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Neue Vorwürfe im Fall Haderthauer:Veränderte Gefechtslage

Kabinettssitzung in Nürnberg

Seehofer nennt die neuen Vorwürfe gegen Haderthauer "keine schöne Nachricht".

(Foto: dpa)

"Mir war schlecht": Nach den neuen Vorwürfen gegen Ex-Staatskanzleichefin Haderthauer ist die Hilflosigkeit in der CSU mit Händen zu greifen. Die Partei rätselt, wie mit dem Skandalfall umzugehen ist. Die Geduld hat Grenzen.

Es ist ein Tag der Emotionen, die Frage ist nur, welche die stärkste ist: Entsetzen, Ratlosigkeit, Wut - und am anderen Ende sogar Mitleid. Christine Haderthauer ist wieder ein Stück tiefer Richtung Abgrund gerutscht. Und die CSU rätselt, wie sie mit ihrem derzeit wichtigsten Skandalfall umgehen soll.

Im Landtag, wo sich die Abgeordneten und Mitarbeiter am Donnerstag eigentlich durch einen Routine-Ausschusstag wuseln sollen, ist die Hilflosigkeit in der CSU mit Händen zu greifen. Ein wichtiger CSU-Mann, der stets zu Haderthauer gehalten hat , steht auf dem Gang und ist richtig fassungslos. Er kennt das Schreiben der Staatsanwaltschaft. "Ich habe das gelesen und mir war schlecht. Das liest sich wie eine Anklage."

Christine Haderthauer Ermittlungen gegen Haderthauer ausgeweitet
Verdacht der Steuerhinterziehung

Ermittlungen gegen Haderthauer ausgeweitet

Es geht um 55 000 Euro: Der früheren Staatskanzleichefin Haderthauer wird nicht mehr nur Betrug vorgeworfen. Die Staatsanwaltschaft geht dem Verdacht nach, dass die CSU-Politikerin auch Steuern hinterzogen haben könnte.   Von Mike Szymanski

Eine Kollegin kommt vorbei, sie muss gar nicht fragen, wovon die Rede ist. Die neuen Erkenntnisse der Staatsanwaltschaft München II, wonach die Ex-Ministerin bei den Geschäften mit Modellautos, die von psychisch kranken Straftätern gefertigt wurden, Steuern hinterzogen haben könnte, sind das Thema Nummer eins. Mehrere Einzahlungen auf das Privatkonto der Haderthauers deuten laut Justiz auf diesen Vorwurf hin. Insgesamt könnte sich der Betrag an nicht gezahlten Steuern auf etwa 55 000 Euro summieren. Ein Teil der Erlöse aus dem Autoverkauf soll sogar über das Konto von Christine Haderthauers Mutter geflossen sein.

Seehofer sagt: "Das ist keine schöne Nachricht"

Der massive Vorwurf verändert die Gefechtslage deutlich, sogar bei Ministerpräsident Horst Seehofer. Der hatte im Sommer wochenlang gezögert, bis seine Staatskanzleichefin gehen musste. Am Donnerstag ist Seehofer in Prag. Er wird nach Haderthauer gefragt und sagt: "Das ist keine schöne Nachricht. Offensichtlich gestaltet sich die Angelegenheit schwieriger als bisher bekannt." Mit solchen Formulierungen hat Seehofer schon Rücktritte eingeleitet. Aber so weit, dass Haderthauer nun auch ihr Landtagsmandat aufgeben müsste, ist es noch nicht. "Klarheit kann nur Christine Haderthauer schaffen", sagt Seehofer. "Ich muss vor einer endgültigen Bewertung die staatsanwaltschaftlichen Ermittlungen abwarten."

Klarheit schaffen, abwarten: Auch in der Fraktion in München stellt man sich darauf ein, noch länger mit ungeklärten Vorwürfen leben zu müssen, womöglich so lange, bis die Staatsanwaltschaft entweder Anklage erhebt, oder zu Haderthauers Entlastung darauf verzichtet. Aber die Geduld hat Grenzen. Es könne die Situation eintreten, in der man ihr freundschaftlich rät, auch an sich und das Wohlergehen ihrer politischen Familie zu denken, heißt es. In der Fraktion fühlen sich inzwischen auch die verschaukelt, die der Ex-Ministerin lange den Rücken gestärkt hatten. Zu oft gab es neue Vorwürfe, zu selten gab es echte Erklärungen, zu häufig dagegen exaltierte Gegenattacken von Haderthauer.