Neonazi-Aussteiger Manuel Bauer Viele Kameradschaften sind "nur Ablenkungsmanöver"

Denn nach Bauers Angaben gibt es viel mehr rechtsradikale Untergrund-Gruppen als bisher vermutet wird: "Wenn im Verfassungsschutzbericht von 100 Kameradschaften die Rede ist, dann gibt es mindestens 50 zusätzliche militante Untergrund-Organisationen", sagt er.

Viele bekannte Kameradschaften sind "nur Ablenkungsmanöver", wie er sagt. "Es gibt viele Schein-Konzerte, Schein-Kameradschaften und Schein-Aktionen", berichtet Bauer. "Wenn der Staat durch eine gezielte Falschinformation auf eine Gruppierung oder eine Veranstaltung aufmerksam gemacht wird, die es gar nicht gibt, dann kann man in aller Ruhe eine andere Aktion durchführen."

Außerdem seien bei Nazi-Treffen immer wieder Polizisten hilfreich, die der Szene "versteckte Hinweise" gäben. So wüssten die Skinheads vor Aufmärschen oft von Beamten, "wo die Kollegen verstärkt Streife fahren". Bauer berichtet von einem Polizisten, der sich aus Thüringen in die Oberpfalz zurückversetzen ließ. Seine Begründung lautete: "Dort war die Polizei ein einziger brauner Sumpf."

Auch die zahlreichen V-Männer in der Szene seien für die Neonazis eher hilfreich als gefährlich: "Die V-Leute kassieren das Geld vom Staat, geben es weiter - und melden dem Staat im Gegenzug bewusst falsche Informationen."

Wie viele der V-Männer so handeln? "Fifty-fifty", schätzt Bauer. Er persönlich glaubt, dass die V-Mann-Praxis für den Staatsschutz wichtig sei und beibehalten werden müsse: "Direkte Informationen sind wichtig." Aber er fordert vom Staat, "dass er viel kritischer hinschaut".

Manuel Bauer wuchs im sächsischen Torgau auf. Als Kind erlebte er die DDR, als er zehn Jahre alt war, kam die Wende - und nach der ersten Begeisterung die große Ernüchterung: Betriebe wurden geschlossen, die Eltern verloren ihren Job, die Kinder den Halt. "Mit zehn wurde ich rechts", sagt Manuel Bauer.

Mit 19 gründete er den "Bund arischer Kämpfer". Die Bande hatte 15 Mitglieder. Sie bekam Geld von V-Leuten - und von den Geheimdiensten aus Syrien, Marokko und Tunesien. Selbsternannte Nationalisten arbeiten mit Ausländern zusammen? "Die Nazis drehen sich alles so hin, wie es ihnen passt", sagt Bauer. "Die Agenten haben uns das Geld offiziell für den anti-israelischen und anti-amerikanischen Kampf gegeben", so Bauer, "ich habe es zur Rekrutierung benutzt."