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Naturschutz:Stehen lassen

Herbstlich gefärbter Steigerwald

Der Steigerwald bei Dankenfeld: In der Region gibt es seit Jahren einen heftigen Konflikt darüber, ob und wie die ausgedehnten Waldgebiete unter Schutz gestellt werden sollen.

(Foto: Nicolas Armer/dpa)

Debatte um Schutzgebiet: Der Bamberger Altlandrat Günther Denzler verlangt, dass im Steigerwald keine alten Buchen mehr geschlagen werden sollen

Der Bamberger Altlandrat Günther Denzler (CSU) ist ein entschiedener Kämpfer für einen Buchen-Nationalpark im fränkischen Steigerwald. Jetzt fordert Denzler, der sich mit seinem Engagement wenig Freunde in seiner Partei gemacht hat, das Fällen alter Buchen in dem früheren Ebracher Klosterwald zu stoppen. Und zwar zumindest so lange, bis Ministerpräsident Markus Söder und Forstministerin Michaela Kaniber (beide CSU) entschieden haben, wo im Steigerwald das Naturwaldreservat ausgewiesen wird, das sie angekündigt haben. Für Denzler und den "Verein Nationalpark Steigerwald" ist klar, wo dieses Reservat eingerichtet werden sollte: in eben jenem Ebracher Klosterwald, der zu den urtümlichsten Buchenwäldern Deutschlands zählt.

Der Streit um einen Nationalpark im Steigerwald geht seit zwölf Jahren. Vor allem Bauern, Waldbesitzer und Forstleute lehnen ein neues Schutzgebiet kategorisch ab. Die Gegner werden von dem Chef der CSU in Unterfranken und Innenstaatssekretär Gerhard Eck angeführt. Sie machen so viel Druck, dass die Staatsregierung einen Nationalpark im Steigerwald ausschließt. Selbst ein Waldschutzgebiet duldete sie bisher nicht. Als Denzler kurz vor dem Ende seiner Zeit als Bamberger Landrat den Ebracher Klosterwald unter Schutz stellte, änderte sie sogar das Naturschutzgesetz, um es annullieren zu können. Nach dem erfolgreichen "Volksbegehren Artenvielfalt - Rettet die Bienen" entdeckte Söder den Naturschutz neu und versprach die Einrichtung eines weitläufigen Naturwalds in der Region. Dort soll keine Forstwirtschaft mehr stattfinden, die Natur darf vielmehr einfach Natur sein.

Forstministerin Kaniber hat die Ausweisung des Naturwalds bereits für den Spätsommer angekündigt. Doch die Sache zieht sich. Der Hauptgrund dürfte sein, das die Nationalpark-Gegner unter ihrem Anführer Eck hinter den Kulissen Sturm laufen. Denzler und seine Verbündeten vom "Verein Nationalpark Steigerwald" drängen nun auf eine Entscheidung. Sie haben Söder und Kaniber schon vor Wochen einen Vorschlag für den neuen Naturwald unterbreitet. Danach sollte er außer dem Ebracher Klosterwald den unmittelbar an diesen anschließenden Stollbacher Forst umfassen. "Die Expertenwelt ist sich einig: Der Ebracher Klosterwald und der Stollberger Forst sind ein unschätzbar wertvolles Naturerbe", sagt Altlandrat Denzler. "Wenn Söder es ernst meint mit mehr Naturschutz in den bayerischen Wäldern, dann muss er jetzt den Knoten durchschlagen und beide unter Schutz stellen."