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Naturschutz:Kritik an Flächenverbrauch

Grüne werfen Koalition vor, eigene Ziele zu verwässern

Bei der parteiübergreifend angestrebten Reduzierung des Flächenverbrauchs in Bayern gibt es einen neuen Streitpunkt: Die Landtags-Grünen warfen der Regierungskoalition nun vor, das eigene, vage Ziel schon wieder zu verwässern. Durch "schicke Definitionsänderungen" wollten CSU und Freie Wähler am Ende sagen können, dass sie ihr Ziel erreicht hätten, sagte Christian Zwanziger (Grüne) am Donnerstag im Wirtschaftsausschuss des Landtags.

Er kritisierte damit einen neuen Vorstoß der Koalition, wonach bei der angestrebten Fünf-Hektar-Richtgröße für den Flächenverbrauch auch unterschieden werden soll, "wofür und wie die betroffenen Flächen genutzt werden sollen". Es könne nicht sein, dass Parks, Friedhöfe, Fußballfelder oder Golfplätze bei der Flächennutzung genauso behandelt würden wie versiegelte Flächen, argumentiert etwa die CSU.

Der Gesetzesentwurf der Staatsregierung sieht für die Inanspruchnahme von Flächen für Siedlungs-und Verkehrszwecke eine Richtgröße von bayernweit maximal fünf Hektar pro Tag vor. Den Grünen reicht das nicht aus. "Wir brauchen jetzt endlich die von uns Grünen geforderten maximal fünf Hektar Flächenverbrauch pro Tag als Pflichtwert statt Richtwert", sagte Grünen-Fraktionschef Ludwig Hartmann am Donnerstag. Die Staatsregierung zeige "immer noch keinerlei Bemühen, dem ungezügelten Flächenfraß in Bayern Einhalt zu gebieten". Nötig sei "dringend ein verbindliches, landesweites Flächensparziel", sagte er.

Im vergangenen Jahr wurden nach einer Berechnung des statistischen Landesamts im täglichen Schnitt 10,8 Hektar Fläche bebaut. Siedlungs- und Verkehrsfläche ist allerdings nicht vollständig mit Beton und Asphalt gleichzusetzen. Denn dazu zählen auch Grünanlagen oder Sportplätze. All dies geht aber vor allem zulasten der Landwirtschaft, deren Fläche seit Jahrzehnten schrumpft.

© SZ vom 23.10.2020 / dpa
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