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Naturschutz:Rhön oder Spessart oder irgendwo

Beech Forests in the Spessart Mountains  Buchenwaelder im Spessart

Der Spessart zählt zu den wertvollsten Naturräumen.

(Foto: Michael Kunkel/Greenpeace)

Umweltministerin Ulrike Scharf macht sich auf die Suche nach einem Nationalpark

Von Christian Sebald

Das Gespräch mit Umweltministerin Ulrike Scharf (CSU) hat Thomas Habermann in überaus guter Erinnerung. "Es herrschte eine sehr angenehme Atmosphäre", sagt der CSU-Landrat des Kreises Rhön-Grabfeld. "Frau Scharf hat sich viel Zeit genommen und aufmerksam zugehört." Auch im Umweltministerium sprechen sie von einem "positiven Termin, dem weitere folgen werden". Scharfs Treffen mit Habermann und dem Bad Kissinger Landrat Thomas Bold (CSU) könnte in die bayerische Naturschutz-Geschichte eingehen. Die unterfränkischen Lokalpolitiker waren nach München gereist, um zu sondieren, ob in der Rhön Bayerns dritter Nationalpark eingerichtet werden könnte.

Als Ministerpräsident Horst Seehofer im Juli zu aller Überraschung ankündigte, dass es nach den Nationalparks Bayerischer Wald und Berchtesgaden einen weiteren Nationalpark im Freistaat geben soll, versprach Scharf, von Herbst an Sondierungsgespräche mit den Regionen zu führen, die für so ein Schutzgebiet in Frage kommen. Zugleich kündigte sie Offenheit und Transparenz an, keinesfalls werde man den dritten Nationalpark der örtlichen Bevölkerung gegen deren Willen überstülpen. Die CSU ist in Sachen Großschutzgebiete ein gebranntes Kind. Im Steigerwald mit seinen uralten Buchenwäldern - wo sich Umweltverbände, ein lokaler Naturschutzverein und etliche Kommunalpolitiker ebenfalls einen Nationalpark wünschen - haben sich Gegner und Befürworter so zerstritten, dass die Region komplett gelähmt ist. Das, so hat sich Scharf geschworen, darf sich auf keinen Fall wiederholen, der neue Anlauf für Bayerns dritten Nationalpark soll zum Erfolg führen.

Inzwischen laufen die Sondierungsgespräche, am Mittwoch fand im Landtag ein "Informationsfrühstück" für Abgeordnete statt. Auch hier, so sagen Teilnehmer, war die Atmosphäre "angenehm sachlich". Das ist insofern erstaunlich, als die allermeisten CSU-Abgeordneten mit dem Naturschutz und besonders mit Nationalparks wenig anfangen können - wenn sie nicht gleich strikt gegen solche Großschutzgebiete sind, in denen die Natur freien Lauf hat. Die Ablehnung ist aber offenbar einer abwarteten Haltung gewichen. "Uns ist wichtig, dass Scharf die versprochene Offenheit einhält", sagt der CSU-Umweltpolitiker Otto Hünnerkopf, "es darf nichts gegen die Leute in den Regionen passieren".

Denn natürlich ist nicht nur die Rhön mit ihrem weitläufigen Biosphärenreservat für den dritten Nationalpark im Gespräch. Der Spessart, dessen Buchenwälder von ihrer Urtümlichkeit her zu den wertvollsten Mitteleuropas zählen, ist ebenfalls ein Anwärter. Auch das Ammergebirge ist im Rennen. An der Donau gibt es ebenfalls naturbelassene Gebiete - die Auwälder bei Neuburg/Donau etwa oder die Eichen- und Buchenwälder beim Donaudurchbruch nahe Kelheim.

Aus Experten-Sicht ist der Spessart allererster Nationalpark-Kandidat. Anders als in der Rhön haben sich dort aber schon Gegner zu Wort gemeldet, so der Vorsitzende des Haushaltsausschusses im Landtag und Chef des Vereins "Wir im Spessart", Peter Winter (CSU). Scharf indes will die Region nicht außen vor lassen, zumal sich auch dort Lokalpolitiker anhören wollen, was sie zu bieten hat. Demnächst sind die Spessart-Landräte Thomas Schiebel (Main-Spessart), Jens Marco Scherf (Miltenberg) und Ulrich Reuter (Aschaffenburg) bei Scharf zu Gast.

© SZ vom 10.11.2016
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