Neue Köpfe in Bayerns Kabinett (2) Fleißiger Leisetreter

Wer glaubt, in der CSU würde Karriere machen, wer mächtig auf den Tisch hauen kann, der irrt. Auch Fleiß wird belohnt - wie man an Markus Sackmann, dem neuen Staatssekretär im Wirtschaftsministerium sehen kann.

Von Birgit Kruse

Ein bisschen muss sich Markus Sackmann an seine Rolle noch gewöhnen. Seit etwas mehr als zwei Wochen ist er Staatssekretär im Wirtschaftsministerium. Laptops sind von nun an sein Aufgabengebiet, nicht die Lederhosen.

Markus Sackmann: "Es ist noch schwer zu verdauen, was in den letzten Wochen auf mich eingeprasselt ist"

(Foto: Foto: privat)

An diesem Abend in der Residenz sind zahlreiche Hightech-Vertreter des Freistaats vertreten. Sie wollen ihn begrüßen, sich vorstellen, ihn einladen. Viele fremde Namen, viele freundliche Gesichter.

Sackmann schlägt sich wacker. Hört jedem aufmerksam zu, vereinbart Besuchstermine. Jetzt fehlt nur noch die Routine, um wirklich locker zu wirken. "Es ist noch schwer zu verdauen, was in den letzten Wochen auf mich eingeprasselt ist", gesteht er. Neuer Arbeitsplatz, neue Kollegen, neue Privilegien.

Öfter schon war der 45-Jährige für einen Kabinettsposten im Gespräch. 1991 wurde Sackmann zum JU-Landesvorsitzenden gewählt. Ein Amt, das in der CSU als Garantieschein für einen späteren Kabinettsposten gilt. Doch bis es mit dem Sprung ins Kabinett geklappt hat, musste er sich gedulden.

Ein Grund für dafür liegt sicherlich in seinem Naturell. Sackmann zählt nicht zu den CSUlern, die mit gesetztem Blinker auf der Überholspur unterwegs sind. Auch gehört er nicht zu der Gattung politischer Marktschreier vom Zuschnitt eines Markus Söder, der den Menschen mehr durch seine schrillen Zitate im Gedächtnis bleibt, als durch seine Argumente.

Markus Sackmann gehört zu der Art von Politikern, die sich durch Fleiß und Sachpolitik auf der politischen Karriereleiter hochgearbeitet haben. Ein Weg, der nicht einfach ist in einer Partei, in der es weder an Selbstdarstellern noch an politischen Schwergewichten fehlt. Das eine oder andere Mal hat sich Sackmann von seinen Kollegen hänseln lassen müssen, dass er zwar Jurist, aber einer ohne zweites Staatsexamen ist.

Doch Sackmann nimmts sportlich. Denn er weiß: Die Fraktion schätzt ihn. Im Landtag war er Schatzmeister und stellvertretender Fraktionschef, in der Partei ist er jüngst auf dem CSU-Parteitag als Vorstandsmitglied bestätigt worden.

Ein Kollege, der mit ihm viele Jahre im Haushaltsausschuss gesessen hat, beschreibt ihn als jemanden, der "voll in der Sache aufgeht", der sich "voll reinkniet".

Und selbst die Grünen, die für ihre spitzen Bemerkungen gegenüber der Mehrheitsfraktion berüchtigt sind, finden lobende Worte für den Oberpfälzer. Er sei "ein positives Beispiel für einen CSU-Abgeordneten", resümiert etwa Thomas Mütze, der ebenfalls mit Sackmann im Haushaltsausschuss saß. Der Oberpfälzer sei weder verbohrt noch laufe er mit Scheuklappen durch die Gegend - beides Eigenschaften, die man bei Christsozialen eher selten antreffe.

Voll reingekniet hat sich Sackmann in der letzten Zeit vor allem in ein Projekt: die Entwicklung des ländlichen Raums. Dieses Engagement ist mit dem Posten des Wirtschaftsstaatssekretärs, dem Amt, das sein Vater zwischen 1966 und 1978 bekleidete, belohnt worden. Jetzt sitzt der Sohn in der Prinzregentenstraße - an dem schweren Holzschreibtisch seines Vater. Ein "absolut verrücktes Gefühl".

Die Aufgaben der beiden Sackmanns ähneln sich. Während sein Vater Grenzlandbeauftragter war, kümmert sich Sohn Markus um DSL-Anschlüsse auf dem Land und Arbeitsplätze in strukturschwachen Regionen - und das ausgerechnet unter Wirtschaftsministerin Emilia Müller.

Auch wenn Sackmann ihr kollegiales Verhalten lobt, von einer "glänzenden Zusammenarbeit" spricht und sie die Bedeutung des ländlichen Raums betont: Eine enge Freundschaft oder Verbundenheit sagt man den beiden Oberpfälzern nicht gerade nach.

Jeder Posten hat seinen Preis

Kein Wunder. Galten sie doch als Konkurrenten um den Posten des oberpfälzer CSU-Bezirkschefs - eine Rivalität, die es nun nicht mehr geben wird. Und wer das Rennen um den Bezirkschef machen wird, hat Müller in einem Interview auch schon deutlich gemacht. "Ich bin die Ministerin", hat sie gesagt. "Herr Sackmann ist der Staatssekretär. Das pflegen wir auch so. Jeder weiß, wo seine Position ist." Das ist eben der Preis, den Sackmann für den Sprung ins Kabinett bezahlt.

Es wird wohl auch noch ein paar Wochen dauern, bis ihm das Kabinett so vertraut sein wird wie der Fraktionsalltag. Da ist es vielleicht eine willkommene Abwechslung, dass er beinahe täglich Besuch von seinem Amtsvorgänger Hans Spitzner bekommt.

14 Jahre saß dieser auf dem Stuhl des Wirtschaftsstaatssekretärs, kennt alle Kniffe und Stolperfallen und steht Sackmann derzeit noch mit "guten Tipps" zu Seite. Doch ein "oberpfälzer Schlitzohr", wie Spitzner einst vom IG-Metall-Chef Werner Neugebauer bezeichnet worden ist, will Sackmann nicht werden. Eher ein "ehrlicher Makler".

Vor allem Sackmanns Engagement für den ländlichen Raum habe ihm gefallen. "Das ist nicht nur gespielt", sagt der Grünen-Abgeordnete Mütze. Ob sich Sackmann mit seinen Positionen im Kabinett allerdings durchsetzen kann, wird sich zeigen.

Die erste Bewährungsprobe wird Sackmann an diesem Wochenende ablegen müssen. Da trifft sich das Kabinett zur Klausur in St. Quirin am Tegernsee. Und da wird sich zeigen - sowohl bei den Beratungen zum Nachtragshaushalt wie auch bei den Inhalten zu Becksteins erster Regierungserklärung - welchen Stellenwert der ländliche Raum in der Post-Stoiber-Ära einnehmen wird.

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