Neuer Ärger für CSU-Landrat Professoren werfen Kreidl "bewusste Verstöße" vor

In seiner Doktorarbeit hat sich der Miesbacher Landrat Kreidl auf die Arbeit zweier Professoren gestützt - allerdings ohne sie zu nennen. Eine Entschuldigung für das Plagiat haben die Wissenschaftler jetzt ausgeschlagen, stattdessen erheben sie schwere Vorwürfe.

Von Martina Scherf

Jakob Kreidl (CSU), der Miesbacher Landrat und Präsident des Bayerischen Landkreistages, bekommt nun auch Ärger mit den beiden Professoren, von denen er seine Doktorarbeit zum Teil abgeschrieben hat: Sie nehmen seine offizielle Entschuldigung nicht an, obwohl er in zwischen freiwillig auf das Führen des Titels verzichtet.

Die Erklärung des CSU-Politikers, er habe wohl beim Abfassen der Arbeit "den Überblick verloren", sei eine Beschönigung der Tatsachen: "Zwischen ,den Überblick verlieren' und systematisch fremde Werke ausschlachten, ohne sie zu zitieren, liegen Welten", schreiben die Politikwissenschaftler Berthold Meyer und Peter Schlotter in einem offenen Brief an den Landrat.

Der freiwillige Verzicht auf einen Doktortitel ist nicht möglich, das musste schon Verteidigungsminister Karl-Theodor zu Guttenberg (CSU) lernen - nur die Universität kann den Titel aberkennen. Wer wie Kreidl außerdem eine eidesstattliche Erklärung unterschrieben hat, wonach er die Arbeit selbständig und unter Angabe aller Quellen verfasst habe, muss mit strafrechtlichen Konsequenzen rechnen.

"Hier und da leicht umformuliert"

In ihrem Brief erheben die hessischen Professoren nun den Vorwurf, beim Abschreiben in diesem Umfang handele es sich "um bewusste Verstöße gegen das Urheberrecht". Der Aufbau von Kreidls Doktorarbeit weise in weiten Teilen"eine große Ähnlichkeit zur Gliederung unserer Arbeit bis hin zur Übernahme von Teilen der Überschriften" auf. Daraus müsse man schließen, "dass hier systematisch vorgegangen wurde".

Original und Doktorarbeit - eine vergleichende Grafik.

(Foto: SZ-Grafik: Lisa Borgenheimer)

Ihr eigener Report über den Kosovo habe Kreidl zudem als Textgrundlage gedient, "die hier und da leicht umformuliert wurde, um das Abschreiben nicht erkennbar werden zu lassen. Dazu passt auch, dass Sie so tun, als hätten Sie unseren Report niemals zur Kenntnis genommen. Hätten Sie ihn als Fußnote oder im Literaturverzeichnis erwähnt, hätte nämlich das Risiko bestanden, dass Ihr Doktorvater auch Interesse an unserem Report bekommen und die vielen Ähnlichkeiten festgestellt hätte."

Keine Stellungnahme von der Uni

Da Kreidl erklärte, die Arbeit genüge angesichts ihrer "evidenten Schwächen" seinen eigenen Wertmaßstäben nicht mehr, fragen Meyer und Schlotter: "Welches waren Ihre Wertmaßstäbe 2005, als Sie die Arbeit abgegeben haben? Und haben sich die Wertmaßstäbe verändert, nachdem die Plagiatsvorwürfe öffentlich wurden?"

Die Universität der Bundeswehr in Neubiberg, bei der Kreidl seine Arbeit 2005 eingereicht hatte, nimmt auch vier Wochen nach Aufkommen der Plagiatsvorwürfe keine Stellung. Eine Untersuchungskommission unter Leitung der Jura-Professorin Kathrin Groh prüfe den Fall, einen "Zeithorizont" könne man nicht nennen. Da Uni-Präsidentin Merith Niehuss nicht Teil des Verfahrens sei, dürfe sie keine Stellung nehmen, so ihr Sprecher.