Naturschutz:Rekorde bei der Hufeisennase

Naturschutz: Die Große Hufeisennase wird etwa sieben Zentimeter groß, die Flügelspannweite beträgt 40 Zentimeter.

Die Große Hufeisennase wird etwa sieben Zentimeter groß, die Flügelspannweite beträgt 40 Zentimeter.

(Foto: Rudi Leitl/LBV)

Anzahl der Fledermäuse in der Oberpfälzer Kolonie steigt stetig

Die Große Hufeisennase ist in Deutschland so gut wie ausgestorben. Nur im oberpfälzischen Hohenburg gibt es noch eine Kolonie samt Wochenstube von Europas größter Fledermausart. Und der geht es prima. Dieses Jahr haben die Experten dort 136 Jungtiere gezählt, die Zahl der ausgewachsenen Weibchen hat sogar 341 betragen. "Beides sind Rekorde", sagt Alexander Gnatz vom Landesbund für Vogelschutz (LBV), der die Kolonie samt dem dazu gehörigen Fledermaushaus betreut. "Die Anzahl der Geburten ist inzwischen im sechsten Jahr in Folge angewachsen."

Für diesen Erfolg tun Gnatz und die Fachbehörden aber auch sehr viel. Sie haben die Wiesen und Weiden bei Hohenburg renaturiert, wo die Hufeisennasen gerne auf Insektenjagd gehen, und lassen sie ohne Pestizideinsatz bewirtschaften. Auf dem nahen Truppenübungsplatz Hohenfels haben sie eine Kirchenruine als Fledermausquartier hergerichtet. Damit sich die bis zu sieben Zentimeter großen Säugetiere, die bis zu 40 Zentimeter Flügelspannweite erreichen, in der Region leichter ausbreiten, haben sie Fledermaustürme aufgestellt. Und in Hohenburg haben sie eine alten Bauernhof zum Fledermaushaus umfunktioniert. Im Dachstuhl des Gemäuers befindet sich die Kinderstube der Kolonie, unten im Erdgeschoss ist ein Infozentrum.

Der diesjährige Geburtsrekord kam eher unerwartet. Zwar waren der Februar und der März ungewöhnlich warm, sodass die "Hufis", wie Gnatz die Tiere nennt, früh aus ihren Winterquartieren in das Koloniegebäude zurückkehrten. Dann kam der kalte April. In ihm fanden die Fledermäuse kaum Insekten. "Deshalb verbrachten sie diese Zeit im Kälteschlaf im Fledermaushaus", sagt Gnatz. "So sparten sie Energie." Der viele Regen im Mai und im Juni war auch ungünstig. Deshalb ließen die Geburten auf sich warten. Das erste Jungtier kam am 22. Juni zur Welt. Im wärmeren und trockenen Vorjahr dagegen war es bereits am 8. Juni so weit. Umso glücklicher ist Gnatz, dass er am Ende insgesamt 136 Jungtiere zählte. Vor zwei Jahren waren es mit 66 nicht einmal halb so viele, vor zehn Jahren sogar nur 31.

Das Aussterben der Großen Hufeisennase ist exemplarisch für den dramatischen Artenschwund. Bis in die Siebzigerjahre traf man hierzulande recht häufig auf die Tiere mit dem graubraunen, leicht rötlichen Fell. Ihren Namen haben sie von dem ausgeprägten Sattel über der Nase, der von der Form her an Hufeisen erinnert. Wie alle Fledermäuse fressen Große Hufeisennasen Insekten. Deren Vielfalt und Anzahl ist mit der Industrialisierung der Landwirtschaft massiv gesunken. Das hat zum Aussterben der Großen Hufeisennasen geführt. Dass sie ausgerechnet in Hohenburg überlebt haben, liegt am nahen Truppenübungsplatz. Er zählt zu den größten Deutschlands und ist ein Paradies für Flora und Fauna. Denn er bleibt seit Jahrzehnten von den Auswüchsen der Landwirtschaft verschont. Deshalb haben die Großen Hufeisennasen dort überlebt.

© SZ vom 25.08.2021 / cws
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