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Neualbenreuth:Explosive Oberpfalz

Nachbarschaft: Der Rauhe Kulm in der Oberpfalz, 682 Meter hoch, ist ein Vulkan, der nicht ausgebrochen ist.

(Foto: Nadeschda Scharfenberg)

Letzter Vulkanausbruch ereignete sich erst vor 200 000 Jahren

Dutzende Vulkane versetzen die Weltbevölkerung regelmäßig in Angst und Schrecken. Sie tragen schauderhafte Namen wie etwa Eyjafjallajökull und spucken jedes Jahr gewaltige Mengen an Feuer, Rauch und Asche aus ihrem Schlund. Dass Deutschland eine vulkanfreie Zone ist, stimmt freilich nicht. Zwar sind die hiesigen Vulkane nicht mehr aktiv, aber es gibt viele Berge, Hügel, Seen und Steinbrüche, die von feurigen Vergangenheit zeugen: Vor allem in der Oberpfalz schlummern etliche Vulkane, wie soeben eine geologische Sensationsnachricht eindrucksvoll bestätigt hat. Demnach hat sich der bislang letzte Vulkanausbruch in Bayern "erst" vor gut 200 000 Jahren zugetragen und nicht, wie vermutet, vor zehn oder gar 20 Millionen Jahren.

Sieben Wochen lang hatten Geowissenschaftler des Landesamtes für Umwelt (LfU) in der Oberpfalz geforscht, angeregt durch die Existenz eines ungewöhnlich jungen Vulkans im nahen Tschechien. Und tatsächlich entdeckten die Experten bei Bohrungen in einem Waldgebiet bei Neualbenreuth (Landkreis Tirschenreuth) vulkanische Überreste. "Das ist eine geologische Sensation. Die letzte massive Vulkanaktivität in Bayern liegt nur einen erdgeschichtlichen Wimpernschlag zurück", sagte Umweltministerin Ulrike Scharf (CSU) am Mittwoch bei ihrem Vulkanbesuch in Neualbenreuth. "Wir werden die Erdgeschichte in der Oberpfalz neu schreiben müssen", ergänzte der Leiter des Geologischen Dienstes am Landesamt für Umwelt, Roland Eichhorn.

Die bei der Grabung entdeckten Relikte vulkanischen Glases weisen eindeutig auf eine Eruption hin. Mithilfe der bei der Grabung zu Tage geförderten Pollenreste konnte auch die lokale Klimageschichte seit der Steinzeit rekonstruiert werden. Demnach war die heutige Oberpfalz zum Zeitpunkt der Eruption vor 200 000 Jahren eine baumlose Kaltsteppe. In den folgenden 80 000 Jahren hatte sich die Gegend aufgrund einer Warmzeit in einen dichten Laub-Mischwald verwandelt. Danach folgte wieder eine Eiszeit, in deren Verlauf der Neandertaler vom heutigen Menschen verdrängt wurde - auch der Wald verschwand wieder. Die jetzige Landschaft mit Nadelwald und Moor entstand erst in den vergangenen 10 000 Jahren.

Die Existenz erloschener Vulkane in der Oberpfalz und im Fichtelgebirge ist seit Langem bekannt. Sie sind beliebte Ausflugsziele und sie zeigen sich in ganz unterschiedlichen Formen. Der Teichelberg bei Mitterteich ist eine eher flache Erhebung, wesentlich wuchtiger präsentiert sich der Parkstein bei Weiden, dessen Basaltsäulen schon Alexander von Humboldt bewundert haben soll. Weithin zu sehen sind auch der Rauhe Kulm und der Kleine Kulm sowie der Eisenbühl bei Neualbenreuth. Aktive Feuerspucker sind diese Vulkanberge zwar nicht mehr, dass sie für ewig ruhen, glauben die Forscher aber auch nicht. Vieles deutet auf eine im Untergrund brodelnde Magmakammer hin.

Das letzte Rumoren eines Vulkans in Deutschland hat sich vor gut 11 000 Jahren in der Eifel ereignet. Vor allem in den alten Vulkankratern der Eifel steigen noch heute Gasblasen auf. Zusammen mit den dort auftretenden Erdbeben und dem austretenden Kohlendioxid ist dies ein Hinweis, dass sich darunter eine Magmakammer befindet und Magma in die Oberkruste aufsteigt. Besonders die Vulkane in der Eifel und in der Oberpfalz sind nach Ansicht der Forscher wohl nicht erloschen. Dass sie in Bälde ausbrechen, ist aber unwahrscheinlich. Ruhezeiten von mehreren zehntausend Jahren sind in der Zeitrechnung der Vulkane durchaus üblich. Immerhin bestätigt ein Gutachten der Bundesanstalt für Geowissenschaften und Rohstoffe (BGR) aus dem Jahr 2002 für die Eifel und die Oberpfalz eine vulkanische Gefährdung.

Die Reste des jetzt entdeckten Feuerbergs bei Neualbenreuth sollen mit Hilfe eines neu konzipierten Vulkan-Radwanderwegs für Besucher und Touristen erschlossen werden. "So wird die explosive Vergangenheit der Oberpfalz lebendig", betonte Ministerin Scharf.

© SZ vom 05.06.2015
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