als die Studentenvertretungen der Universitäten, nicht organisieren.

Für Constantin Pittruff ist das kein Grund für Unmut. Er hat sich vorgenommen, bei allen hochschulpolitisch relevanten Akteuren regelmäßig Klinken zu putzen und bei ihnen mit Sachverstand und Überzeugungsarbeit zu punkten. Dass seine Unikurse bei diesen hochgesteckten Zielen in nächster Zeit wohl gelegentlich zu kurz kommen werden, schreckt Pittruff nicht ab: "Die Arbeit in der LAK ist mir ein Herzensanliegen. Als Sprecher möchte ich die Schlagkraft der Studierendenvertretung auf ein neues Level heben." Sein erstes großes Etappenziel: Es irgendwie schaffen, dass die Landes-Asten-Konferenz Bayern in der geplanten Novelle des Hochschulgesetzes zumindest Erwähnung findet.