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Neuer bayerischer Ministerpräsident:Seehofer bot Söder im Winter auch Parteivorsitz an

Markus Söder Bayern Ministerpräsident Seehofer Landtag

Markus Söder und Horst Seehofer bei der Sondersitzung des bayerischen Landtags zur Wahl des Ministerpräsidenten.

(Foto: dpa)
  • Markus Söder hat nach SZ-Informationen das Angebot abgelehnt, schon jetzt Vorsitzender der CSU zu werden.
  • Horst Seehofer soll Söder beim CSU-Parteitag Mitte Dezember 2017 angeboten haben, sofort auf den Vorsitz zu verzichten.
  • Sprecher von Söder und der CSU wollten sich nicht zu dem Thema äußern.

Von Roman Deininger und Wolfgang Wittl

Er hätte die ganze Macht in der CSU haben können und wollte sie nicht: Der neue bayerische Ministerpräsident Markus Söder hat nach Informationen der Süddeutschen Zeitung das Angebot abgelehnt, schon jetzt Vorsitzender der CSU zu werden. Auf diese Weise hätte er beide Spitzenämter in seiner Hand konzentrieren können, statt eine Doppelspitze mit Horst Seehofer zu bilden.

Nach SZ-Informationen hat der amtierende CSU-Chef Seehofer dem damals designierten Ministerpräsidenten Söder beim CSU-Parteitag Mitte Dezember 2017 mitgeteilt, er werde zu seinen Gunsten sofort auf den Parteivorsitz verzichten, falls Söder dies wünsche. Söder hat das Angebot nicht angenommen. Seehofer und Söder hatten sich zum Start des CSU-Parteitags in einem Konferenzraum im ersten Stock der Nürnberger Messe zum Gespräch getroffen.

Auf dem Parteitag wurde Seehofer für zwei Jahre als Vorsitzender bestätigt - obwohl er offenbar bereit war, sich komplett zurückzuziehen. Söder sagte der SZ vor wenigen Tagen, er sei "sehr zufrieden, wie wir uns jetzt aufgestellt haben". Seehofer sei CSU-Vorsitzender "und bleibt es auch. Er hat als Parteivorsitzender am Kabinettstisch eine starke und zentrale Funktion in Berlin."

Söder wurde am Freitag zum Ministerpräsidenten gewählt

Ein CSU-Sprecher sagte der SZ, er könne Inhalte von Vieraugengesprächen weder bestätigen noch dementieren. Eine Söder-Sprecherin sagte, Markus Söder äußere sich grundsätzlich nicht zu vertraulichen Gesprächen.

Seehofer war am Dienstag nach fast zehn Jahren im Amt formal als Ministerpräsident zurückgetreten, ehe er am Mittwoch als Bundesinnenminister vereidigt wurde. Seehofer hatte Ende vergangenen Jahres nach langem Machtkampf mit Söder angekündigt, nicht mehr als Spitzenkandidat für die CSU bei der Landtagswahl 2018 anzutreten.

Söder wurde am Freitag vom bayerischen Landtag zum Ministerpräsidenten gewählt. Der gebürtige Franke und bisherige Finanzminister erhielt 99 Ja- und 64 Nein-Stimmen. Söder ist mit 51 Jahren der jüngste Regierungschef Bayerns der Nachkriegsgeschichte. Am kommenden Mittwoch will er bei einer weiteren Sondersitzung des Landtags sein Kabinett ernennen.

© SZ.de/jsa
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