Neue Räume:Tafel neben Spielothek - geht das?

Glücksspiel im Norden

Tafel neben der Spielothek: Macht die Gelegenheit in Landshut Spielsucht?

(Foto: dpa)
  • Die Landshuter Tafel hat neue Räume gesucht - und ist im Luitpold-Center, einem früheren Supermarkt in Bahnhofsnähe, fündig geworden.
  • Doch neben der Tafel soll eine Spielhalle eröffnen.
  • Der Stadtrat hat den Umzug gebilligt, doch es gibt Bedenken von verschiedenen Seiten.

Von Johann Osel, Landshut

Man mag sich das gar nicht vorstellen: Da gehen bedürftige Bürger zur Tafel, um Lebensmittel zu erhalten, vielleicht gibt es Orangen und Pflaumen. Und dann gehen sie zur Tür nebenan hinein in die Automatenhalle - das echte Obst noch im Gepäck und Bilder von Orangen und Pflaumen vor sich auf dem Gerät. Wie sie unter lautem Surren und Kling-Pling durchrattern und Gewinne verheißen, falls sie passend in einer Reihe auftauchen. Woher diese kuriose Vorstellung kommt? Die Tafel in Landshut soll umziehen - und zwar in ein Gebäude mit Spielothek. Der Stadtrat hat dem Vorhaben jüngst zugestimmt. Doch Bedenken bleiben in dieser heiklen Debatte.

Das Haus, das bisher die gemeinnützige Tafel beherbergt, leidet unter Platzmangel, die Verteilung über mehrere Geschosse ist ungünstig. Die ehrenamtlichen Mitarbeiter müssen die Waren zudem über Treppen schleppen. Oberbürgermeister Alexander Putz (FDP) sagte: Er sei, als er zum Jahresbeginn sein Amt angetreten habe, quasi von seinem Vorgänger in die Pflicht genommen worden, hier etwas zu tun.

Der neue Standort im Luitpold-Center, ein früherer Supermarkt in Bahnhofsnähe, wurde schließlich gefunden - darin plant allerdings der Eigentümer auch eine Spielhalle. Vor allem nach Ansicht der Landshuter Grünen-Fraktion hat das einen unangenehmen Beigeschmack: Bürger, die am Rande des Existenzminimums lebten, könnte noch der Weg in eine Spielsucht geebnet werden; man habe sich schon bei den Hilfsnetzwerken über steigende Fallzahlen von Spielsucht in der Stadt Landshut informiert, hieß es.

Nun ist es zunächst wohl etwas abenteuerlich, Bedürftigen pauschal eine erhöhte Suchtanfälligkeit zuzuschreiben; ganz unbegründet ist die Sorge aber womöglich auch nicht. Ein delikates Feld. Generell dürfte hier gelten: Gelegenheit macht Spieler. Nur 13 Landshuter Stadträte stimmten im Plenum gegen den Umzug der Tafel, letztlich die Minderheit.

Doch noch ein Aspekt empört die Grünen. Sie vermuten hinter der Entscheidung Tafel-Umzug plus Spielhallen-Genehmigung ein unzulässiges "Koppelungsgeschäft". Laut Definition sind das Angebote, bei denen Waren oder Leistungen miteinander verbunden sind und nur komplett zum Erwerb stehen. So hätten Stadtpolitiker, auch der Oberbürgermeister, die Spielothek schon als "Kröte" bezeichnet, die man zum Wohle der Tafel schlucken müsse.

Die Stadt könnte eine höhere Miete zahlen

Das kann schon stimmen: Ohne die Casino-Halle wäre eine eher preisgünstige Miete für die Tafel kaum möglich gewesen. Auch hört man ja allgemein aus Kommunen öfter von Problemen, Ladenlokale für örtliche Tafeln zu finden, manche Vermieter haben demnach mitunter Scheu vor der Klientel in sozialen Schwierigkeiten.

Aus Sicht der Stadt ist "zunächst grundsätzlich eine Spielhallennutzung an allen Stellen des Stadtgebiets kritisch zu betrachten". Der Leitende Rechtsdirektor widersprach im Stadtrat aber der These, dass es sich um eine Koppelung handele. Die Genehmigung, so hört man aus der Verwaltung, hätte die Spielhalle auch unabhängig davon erreichen können, da der Bebauungsplan gut 40 Jahre alt sei und in der Nähe bereits vergleichbare Etablissements stehen.

Sonderlich glücklich über die Begleitumstände sind freilich längst nicht alle Räte, die der Sache zugestimmt haben. Der Umzug ist jedenfalls beschlossen. Beendet ist die Debatte nicht. Die Grünen haben laut Medienberichten die Causa nun zur Prüfung an die Regierung von Niederbayern gegeben. Und dazu noch eine neue Idee vorgebracht: Würde sich die Stadt aus eigener Kasse an einer höheren Miete für die Tafel beteiligen, könnte der Eigentümer vielleicht auf die Spielothek verzichten. Gleichwohl ist bekannt, welches Thema Landshut zuletzt immer wieder arg beschäftigt hat: Haushalt und Schuldenberg.

© SZ vom 27.03.2017/vewo
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