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Naturschutz:Schonzeit für die Laubwälder

Kloster Weltenburg

Die Weltenburger Enge ist Bayerns erstes Nationales Naturmonument.

(Foto: Klosterbrauerei Weltenburg/dpa)

Die Staatsforsten fällen keine Bäume mehr an der Weltenburger Enge

Es ist ein großer Sieg für Peter-Michael Schmalz. Seit Jahrzehnten kämpft der Naturschützer und ÖDP-Kommunalpolitiker im Landkreis Kelheim für den Erhalt der alten Laub-Mischwälder rund um die Weltenburger Enge. Jetzt hat es Schmalz gleichsam amtlich. Die Bayerischen Staatsforsten (BaySF) tasten die Wälder nicht mehr an, bis die überfällige neue Naturschutzverordnung für die Weltenburger Enge erlassen ist. Das hat das Unternehmen kürzlich der Regierung von Niederbayern versichert. Nur mit dieser Versicherung dürften die BaySF einer entsprechenden Anordnung zuvorgekommen sein. "Das ist ein Sieg auf ganzer Linie", sagt Schmalz, 57, denn auch. Der Vorsitzende des Kelheimer Landesbunds für Vogelschutz (LBV) hat seit Wochen massiv gegen die rabiaten Fällaktionen der BaySF in der Region Front gemacht.

Die Weltenburger Enge, wo die Staatsregierung kürzlich Bayerns erstes Nationales Naturmonument ausgewiesen hat, ist ein besonderes Naturjuwel. Und zwar nicht nur wegen der imposanten Felskulisse des Donaudurchbruchs zwischen Kloster Weltenburg und Kelheim. Sondern eben wegen der urtümlichen Buchen-Mischwälder dort, in denen allerlei seltene Specht- und Fledermausarten leben. Außerdem gedeihen dort viele seltene Pflanzen- und Baumarten, wie die Eibe. Die Region ist auch reich an Steinzeithöhlen, Befestigungsanlagen aus der Bronzezeit, vorgeschichtlichen Grabhügeln und anderen historischen Schätzen. Deshalb hat der Europarat die Weltenburger Enge auch sein Europadiplom verliehen. Naturschützer kritisierten freilich schon länger, dass die Verordnungen für die beiden Naturschutzgebiete "Weltenburger Enge" und "Hirschberg und Altmühlleiten" veraltet sind und längst nicht mehr moderne Naturschutz-Standards erfüllen. Auch der Europarat fordert die Anpassung der Verordnungen und ihre Zusammenführung zu einer.

Die beiden veralteten Verordnungen dürften nach Einschätzung von Fachleuten wie dem LBV-Chef Norbert Schäffer denn auch der Grund sein, warum die Fällaktionen der BaySF ohne rechtliche Folgen bleiben. Das hat jetzt die Bezirksregierung offenkundig ebenfalls erkennen müssen. Nach einem Ortstermin stellte die Behörde lapidar fest, dass sie "keinen "Verstoß gegen geltende Naturschutzverordnungen" darstellten. Der Europarat indes ist alarmiert. Dem Vernehmen nach schickt er einen Experten zu einer Sondervisitation der Weltenburger Enge. Ein Grund sind demnach die rabiaten Fällaktionen in den Schutzgebieten.

© SZ vom 01.04.2020

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