Neonazi-Aussteiger Manuel Bauer:"Sie geben hübschen, blonden Mädchen 200 Euro und schicken sie in Cafés, um pubertierende Jugendliche anzulocken"

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Den Augsburger Gymnasiasten erzählt er, wie die Rechtsradikalen Nachwuchs anwerben. "Sie geben hübschen, blonden Mädchen 200 Euro und schicken sie in Cafés, um pubertierende Jugendliche anzulocken." So ein Mädchen gehe dann gezielt auf Buben zu, die unsicher wirkten, und verabrede sich mit ihnen. Die Verabredung ende dann oft bei einer sogenannten "Freizeitwoche".

Dort veranstalteten die Neonazis mit dem Nachwuchs Kampfspiele und bearbeiteten sie mit rechtsradikalen Parolen - den Rest mache die einschlägige Rechts-Rock-Musik. "Das ist so schäbig, bitte fallt darauf nicht herein."

In Mittelfranken hatte diese Taktik offenbar Erfolg, wie die jüngsten Übergriffe nahelegen, und Bauer bestätigt: "In Nürnberg gibt es eine gut durchstrukturierte, kampfbereite Szene mit 20, 30 Leuten." Sie habe gute Kontakte nach Thüringen. Bayern sei mit seinen ländlichen Räumen und der konservativen Bevölkerung im Fokus der Neonazis: "Die bayerische Szene ist im Kommen."

Bauer selbst lebt mit seiner Frau an einem geheimen Ort. Weil er in der Szene als Verräter gilt, bekommt er regelmäßig Drohungen. "Ich habe Angst", sagt er offen, "aber ich kann inzwischen besser damit umgehen."

Zum Aussteiger-Programm von "Exit Deutschland" gehören Personenschutz und Hilfe beim Aufbau einer neuen Existenz. Bauer hat eine Lehre absolviert und war zuletzt als Leiharbeiter tätig. "Seit Zwickau", sagt er, habe er unbezahlten Urlaub. Er eilt von einem Interview zum nächsten.

Bei vielen seiner Aussagen fragt man sich mitunter: Stimmt das alles? Oder ist Bauer womöglich ein Wichtigtuer, der mit mehr oder weniger zugespitzten Aussagen seine Laufbahn als Talkshow-Gast befördern will? Nach all dem, was in Thüringen derzeit Stück für Stück öffentlich wird, muss man davon ausgehen, dass er nicht übertreibt.

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